Feministisch und politisch: Auszeichnung für US-Künstlerin Barbara Kruger | Kultur | DW | 04.01.2019
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Kunstpreis

Feministisch und politisch: Auszeichnung für US-Künstlerin Barbara Kruger

Sie provoziert, kritisiert, veranschaulicht: Barbara Krugers Kunst besteht nur aus Schrift und nimmt kein Blatt vor den Mund. Nun erhält sie den Goslarer Kaiserring - als Anerkennung für ihre klaren Botschaften.

"Loser" ("Versager") steht in roter Schrift auf einer Schwarz-Weiß-Aufnahme von Donald Trump. Der zukünftige US-Präsident zieht eine dieser grässlichen Grimassen, die inzwischen weltbekannt sind: den Mund leicht geöffnet, der Blick hasserfüllt, die Stirnfalten zornig zusammengeschoben. Dieses Cover-Bild des New York Magazins aus dem Jahr 2016 nutzte Barbara Kruger als politisches Statement. Donald Trump könne gut mit einzelnen Worten umgehen. Und er wisse, wie er Menschen beschädigen und beschämen kann. "Was ist das Wort, das Donald Trump mehr als alles andere auf der Welt fürchtet? Versager", sagte Barbara Kruger damals in einem Interview mit Zeit Online.

Künstlerin Barbara Kruger (Foto: picture-alliance/ZumaPress/El Universal/I. Stephens)

Barbara Kruger bezieht mit ihrer Kunst Stellung

Die US-Künstlerin ist bekannt für ihre klaren Botschaften. 1991 kommentiert sie den "Golfkrieg": Sie verfremdet ein amerikanisches Sternenbanner, das anstelle der Sterne im blauen Feld die Aufforderung trägt: "Denk an den Augenblick, da Stolz zu Verachtung wird." Anstatt der weißen Streifen im roten Feld schrieb sie zehn Fragen untereinander: "Wer hat die freie Wahl? Wer steht außerhalb des Gesetzes? Wer wird geheilt? Wer wird beherbergt? Wer spricht? Wer wird zum Schweigen gebracht? Wer salutiert am längsten? Wer betet am lautesten? Wer stirbt zuerst? Wer lacht zuletzt?"

We don't need another hero - Schriftzug auf einem Foto von zwei Mädchen (Foto: picture-alliance/AP Photo/M. Lennihan)

"We don't need another hero" - eine feministische Botschaft von Barbara Kruger, zu sehen im Whitney Museum, New York

Konsum- und Kapitalismuskritik mit Humor

Schwarz-Weiß-Fotografien mit einprägsamen Slogans auf rotem Hintergrund sind ihr Markenzeichen. "I shop therefore I am" ("Ich kaufe, also bin ich") ist ein berühmtes, konsumkritisches Werk aus dem Jahr 1987.  - Wieder: weiße Schrift, rotes Banner und das Foto einer Hand, die gerade zugreifen will. Barbara Krugers Stoßrichtung ist klar: Pointierte Botschaften gegen Sexismus, Misogynie, Konsum und Macht. Lange vor der #metoo-Debatte greift Barbara Kruger bereits Themen wie Gleichberechtigung auf. Die 73-Jährige gehöre zur ersten Generation feministischer Künstlerinnen, die in den 1980er Jahren weltweit Beachtung fanden, teilte die Stadt Goslar bei der Verkündigung des Preises an.

Schwierige Anfänge

It's a small world, bot not if you have to clean it: Kunstwerk von Barbara Kruger in L.A. (Foto: Getty Images/AFP/R. Beck)

"It's a small world, bot not if you have to clean it": Kunstwerk von Barbara Kruger in L.A.

Barbara Kruger, geboren 1945 in New Jersey, wächst in ärmlichen Verhältnissen auf - ohne eigenes Zimmer. Sie studiert an der New Yorker Parsons School of Design und an der School of Visual Arts. Zunächst arbeitet sie als Grafikdesignerin für die Zeitschrift "Mademoiselle", "Vogue" und "House & Garden", ab 1972 startet sie eine Karriere als freie Künstlerin und Fotografin in New York. Krugers Ideal: klare und verständliche Kunst, die jeder bezahlen kann. 

2005 erhielt sie auf der 51. Biennale di Venezia den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert. 2020 widmet das Art Institute of Chicago Barbara Kruger eine große Einzelausstellung.

Bedeutender Preis

"Ich bin sehr gerührt, dass Sie mich als Trägerin des hochrangigen Kaiserrings ausgewählt haben und ich zum Kreis all dieser großartigen Künstler und Kollegen dazu gehören werde", erklärte die in Los Angeles und New York lebende Kruger, als sie von ihrer Nominierung erfuhrt. Der undotierte Kaiserring gilt als eine der international wichtigsten Auszeichnungen für moderne Kunst. Er wird seit 1975 jährlich verliehen, zu den bisherigen Preisträgern aus Deutschland zählen etwa der Künstler Joseph Beuys, die Bildhauerin Isa Genzken und zuletzt der Fotokünstler Wolfgang Tillmans.

Barbara Kruger wird die Auszeichnung am 21. September in Goslar in Empfang nehmen. Das gab Oberbürgermeister Oliver Junk (CDU) beim Neujahrsempfang der Stadt bekannt.

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