Filmfestival Venedig: Kaum Frauen, viele Männer | Filme | DW | 29.08.2018
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Filmfestspiele Venedig

Filmfestival Venedig: Kaum Frauen, viele Männer

Insgesamt 21 Filme konkurrieren bei den diesjährigen Filmfestspielen von Venedig um den Goldenen Löwen, darunter gerade mal einer mit weiblicher Regieführung. Festivalleiter Alberto Barbera steht in der Kritik.

Die Liste an Regisseuren, die in diesem Jahr in Venedig um den renommierten Goldenen Löwen konkurrieren, wimmelt nur so von hochkarätigen Namen: Mike Leigh, Damien Chazelle, die Coen-Brüder oder der deutsche Oscarpreisträger Florian Henckel von Donnersmarck - die Auswahl weckt hohe Erwartungen.

Regisseurinnen sucht man unter den 21 Bewerbern jedoch - mit einer Ausnahme - vergeblich. Als einzige Frau im Wettbewerb ist die australische Filmemacherin Jennifer Kent mit "The Nightingale" vertreten - was Presse und Branchenverbände zu Kritik am künstlerischen Direktor des Festivals, Alberto Barbera, veranlasste. 

"Machismo" am Lido

Bereits Anfang August wandte sich ein Zusammenschluss von Branchenverbänden in einem offenen Brief an den Italiener und forderte, das Standing von Frauen in der Filmbranche zu verbessern, und - wie bei den Festivals von Cannes und Locarno - sich zu mehr Diversität bei der Filmauswahl zu verpflichten.

Regisseurin Jennifer Kent. (picture-alliance/AP Images/Invision/V. Will)

Jennifer Kent muss sich gegen 20 Männer behaupten

Die amerikanische Presse griff die Kritik zu Beginn der 75. Filmfestspiele an diesem Mittwoch auf. So ist im "Hollywood Reporter" die Rede von "Machismo", Frauen seien "quasi ausgeschlossen worden", schreibt "Variety". 

Biennale-Chef Paolo Barrata sagte, 21 Prozent der Einreichungen stammten von Frauen. Und trotzdem: Im Wettbewerb landete lediglich ein Film mit weiblicher Regisseurin - bei 21 Filmen sind das weniger als fünf Prozent.

Barbera zieht Rücktritt Frauenquote vor

Alberto Barbera erklärte, er würde eher die Leitung der Filmfestspiele abgeben, als eine Frauenquote einzuführen; er achte bei der Auswahl "auf Qualität und nicht auf Geschlecht".

Feministinnen kritisierten seine Rücktrittsdrohung scharf. Damit erhalte Barbera den Eindruck aufrecht, "dass die Auswahl von Filmen weiblicher Filmemacher bedeute, die Standards zu senken", hatte die Vereinigung European Women's Audiovisual Network in einem offenen Brief geschrieben.

Alberto Barbera bei den Filmfestspielen Venedig 2018. (picture-alliance/abaca/M. Piovanotto)

Alberto Barbera ist vehement gegen eine Frauenquote

Der Jury-Vorsitzende des Filmfestivals von Venedig, der oscarprämierte Regisseur Guillermo del Toro, sprach sich für Gleichberechtigung in der Filmbranche aus. Er unterstützte bereits die im Mai in Cannes gestartete Initiative für Geschlechtergerechtigkeit, die Frauen und Männer bis 2020 zu gleichen Teilen bei Filmwettbewerben vertreten sehen will.

Gleichberechtigung lange nicht auf Agenda

"Es ist extrem wichtig, auf Unter-Repräsentation hinzuweisen. Über Jahrzehnte und Jahrhunderte ist das nicht passiert", sagte del Torro.

Kritik an Festivaldirektor Barbera gibt es aber nicht nur wegen der hohen Männerquote. Barbera sieht sich auch Vorwürfen augesetzt, weil er die Dokumentation eines Filmemachers zeigt, der der sexuellen Übergriffe beschuldigt wird. Darüber hinaus hatte er im vergangenen Jahr den Regisseur James Toback eingeladen, dem fast 400 Frauen sexuelle Belästigung und Missbrauch vorwerfen.

Die Filmfestspiele Venedig sind das älteste Filmfestival der Welt. Die 75. Ausgabe dauert noch bis zum 8. September. 

bb/rk (afp, www.hollywoodreporter.com, www.variety.com)

Mehr zum Filmfestival in Venedig auch in der neuen Ausgabe von KINO.

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