Filmfestspiele Venedig: Goldene Löwen für Jean-Paul Belmondo und Jerzy Skolimowski | Filme | DW | 31.08.2016
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Filmfestspiele Venedig: Goldene Löwen für Jean-Paul Belmondo und Jerzy Skolimowski

Mit dem französischen Starschauspieler und dem polnischen Regisseur werden in Venedig zwei Große des Europäischen Kinos geehrt. Beide haben nie zusammengearbeitet - dabei hätte es Mitte der 1960er Jahre durchaus gepasst.

Belmondo und Skolimowski haben auf den ersten Blick nichts miteinander gemeinsam. Der eine ist einer der großen Stars des französischen Nachkriegskinos, der andere ein innovativer polnischer Regisseur. Dass das älteste Filmfestival der Welt den beiden in diesem Jahr einen Ehren-Löwen für das Lebenswerk überreicht, ist zunächst einmal nur dem Umstand geschuldet, dass das Festival ab 2016 jeweils zwei Filmgrößen auszeichnen will: einen Schauspieler und einen Regisseur.

Kultstatus mit "Außer Atem"

2016 bekommen also Belmondo und Skolimowski den Löwen in Gold. Der inzwischen 83-jährige Belmondo, seit einem Schlaganfall im Jahre 2001 körperlich angeschlagen, war in den 1960er Jahren einer der Lieblingsschauspieler der innovativen Nouvelle-Vague-Regisseure. Die Rolle des Michel Poiccard in Jean-Luc Godards Klassiker "Außer Atem" brachte ihm Weltruhm. Seine Darstellung des coolen Drifters beeinflusste Schauspielerkollegen noch Generation später - nicht nur in Europa. Belmondo in "Außer Atem": mehr Kult geht eigentlich kaum.

Filmszene Ausser Atem von Jean-Luc Godard mit Jean Paul Belmondo und Jean Seberg (Foto: picture alliance)

Cooler Auftritt in Jean-Luc Godards "Außer Atem" an der Seite von Jean Seberg

Eine Dekade später verabschiedete sich der Star dann von den experimentierfreudigen Regisseuren der Nouvelle Vague und wurde zu einem der beliebtesten Darsteller des populären französischen Kommerz-Kinos: Polizisten und Detektive, sympathische Gauner oder korrupte Beamte, das Rollen-Repertoire Belmondos war übersichtlich, seiner Popularität im eigenen Land tat das keinen Abbruch. Der 1933 in Neuilly-sur-Seine geborene Mime war neben Alain Delon und Gerard Dépardieu der Superstar des französischen Films.

Letzter Auftritt vor der Kamera seines Sohnes

In den letzten Jahren ist es ruhiger um Belmondo geworden, was natürlich auf seine angeschlagene Gesundheit und sein fortgeschrittenes Alter zurückzuführen ist. Vor zwei Jahren trat er noch einmal auf, im Film "Belmondo von Belmondo: Eine Hommage an den Vater" seines Sohnes Paul Belmondo. Die Löwen-Verleihung in Venedig in wenigen Tagen dürfte zu einem der Höhepunkte des Festivals in der Lagunenstadt werden.

Schauspieler Jean-Paul Belmondo in Cannes 2011 (Foto: DPA)

2011 ehrte ihn das Festival in Cannes mit einer Gala: Jean-Paul Belmondo

Auch um den polnischen Filmregisseur Jerzy Skolimowski war es längere Zeit ruhig geworden. Dass nun auch er am Lido einen Ehren-Löwen für sein Lebenswerk erhält, ist eine schöne Geste des Festivals. Damit wird ein Mann des Kinos ausgezeichnet, der enorme Verdienste - nicht nur für das Kino in seiner polnischen Heimat - erlangt hat. Skolimowski begann seine Karriere als Drehbuchautor für seinen später wesentlich berühmter gewordenen Landsmann Roman Polanski. 1965 Inszenierte Skolimowski mit "Besondere Kennzeichen: keine" dann seinen ersten eigenen Film.

Skolimowski steht für innovatives Kino

Wie der Name Belmondo stand auch der des Polen in den 1960er Jahren für filmische Innovationen, ein modernes formbewusstes Kino und neue Spielarten der siebten Kunst. Filme wie "Der Start" (1967), "Deep End" (1970) oder später dann "Das Feuerschiff" (1985) waren unkonventionelle Arbeiten, die die Grenzen des Mediums neu ausloteten und oft Geschichten über gesellschaftliche Außenseiter erzählten. Skolimowski inszenierte einige dieser Filme im westeuropäischen Ausland, nachdem sein Film "Hände Hoch!" 1967 von den Behörden in Warschau verboten worden war.

Jerzy Skolimowski Film 'Der Todes-Schrei' (Foto: imago/EntertainmentPictures)

"Der Todesschrei" hieß Skolimowskis Film aus dem Jahre 1978 (unser Bild), sein nächster "Hände Hoch!" wurde verboten

In den letzten Jahren gelang dem 1938 in Łódź geborenen Polen dann mit dem Überlebensdrama "Essential Killing" (2010) sowie mit "11 Minuten" (2015) ein bemerkenswertes filmisches Comeback. "11 Minuten" feierte im vergangenen Jahr bei den Filmfestspielen in Venedig Premiere. In dem kühn montierten und geschnittenen Spielfilm geht es um ein halbes Dutzend Charaktere, deren Schicksale Skolimowski parallel erzählt. Erst in den Schlussminuten fügt sich das Ganze vor den Augen der Betrachter zusammen: ein kühnes filmisches Experiment, das gleichsam unterhält.

Zwei Veteranen des europäischen Kinos bekommen den Löwen in Venedig

Belmondo und Skolimowski sind - zumindest am Filmset - nie aufeinandergetroffen. Dabei hätte sich eine Zusammenarbeit durchaus ergeben können. Mitte der 1960er Jahre drehte Skolimowski mit einem anderen Star der Nouvelle Vague, Jean-Pierre Léaud, in Belgien den Film "Le Départ".

Jerzy Skolimowski 2010 in Venedig (Foto: VINCENZO PINTO/AFP/Getty Images)

Ein Freund des Festivals: Für "Essential Killing" erhielt Skolimowski in Venedig vor sechs Jahren den Spezialpreis der Jury

Belmondo spielte in diesen Jahren unermüdlich für Regisseure wie Godard oder Truffaut. Es war wohl nur ein Zufall, dass die beiden damals nicht zusammenkamen. Nun treffen sich der französische Schauspieler Jean-Paul Belmondo und der polnische Regisseur Jerzy Skolimowski ein halbes Jahrhundert später beim ältesten Filmfestival der Welt und holen sich gemeinsam einen Goldenen Löwen fürs Lebenswerk ab: Herzlichen Glückwunsch!

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