Fit für die Zukunft: Serbische Journalisten zu Besuch in Kroatien und Slowenien | Europa/Zentralasien | DW | 24.10.2018
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Medienentwicklung

Fit für die Zukunft: Serbische Journalisten zu Besuch in Kroatien und Slowenien

Wie kann man junges Publikum erreichen? Im Rahmen einer Studienreise der DW Akademie hat eine Gruppe serbischer Journalisten kroatische und slowenische Medien besucht, um von den EU-Nachbarn zu lernen.

Serbische Journalisten zu Besuch in Kroatien und Slowenien (DW/J. Djukic-Pejic)

Ein Selfie muss sein: Jelena Djukic-Pejic, Dragana Sretenovic, Dajana Markovic, Nebojsa Trifunovic und Marko Tadic (v.l.n.r.) zu Besuch beim Kultradio „Student“ in Ljubljana.

Rund 25 Jahre gehen die Nachfolgestaaten Jugoslawiens nun eigene Wege, und das nicht nur politisch, sondern auch medial. Gerade deshalb ist es für junge serbische Journalisten spannend zu sehen, wie die Medien in den mittlerweile zur EU zählenden Nachbarstaaten Kroatien und Slowenien auf dieselben Herausforderungen reagieren: die digitale Revolution und das schwindende Interesse der jungen Generation.

„Für mich war das Projekt JoomBoos des kroatischen Medienhauses 24sata am interessantesten“, sagt Marija Obrenovic aus Kragujevac. „Ursprünglich waren sie eine Tageszeitung, haben aber dann erfolgreich ihre Webvideoproduktion mit einem YouTuber-Portal kombiniert. Ein Projekt, das wirklich einzigartig auf dem Westbalkan ist.“

Mit YouTubern zum Erfolg

In nur drei Jahren hat JoomBoos einen Großteil der kroatischen YouTuber-Szene unter Vertrag gebracht, eine Casting-Show veranstaltet und eine Soap inklusive Musical-Einlagen entwickelt. In Europa und den USA hat JoomBoos dafür mehrere Medienpreise eingeheimst. Da die Redaktion auch die komplette Vermarktung der YouTuber übernimmt, schreibt sie seit langem schwarze Zahlen.

Innovativ ist auch das kroatische Schüler- und Studentenportal Srednja.hr, das der Belgraderin Dragana Sretenovic besonders imponierte. „Da hat es eine Gruppe junger Leute in kurzer Zeit geschafft, eine Marktnische zu besetzen und dabei sowohl erfolgreich als auch einflussreich zu sein.“

Klick-trächtiges Tool für Schüler und Studenten

Inhaltlich hat sich die Redaktion von Srednja.hr auf Bildungsthemen spezialisiert und mit ihren investigativen Geschichten für Furore gesorgt. Die meisten Besucher kommen jedoch wegen des „Zensurenrechners“ auf die Seite: Die Wahl der Mittelschule hängt in Kroatien maßgeblich von einer Punktzahl ab, die man aus den Abschlusszensuren der Grundschule errechnen kann. Ähnliches gilt für die Wahl des Studiengangs, bei dem die Abiturnoten umgerechnet werden müssen. Für beide Rechnungen bietet Srednja.hr ein einfaches Tool an, das im Nu Noten in Punkte umwandelt – und anzeigt, bei welchen weiterführenden Bildungseinrichtungen man mit dieser Punktzahl im vergangenen Jahr untergekommen wäre. Ein voller Erfolg, mit dem Srednja.hr hohe Klickzahlen generiert, die wiederum für solide Werbeeinnahmen sorgen.

Serbische Journalisten zu Besuch in Kroatien und Slowenien (DW/J. Djukic-Pejic)

Erfolgreich trotz geringen Budgets: Moderator Marko führt mit witzigen Plüschtier-Interviews durch die Kindersendung „Juhuhu“.

Spannend war für die neun serbischen Journalisten auch, wie es die – allgemein als altbacken und wenig flexibel geltenden – Öffentlich-Rechtlichen schaffen, mit den agilen Privatmedien Schritt zu halten. Beim kroatischen Sender HRT besuchte die Gruppe die Produktion der kunterbunten Kindersendung „Juhuhu“. Trotz knappen Budgets erfreut sie sich bei den Allerjüngsten größter Beliebtheit – wie übrigens auch das gleichnamige Internetportal.

Jugendliche nehmen Politiker ins Kreuzverhör

Highlight beim slowenischen öffentlich-rechtlichen Sender waren Jugendprogramme, bei denen Teenager selbst das Mikrofon in der Hand haben. Vor den jüngsten Präsidentschaftswahlen gelang es der Redaktion sogar, acht der neun Kandidaten nacheinander in eine Live-Sendung zu holen, wo sie von den Jugendlichen ins Kreuzverhör genommen wurden.

Serbische Journalisten zu Besuch in Kroatien und Slowenien (DW/J. Djukic-Pejic)

Radio Student hat zwar immer weniger Hörer, ist aber nach wie vor Kult – und ein wichtiges Sprungbrett für ambitionierte Journalisten.

Auch das „älteste unabhängige Studentenradio Europas“, wie es sich selbst nennt, durfte bei der Medienreise nicht fehlen: Radio Studentwurde während der 68er-Revolte gegründet und bekam die Zustimmung der Kommunistischen Partei. Gegen den Strom schwimmen ist hier Programm. Wer mitmachen will, muss im Auswahlverfahren beweisen, dass er oder sie nicht nur den Mut sondern auch das nötige Allgemeinwissen mitbringt, um vor dem Mikrofon Tacheles zu reden.

So sehr sie auch auf ihr Revoluzzer-Image Wert legen, ihr journalistisches Tun bezeichnen die Studenten als „old school“. Soziale Medien? Fehlanzeige. Die Hörerzahlen sind verschwindend gering. Auch droht der Hauptgeldgeber, ein Studentenverband, den Geldhahn zuzudrehen. Doch die Jungjournalisten sehen es sportlich. Leicht sei es nie gewesen, hier zu arbeiten, sagen sie. Aber es zahle sich aus. Schließlich haben viele, die in der slowenischen Medienlandschaft Karriere gemacht haben, einmal bei Radio Student angefangen.

Wichtiger Blick über den Tellerrand

Die aktuelle Studienreise ist Teil eines insgesamt dreijährigen Fortbildungsprogramms der DW Akademie. Dabei wird eine Gruppe junger serbischer Journalisten in thematisch breit gefächerten Workshops und Trainings zu Multiplikatoren für Kinder- und Jugendmedien geschult.

Im vergangenen Jahr haben die Journalisten bereits eine Rundreise durch deutsche Medien unternommen, was manchem als ferne Science Fiction erschien. So haben TV-Sendungen wie die Kindernachrichten "logo!", Online-Portale wie "bento" oder Social-Media-Projekte wie "funk" Budgets zur Verfügung, von denen man in Serbien nur träumen kann - und auch entsprechend großen Erfolg. Auf dem Westbalkan spielen mediale Angebote für Kinder und Jugendliche immer noch eine untergeordnete Rolle und werden als erstes weggespart. Gerade deshalb sei der Blick in die Nachbarländer Kroatien und Slowenien so wichtig gewesen, sagt Dragana Sretenovic: „Viele Medien, die wir besucht haben, zeigen, dass man – in ähnlich schwieriger Finanzlage wie bei uns – mit einer guten Idee und guter Kenntnis der Zielgruppe hervorragende Inhalte produzieren kann, die auch wirtschaftlich erfolgreich sind.“

 

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