Flüchtlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt | Top-Thema – Podcast | DW | 16.10.2015
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Top-Thema – Podcast

Flüchtlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt

Viele Betriebe in Deutschland suchen Lehrlinge, viele Flüchtlinge suchen Arbeit. Trotzdem können Flüchtlinge oft nicht in Betrieben arbeiten. Für die schlechte Integration auf dem Arbeitsmarkt gibt es viele Gründe.

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Flüchtlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt – das Top-Thema als MP3

Schon lange hat der Bäcker Markus Staib Schwierigkeiten, Lehrlinge für seine Großbäckerei zu finden. Daher hatte er die Idee, Flüchtlinge einzustellen. Bei ihm arbeiten jetzt drei Lehrlinge aus Somalia, Eritrea und Pakistan. In der Bäckerei ist Staib mit ihnen sehr zufrieden: „Sie haben sich hervorragend geschlagen“, sagt er. Doch auf der Berufsschule haben die Lehrlinge Probleme, weil sie oft die Sprache nicht verstehen. „Da geht's ja um theoretisches Wissen, um Aufpassen und Zuhören“, erklärt Staib.

Der Politikwissenschaftler Dietrich Tränhardt beschäftigt sich schon seit Jahren mit der Integration von Zuwanderern. „Sie wollen alle anpacken, aber es wird eine ganze Zeit dauern, bis das faktisch geschehen wird. Ein Grund sind die fehlenden Sprachkenntnisse, und der zweite Grund ist die deutsche Bürokratie“, meint Tränhardt. Er ist dafür, das Arbeitsverbot abzuschaffen. Bisher dürfen Flüchtlinge in den ersten Monaten in Deutschland nicht arbeiten.

Außerdem haben Arbeitgeber oft keine Rechtssicherheit, wenn sie Flüchtlinge beschäftigen. Das hat inzwischen auch die Politik erkannt. So sollen bald Auszubildende nach ihrer Lehre mindestens zwei Jahre lang nicht abgeschoben werden dürfen. „Aus meiner Sicht ist das natürlich sinnvoll, dass wir diese Personen nicht nur ausbilden, sondern dass wir auch einen Nutzen haben nach der Ausbildung“, sagt Bäcker Staib.

Doch dass unter den hunderttausenden Flüchtlingen nicht viele Fachkräfte sind, wissen auch die Migrationsforscher. „Insgesamt gehören die Migranten, die als Schutzsuchende nach Deutschland gekommen sind, zu den am schlechtesten verdienenden Gruppen am deutschen Arbeitsmarkt“, steht im aktuellen Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB. Um das zu ändern, muss vor allem in Bildung und eine schnelle Integration in den Arbeitsmarkt investiert werden, findet Thränhardt. Er sagt: „Wir brauchen eine ganz große Deutschkurs-Offensive, da muss ganz viel passieren.“


Glossar

Flüchtling, -e (m.) – jemand, der sein Heimatland aus einem bestimmten Grund (z. B. Krieg) verlassen muss

Integration (f., nur Singular) – hier: der Prozess, der dafür sorgt, dass eine Person an etwas teilnehmen oder irgendwo mitmachen kann

sich schlagen – umgangssprachlich für: eine schwierige Situation gut schaffen

hervorragend – besonders gut

theoretisch – gedanklich; so, dass etwas nicht direkt mit der Praxis zu tun hat

Zuwanderer, -/Zuwanderin, -nen – jemand, der sein Land verlässt, um in einem anderen Land zu leben

an|packen – hier: arbeiten

ganz – hier: lange; viel

faktisch – tatsächlich; in Wirklichkeit

Bürokratie (f., nur Singular) – hier: alle Regeln und Gesetze, die beachtet werden müssen

etwas ab|schaffen – dafür sorgen, dass es etwas nicht mehr gibt

Rechtssicherheit, -en (f.) – die Tatsache, dass man in einem bestimmten Bereich durch Gesetze und das Recht geschützt ist

jemanden ab|schieben – hier: jemanden, der Asyl sucht, in seine Heimat zurückschicken

sinnvoll – hier: klug; so, dass etwas Vorteile bringt

Nutzen, - (m.) – der Vorteil; die Tatsache, dass einem etwas nützt

Fachkraft, -kräfte (f.) – jemand, der gut ausgebildet und für eine bestimmte Arbeit qualifiziert ist

Migration, -en (f.) – die Tatsache, dass Menschen in ein anderes Land gehen, um dort zu leben (Person: der Migrant/die Migrantin)

in etwas investieren – Geld, Zeit (o. Ä.) für etwas geben, um ein Ziel zu erreichen

Offensive, -n (f.) – hier: der starke Einsatz; die Maßnahmen, die schnell zu einem Ziel führen sollen


Fragen zum Text

1. Was sagt der Bäcker
Markus Staib?
a) Viele Flüchtlinge haben Probleme bei ihrer Arbeit in der Bäckerei.
b) Er findet es nicht gut, wie die Flüchtlinge in seiner Bäckerei arbeiten.
c) Oft haben seine Lehrlinge Schwierigkeiten, weil sie nicht gut Deutsch sprechen.

2. Was steht im Text? Die Politik will dafür sorgen, dass …
a) Flüchtlinge nur so lange bleiben dürfen, wie ihre Lehre dauert.
b) Flüchtlinge nach ihrer Lehre auf jeden Fall eine Zeit lang in Deutschland bleiben dürfen.
c) eine Lehre für Flüchtlinge in Deutschland nicht mehr als zwei Jahre dauern soll.

3. Was sagt Dietrich Tränhardt?
a) Die meisten Flüchtlinge wollen nicht arbeiten.
b) Es gibt genug Deutschunterricht in Deutschland.
c) Flüchtlinge sollen von Anfang an in Deutschland arbeiten dürfen.

4. Für … Lehrlinge ist Markus Staib dankbar.
a) guter arbeitende
b) gute arbeitende
c) gut arbeitende

5. Migranten sind eine … Gruppe.
a) schlechte verdienende
b) schlecht verdienende
c) verdienend schlechte


Arbeitsauftrag
Stellt euch vor, ihr habt einen Betrieb und würdet Flüchtlinge als Lehrlinge einstellen. Was würdet ihr unternehmen, um sie beim Einstieg in die Arbeit zu unterstützen und ihnen zu helfen?

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