Fluchtkorridor für Zivilisten in Rebellenbastion in Syrien geöffnet | Aktuell Asien | DW | 22.08.2019
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Bürgerkrieg

Fluchtkorridor für Zivilisten in Rebellenbastion in Syrien geöffnet

Idlib im Nordwesten Syriens ist das letzte große Rebellengebiet. Eskalierende Kämpfe hatten eine dramatische Fluchtbewegung ausgelöst. Nun gewährt die Regierung den verbliebenen Zivilisten einen Ausweg.

Syrien Luftangriffe in Idlib (picture-alliance/dpa/A. Alkharboutli)

Allein im August flohen 70.000 Menschen aus Idlib

Ein Fluchtkorridor soll es Zivilisten ermöglichen, den südlichen Teil der Provinz Idlib und den Norden von Hama zu verlassen, wo die syrische Armee zuletzt mit heftigen Luft- und Bodenangriffen gegen Aufständische vorgegangen ist, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana unter Berufung auf einen Vertreter des Außenministeriums in Damaskus meldet. Unklar ist, wie viele Menschen sich noch in dem eingekesselten Gebiet aufhalten. Aktivisten hatten berichtet, ein Großteil der Zivilisten sei bereits geflohen.

Die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad waren am Mittwoch in die Stadt Chan Schaichun eingerückt, nachdem die Rebellen diese aufgegeben hatten. Bei dem Vormarsch schnitten die Truppen der Regierung einen Teil im Süden des Rebellengebiets um Idlib von der Außenwelt ab. In der eingekesselten Region liegt auch ein Beobachtungsposten der Türkei, die die Rebellen unterstützt. Laut Internationalem Roten Kreuz wurden bei der Offensive bereits Hunderte Menschen getötet. 

Syrien Luftangriffe in Idlib (picture-alliance/dpa/A. Alkharboutli)

Mit Luft- und Bodenangriffen bekämpft die syrische Armee die letzten Rebellen in Idlib

Beunruhigende humanitäre Situation

Zuletzt waren Zehntausende Menschen vor der Offensive in Richtung türkische Grenze geflohen. Die humanitäre Situation vieler Flüchtender ist laut Hilfsorganisationen und Aktivisten dramatisch. Viele müssten auf freiem Feld oder in Autos übernachten. "Die Situation vor Ort bleibt volatil", sagte ein Sprecher des Nothilfebüros der Vereinten Nationen. Er sprach von "beunruhigenden Berichten" über immer mehr Vertreibung in der Region. Nach UN-Angaben flohen im August mehr als 70.000 Menschen aus dem umkämpften Gebiet Richtung Norden. Seit Beginn der Offensive im April sind den UN zufolge 576.000 Menschen innerhalb der Region Idlib vertrieben worden.

Die Region um Idlib im Nordwesten des Bürgerkriegslandes ist nach mehr als acht Jahren Bürgerkrieg das letzte große Rebellengebiet. Dominiert wird es von der Al-Kaida-nahen Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS). Russland als Verbündeter der Regierung und die Türkei hatten sich auf eine sogenannte Deeskalationszone für Idlib geeinigt. Die Assad-Anhänger begannen jedoch Ende April eine Offensive und konnten in den vergangenen Tagen größere Geländegewinne verbuchen. Die syrische und russische Luftwaffe fliegen regelmäßig Angriffe.

Der Krieg in Syrien wütet inzwischen seit neun Jahren, die meisten Beobachter rechnen inzwischen mit Hunderttausenden Todesopfern und mehreren Millionen Flüchtlingen. Die aktuelle Fluchtbewegung aus Idlib hat die Türkei bereits dazu gebracht, ihre Grenze aus Sorge vor dem Andrang vieler Menschen zu schließen.

lh(kle (dpa,rtr, afp)

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