Fragen und Antworten zur Vogelgrippe | Wissen & Umwelt | DW | 02.06.2021
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Fragen und Antworten zur Vogelgrippe

Zwei verschiedene Vogelgrippe-Viren-Typen sind in diesem Jahr auf den Menschen übergesprungen. Die Fälle zeigen, wie schnell Viren sich anpassen und mutieren können. Das sollten Sie über die Vogelgrippe wissen.

Erst hat sich im Februar ein Mensch in Russland mit dem Vogelgrippe-Virus H5N8 infiziert und jetzt in China mit dem Subtyp H10N3.  Für beide Grippeviren war bis dahin nicht bekannt, dass auch Menschen sich mit ihnen infizieren können. In beiden Fällen war der Krankheitsverlauf mild und Mediziner betrachten sie als äußerst selten. Dennoch werfen die Infektionsfälle ein Schlaglicht darauf, wie schnell Viren vom Tier auf den Menschen überspringen können. 

Gerade die Vogelgrippe tritt mittlerweile in regelmäßigen Wellen immer wieder auf. Neben Asien ist auch Europa betroffen: Im Herbst letzten Jahres, also wenn Zugvögel auf Reisen sind, kam es immer wieder auch zu Ansteckungen in Zuchtbetrieben. Es wurden Fälle von H5N8 unter anderem in Belgien und den Niederlanden, auf Korsika sowie in Dänemark und Deutschland gemeldet. Auf Korsika wurden hunderte Hennen getötet, in Dänemark ordneten die Behörden Mitte November die Schlachtung von mehr als 25.000 Vögeln an. 

In Deutschland wurde die Vogelgrippe bei einem Geflügelhalter in Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesen. Um die Tierseuche zu bekämpfen, mussten rund 100.000 Tiere getötet werden. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Virus: 

Was ist Vogelgrippe?

Die "aviäre Influenza" ist für Geflügel eine hochansteckende Krankheit. Insbesondere bei Puten und Hühnern verläuft die Vogelgrippe, die auch als Geflügelpest bezeichnet wird, nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) meist tödlich. Die Erkrankung wird durch verschiedene Grippevirusstämme hervorgerufen.

Wofür stehen H und N?

Es gibt drei Typen von Grippeviren: A, B und C. Die gewöhnlich beim Menschen auftretende Grippe wird von Viren der Typen A und B verursacht, die weltweit vorkommende Vogelgrippe von Erregern des Typs A. 

Mehr dazu: Geflügelpest nimmt Deutschlands Norden in die Klauen

Die Viren enthalten auf ihrer Oberfläche Eiweiße, die mit den Abkürzungen H (Hämagglutinin) und N (Neuraminidase) bezeichnet werden. Es gibt 16 H-Subtypen und neun N-Subtypen. Je nach Kombination dieser Stoffe in der Virus-Hülle entstehen Namen wie H5N8 oder H10N3.

Symbolbild - Krickente

Wasservögel sind Überträger der Vogelgrippe, erkranken selbst aber kaum.

Wasservögel sind natürliche Wirte solcher Viren. Sie erkranken selbst aber gewöhnlich kaum. Bei Hühnern, Puten und Gänsen mutieren die Viren der Subtypen H5 und H7 dagegen zu hochansteckenden Formen, die die eigentlichen Erreger der Geflügelpest sind. Das nun in Europa aufgetauchte Virus H5N8 war zuvor aus Asien bekannt. 

Wie gelangt die Krankheit nach Europa?

Die Vogelgrippe ist eigentlich für Europa nichts neues. Der erste bekannte Ausbruch des Virus H5N8 fand 1983 in Irland statt. Die heutige sehr aggressive Variante der Vogelgrippe, die auch jetzt bei den Wildvögeln nachgewiesen wurde, trat erstmals 2013 in China und 2014 in Südkorea auf. Von dort hat es sich durch Wildvögel nach Europa und auch Nordamerika verbreitet. Biologen führen das jetzige vermehrte Auftreten des Virus auf den jährlichen Vogelflug zurück, bei dem hunderttausende Vögel in bestimmten Gebieten zusammenkommen. 

Mehr dazu: Vogelgrippe wird zur Pandemie

Video ansehen 02:43

Vogelgrippe bedroht die seltenen afrikanischen Pinguine

Kann sich das Virus auf den Menschen übertragen?

Nach Angaben des Bundesamtes für Risikobewertung ist die bisherige Form der Vogelgrippe H5N8 nur "sehr schwer" auf den Menschen übertragbar. Grundsätzlich könnte das Virus allerdings auch mutieren und damit auch für Menschen ansteckend werden. Die jetzigen Fälle zeigen, dass die Gefahr nicht nur theoretisch ist - auch wenn die Viren weiterhin als nicht sehr ansteckend gelten. 

Die Hauptgefahr besteht allerdings für andere Geflügelbestände. Diese müssen bei aktuellen Ausbrüchen im Stall gehalten werden, um zu verhindern, dass sie mit Wildvögeln in Kontakt geraten.

2003 kam es - von Südostasien ausgehend - zu einer Epidemie mit einem anderen hochansteckenden Vogelgrippevirus (H5N1). Daran sind auch mehr als 400 Menschen weltweit gestorben.  

Wie kann das Virus auf den Menschen übertragen werden?

Durch die Vogelgrippe-Viren können besonders Menschen gefährdet sein, die in direktem Kontakt mit infizierten Tieren stehen. Das Virus überträgt sich überwiegend durch Einatmen kontaminierter Staubpartikel oder Tröpfchen. Möglicherweise kann eine Vogelgrippe aber auch durch Schmierinfektion auf Schleimhäuten übertragen werden. Die gefährlichere Variante H5N1 kann auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. 

Mehr dazu: Von Asien nach Europa - die Spur der Vogelgrippe

Ein Warnschid vor einem Hof: Hygienezone - betreten verboten!

Bei H5N8-Ausbrüchen müssen Geflügelhalter auf die Stallpflicht achten. Ist ein Hof infiziert müssen Tiere getötet werden.

Kann ich meine Frühstückseier oder mein Putensteak noch essen?

Verbraucher sollten Geflügelfleisch gut durchgaren, rät das Landwirtschaftsministerium. Wer sich daran hält, müsse sich keine Sorgen machen. Auch hartgekochte Eier sind unbedenklich. Das Vogelgrippe-Virus ist laut BfR "empfindlich gegenüber hohen Temperaturen" und hält Hitze von mindestens 70 Grad nicht stand. Wer ganz sicher gehen will, sollte auf Produkte mit rohen Eiern, beispielsweise Tiramisu, verzichten.

Wie können sich Verbraucher sonst noch schützen?

In Regionen, in denen die Vogelgrippe nachgewiesen wurde, sollten Menschen den Kontakt zu wild lebenden Vögeln meiden. Besonders bei verendeten Tieren sei Vorsicht geboten. In Ländern, in denen die Vogelgrippe verbreitet ist, rät das Institut Reisenden "dringend" vom Besuch von Geflügelmärkten oder Geflügelfarmen ab.

Im Umgang mit Geflügelprodukten sollten Verbraucher besonderen Wert auf Hygiene legen und Fleisch beispielsweise getrennt von anderen Lebensmitteln lagern. Verbraucher, die auf Fleisch oder Eier aus Vogelgrippe-Regionen verzichten wollen, können anhand der Nummer auf der Verpackung erkennen, woher die Produkte stammen. 

Der Artikel wurde aufgrund der Nachricht, dass ein Mensch sich mit dem Virus-Subtyp H10N3 in China infiziert hat, zuletzt am 2.6.2021 aktualisiert 

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