Feuer verwüstet weltberühmte Kunsthochschule | Aktuell Europa | DW | 16.06.2018
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Glasgow School of Arts

Feuer verwüstet weltberühmte Kunsthochschule

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre hat ein Großbrand das historische Mackintosh-Gebäude der Kunsthochschule in Glasgow massiv beschädigt. Kunstwelt und Politiker äußerten sich schockiert.

Meterhohe Flammen loderten um kurz nach Mitternacht aus dem Gebäude der Kunsthochschule Glasgow. Wie der Scottish Fire and Rescue Service (SFRS) mitteilte, kämpften mehr als 120 Feuerwehrleute gegen den Großbrand.

"Es ist ein extrem herausfordernder und komplexer Einsatz, aber die Reaktion und die Professionalität unserer Feuerwehrleute sind einzigartig", hieß es auf der SFRS-Twitter-Seite.

Trotzdem konnten die Einsatzkräfte ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Universitätsgebäude nicht verhindern, das Feuer brannte auch nach Stunden noch lichterloh. Anwohner berichteten, dass umliegende Häuser evakuiert wurden.

Schottland Kunsthochschule Glasgow Mackintosh Building (imago stock&people)

So sah das Mackintosh-Gebäude der Glasgow School of Arts vor den Feuern von 2014 und 2018 aus

Touristenattraktion in Flammen

Das Mackintosh Building wurde Ende des 19. Jahrhunderts nach Plänen des schottischen Architekten Charles Rennie Mackintosh errichtet, einem wichtigen Vertreter des Jugendstils. Der Sandsteinbau gehört zu den bekanntesten Bauwerken Schottlands und zieht jährlich Tausende Touristen an. Zu den berühmtesten Absolventen der Glasgow School of Art gehören die mit dem Turner Prize ausgezeichneten zeitgenössischen Künstler Simon Starling, Richard Wright und Martin Boyce.

Schon im Mai 2014 hatte es durch ein Feuer schweren Schaden genommen. Damals soll ein defekter Projektor eine leicht entzündliche Kunstinstallation in Brand gesetzt haben. Die Flammen griffen schnell auf das gesamte Gebäude über.

Hoher Sachschaden, keine Verletzten

Die Brandursache des aktuellen Feuers ist nach Angaben der Feuerwehr noch unbekannt. Verletzte soll es nach bisherigen Erkenntnissen nicht gegeben haben. Der Sachschaden wurde zwar noch nicht beziffert, er wird jedoch in großer Höhe vermutet. 

Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon sprach von einer "extrem ernsten Situation" und lobte den Mut der Einsatzkräfte. Sie drückte ihre Hoffnung aus, dass niemand durch das Feuer zu Schaden gekommen ist. Zugleich sprach die Politikerin der Scottish National Party davon, dass ihr "das Herz bricht", wenn sie das zerstörte Mackintosh Building sehe.

Laut dem Glasgower Parlamentsabgeordneten Paul Sweeney und übereinstimmenden Augenzeugenberichten dürfte das Ausmaß der neuerlichen Brandtragödie das des Feuers von 2014 nochmals deutlich übertreffen. Sweeney rief zu einem "nationalen Kraftakt" auf, "um eines der prächtigsten Denkmäler der weltweiten Architekturgeschichte zu retten und wieder aufzubauen."

Alles auf Anfang - oder am Ende?

Die aufwendigen Restaurationsarbeiten hätten Medienberichten zufolge im nächsten Jahr abgeschlossen werden sollen. Laut der Nachrichtenagentur Press Association waren dafür Kosten von umgerechnet bis zu 40 Millionen Euro veranschlagt.

Auf Twitter äußerten viele Stadtbewohner die Sorge, das jüngste Feuer könnte dem Kulturdenkmal endgültig den Garaus gemacht haben. "Ich habe das Feuer 2014 gesehen, und dieses hier ist wesentlich schlimmer", berichtete der inzwischen als Journalist tätige Absolvent David Pratt. "Ich glaube, das Mackintosh-Gebäude ist am Ende. Völlig am Ende."

mak/jmw (dpa, ape)