Fitch lässt Italien noch mal davonkommen | Aktuell Europa | DW | 23.02.2019
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Ratingagenturen

Fitch lässt Italien noch mal davonkommen

Mit der Bonitätsnote des italienischen Staates ist es ohnehin nicht weit her. Aber von einer weiteren Herabstufung hat die Ratingagentur Fitch zunächst abgesehen. Einen Warnschuss gibt es dennoch.

Italien: Finanzviertel in Mailand (picture-alliance/Daniel Kalker)

Das Finanzviertel in Mailand

Die Ratingagentur Fitch hat Italien nicht abgestraft. Das war an den Finanzmärkten zunächst befürchtet worden. Die Kreditwürdigkeit werde weiter mit "BBB" bewertet, gab die Agentur in London bekannt. Das ist zwei Stufen über dem sogenannten Ramschniveau. Der Ausblick für die Kreditwürdigkeit bleibt jedoch "negativ". Damit droht Italien weiterhin die Herabstufung.

Die Bonitätswächter begründen die Note und den negativen Ausblick mit einer Reihe von Schwächen der italienischen Wirtschaft. So sei das Niveau der Staatsverschuldung extrem hoch. Außerdem kritisiert die Ratingagentur fehlende Reformen im Haushalt, politische Risiken, ein sehr schwaches Wirtschaftswachstum und einen unsicheren Bankensektor.

Vor der Fitch-Entscheidung hatten die Kurse der italienischen Staatsanleihen unter Druck gestanden, weil Anleger eine Herabstufung erwarteten. Tatsächlich dürfte die Entscheidung von Fitch aber nur eine kurzfristige Verschnaufpause darstellen, denn die Finanzmärkte schauen sehr kritisch auf Italien. Die Ausgabenpolitik der römischen Regierung hat das Vertrauen belastet. Auch die EU-Kommission macht sich deshalb weiter Sorgen. Sie befürchtet Ansteckungsgefahren für die Euro-Zone, wie jüngst die Zeitung "La Repubblica" berichtete.

Höchster Schuldenwert nach Griechenland

Italien hat der EU ein Haushaltsdefizit von 2,04 Prozent im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt versprochen, anstatt der ursprünglich vorgesehenen 2,4 Prozent. Die deutliche Wachstumsabschwächung dürfte dieses Ziel aber unerreichbar machen. So war Italien im vierten Quartal in eine Rezession gerutscht. Die Prognose für das Wirtschaftswachstum senkte Fitch von bisher 1,2 Prozent auf 0,3 Prozent. Die italienische Regierung war in ihrem Haushaltsentwurf von 1,0 Prozent ausgegangen.

Italien hat mit einem Gesamtschuldenstand von 130 Prozent im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt den höchsten Wert in der Eurozone nach Griechenland. Die Noten der Ratingagenturen sind für Investoren von Staatsanleihen sehr wichtig. Große private Anleger wie Versicherungen, Pensionsfonds oder Anleihefonds sind entweder gesetzlich oder nach selbst gesetzten Kriterien verpflichtet, Papiere zu kaufen, die als investitionswürdig ("Investment Grade") eingestuft werden.

rb/as (dpa, rtr)

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