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Finale im amerikanisch-russischen Agentenkrimi

9. Juli 2010

Der seit Ende des Kalten Kriegs größte Agentenaustausch zwischen den USA und Russland ist in Wien über die Bühne gegangen. 14 Agenten wurden ausgetauscht. Beide Staaten wollten eine diplomatische Krise abwenden.

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Flughafen Wien-Schwechat mit den beiden Maschinen (Foto: AP)
Kulisse des Agentenaustausches: der Flughafen Wien-SchwechatBild: AP

Es war der wohl größte Austausch von Spionen seit Ende des Kalten Krieges und die Weltöffentlichkeit schaute zu. In Wien übergaben am Freitag (09.07.2010) die Geheimdienste Russlands und der USA ihr enttarntes Personal. Die Operation ging rasch über die Bühne. Die Regierungen hatten offensichtlich großes Interesse daran, einen Schlusspunkt unter die Affäre zu setzen und ihre Beziehungen nicht zu gefährden.

Die zehn in den USA begnadigten russischen Geheimdienstagenten sind inzwischen in Moskau angekommen. Im Gegenzug für die russischen Spione waren am Freitagvormittag auf dem Flughafen Wien-Schwechat vier in Russland begnadigte Agenten, die wegen Kontakten mit westlichen Geheimdiensten verurteilt worden waren, an die USA übergeben worden.

Attorney Robert Baum (l.), Anwalt von Anna Chapman(Foto: dpa)
Attorney Robert Baum (l.), Anwalt von Anna ChapmanBild: picture-alliance/dpa

Auf dem Wiener Flughafen parkten anderthalb Stunden lang eine Maschine aus den USA und eine aus Russland nebeneinander, in denen offenbar die Spione waren. Fahrzeuge brachten mehrere Personen von einem Flugzeug zum anderen und umgekehrt. Zuvor hatten die amerikanische und die russische Regierung erklärt, dass insgesamt 14 inhaftierte Agenten ausgetauscht werden sollen.

Filmreifer Agentenaustausch

Dieses Finale des großen Agentenkrimis folgte einem Drehbuch, dessen Szenenfolge in Geheimgesprächen zwischen Moskau und Washington ausgehandelt und gut vorbereitet worden war. Nur zwölf Tage saßen die zehn russischen Agenten in US-Haft, bevor sie im Eilverfahren in New York abgeurteilt und außer Landes gebracht wurden.

Der Ablauf der Aktion folgte dem bewährten Beispiel aus der Zeit des Kalten Kriegs. Alle Beteiligten gaben Schuldbekenntnisse ab. Es folgte die Reise an einen neutralen Ort, um den Austausch zu vollziehen - in diesem Fall war es der Flughafen Wien-Schwechat. Für die einen war es ein Weg in die Heimat: Neun der zehn in den USA Festgenommenen sind Russen. Für andere war es ein Weg in die Fremde: Für die von Moskau freigelassenen Russen werden die USA zur neuen Heimat.

Die Angeklagten vor dem New Yorker Bundesgericht: Alle bekennen sich der Spionage schuldig (Foto: dpa)
Die Angeklagten vor dem New Yorker Bundesgericht: Alle bekennen sich der Spionage schuldigBild: picture alliance/dpa

Vor dem Abflug hatte US-Bundesrichterin Kimba Wood in New York buchstäblich kurzen Prozess mit den Angeklagten gemacht. Einer nach dem anderen bestätigten sie mit einem kurzen "Ja", dass sie sich schuldig bekennen, sich in den USA nicht als Agent eines anderen Landes registriert zu haben. Die Beschuldigten, die sich in den USA als Amerikaner ausgegeben hatten, gaben ihre echten Identitäten preis: Die netten Vorort-Eheleute Richard und Cynthia Murphy wurden wieder zu Wladimir und Lydia Gurjew.

Keine Rückkehr in die USA

Teil der vom Gericht abgesegneten Vereinbarung ist, dass die zehn Männer und Frauen nicht mehr in die USA zurückkehren dürfen. Die Existenz, die sie sich über Jahre in den USA aufbauten, ist zunichte gemacht. Robert Baum, Anwalt der rothaarigen Anna Chapman, die in den vergangenen Tagen dank Fotos im Internet zu globaler Prominenz aufgestiegen war, klagte: "Das wird wohl ihr Geschäft zerstören." Chapman war erfolgreiche Immobilienmaklerin.

Moskauer Gefängnis, wo Waffenexperte Igor Sutjagin untergebracht war (Foto: AP)
Verschlossene Tore kurz vor der Freilassung des Waffenexperten Igor SutjaginBild: AP

Kurz nach der Bekanntgabe des Urteils begnadigte der russische Präsident Dmitri Medwedew die vier mutmaßlichen Spione des Westens. Der prominenteste Freigelassene ist der Waffenexperte Igor Sutjagin, der 2004 zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden war, weil er Geheimunterlagen an die USA weitergegeben haben soll. Ebenfalls begnadigt wurde der frühere russische Offizier Sergej Skripal, der für Großbritannien spioniert haben soll und 2006 zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

In Moskauer Regierungskreisen hieß es, die rasche Beilegung der Krise um den im Juni aufgeflogenen Agentenring sei auch auf die guten Beziehungen zwischen US-Präsident Barack Obama und seinem russischen Amtskollegen Medwedew zurückzuführen. Die Affäre kam kurz nach einem Besuch Medwedews in den USA ans Licht, der erklärtermaßen der Verbesserung der bilateralen Beziehungen dienen sollte.

Autorin: Naima El Moussaoui (afp, dpa, rtr)

Redaktion: Sabine Faber

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