Festnahmen bei Schwulen-Protest | Aktuell Welt | DW | 12.10.2013
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Aktuell Welt

Festnahmen bei Schwulen-Protest

Im russischen St. Petersburg ist eine Kundgebung für die Rechte Homosexueller von radikalen Störern angegriffen worden, unter ihnen orthodoxe Christen. Die Polizei schritt ein - zu spät, sagen die Aktivisten.

Die russische Polizei hat in St. Petersburg rund 70 Befürworter und Gegner von Homosexuellen festgenommen. Nach Agenturberichten hielten einige Aktivisten im Zentrum der Touristenmetropole eine genehmigte Kundgebung für die Rechte von Schwulen und Lesben ab. Sie schwenkten Regenbogenfahnen und hielten Schilder mit Aufschriften wie "Stopp der Schwulenfeindlichkeit in Russland!"

Etwa 200 Störer attackierten die bis zu 50 Kundgebungsteilnehmer mit Fäusten, beschimpften sie und zerrissen Regenbogenfahnen - das Symbol der Homosexuellenbewegung. Unter den Angreifern waren den Angaben zufolge zahlreiche russisch-orthodoxe Gegendemonstranten, die beteten und religiöse Lieder sangen.

Kritik an der Polizei

Darauf schritt die Polizei ein. Teilnehmer der Kundgebung warfen den Sicherheitskräften jedoch vor, sie hätten die Störer zu lange gewähren lassen und sei zu spät gegen sie vorgegangen. "Die Homophoben störten die Aktion mit Unterstützung der Polizei", sagte Natalia Tsymbalova, eine der Organisatorinnen, der Nachrichtenagentur Reuters.

Teilnehmer einer Schwulen-Demo in St. Petersburg werden abgeführt (Foto: picture alliance/dpa)

Homosexuelle werden immer wieder Opfer von Angriffen

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte im Juni ein "Gesetz gegen Homosexuellen-Propaganda" unterzeichnet. Die Vorschrift verbietet es, in Gegenwart von Minderjährigen über Homosexualität zu reden.

Befürworter behaupten, das Verbot diene dem Kinderschutz. Homosexualität wurde in Russland noch bis 1993 als Verbrechen und bis 1999 als Geisteskrankheit eingestuft.

Mehrheit angeblich auf Putins Seite

Umfragen zufolge soll eine Mehrheit der Russen das neue Gesetz gutheißen. Darunter sind viele konservative Russisch-Orthodoxe, die Homosexualität als Sünde ansehen.

Menschenrechtler und Homosexuellen-Verbände verurteilen das Gesetz dagegen als diskriminierend. Es schüre den Hass gegen Schwule und Lesben. Auch Rufe nach einem Boykott der Olympischen Winterspiele im Februar 2014 im südrussischen Sotschi wurden laut.

gri/wl (dpa, AFP, rtr)

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