Felix Jansen: ″Futsal wird immer populärer″ | Mehr Sport | DW | 27.04.2018
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Futsal

Felix Jansen: "Futsal wird immer populärer"

Der VfL 05 Hohenstein-Ernstthal ist erstmals deutscher Futsal-Meister - nach einem packenden Finale gegen die Futsal Panthers Köln. Im DW-Interview spricht Panthers-Chef Felix Jansen über die Entwicklung der Sportart.

Futsal Mannschaft Panthers aus Köln (Benjamin Horn)

Die Futsal Panthers Köln feiern vor ihren Fans

Der VfL 05 Hohenstein-Ernstthal ist neuer Deutscher Futsalmeister: Der Vorjahresfinalist aus Sachsen gewann am Samstag in Dresden ein packendes Finale gegen die Futsal Panthers Köln mit 6:5 (5:5, 1:3) nach Verlängerung und holte damit erstmals den Titel. Michal Salak erzielte vor 1027 Zuschauern den Siegtreffer. "Wir haben hart gekämpft und uns zurück gekämpft und sind belohnt worden", sagte VfL-Kapitän Christopher Wittig. Im Vorjahr hatte Hohenstein-Ernstthal das Finale noch gegen SSV Jahn Regensburg verloren. In der kommenden Saison darf der Club nun am UEFA Futsal Cup teilnehmen.

Vor dem Finale hatte Felix Jansen, der Vereinschef des Finalisten Futsal Panthers Köln im DW-Interview über die Entwicklung der Sportart in Deutschland gesprochen. 

DW: Herr Jansen, wie kommt man eigentlich dazu, Futsal zu spielen?

Bei mir persönlich erfolgte der erste Kontakt zu der Sportart über meinen Freund Thomasz Luzar, der damals in Münster während des Studiums mit dem Sport begann. 2012 zog er dann nach Köln und fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, bei den Panthers mitzumachen. Von da an war ich mit dabei. Mittlerweile bin ich 1. Vorsitzender in dem Verein und Thomasz stellvertretender Vorsitzender, nachdem er die Mannschaft bis 2016 trainiert hat. Die Panthers selbst gibt es bereits seit 2006. Der Verein ist, wie viele andere Futsal-Mannschaften auch, aus einer Gruppe von Studenten entstanden.

Warum ist Futsal in Deutschland immer noch relativ unbekannt?

Das ist eine gute Frage. Zum Hintergrund muss man sicherlich wissen, dass der Sport ursprünglich in Uruguay entstanden und in Südamerika groß geworden ist. Für viele Kinder dort gehört Futsal zum Aufwachsen mit dazu. In Deutschland sieht das ein bisschen anders aus, hier gibt es immer seltener den klassischen Straßenfußballer. Vielmehr treten die Jugendlichen relativ schnell in einen der vielen Fußballvereine ein und bleiben dann auch bei der Sportart. Ich denke, in Deutschland ist es generell oft schwierig, die Leute mit einer neuen Idee, wie etwa Futsal, zu begeistern. Bei vielen stößt man damit auf Skepsis, bis sie sich den Sport tatsächlich mal ansehen, oder sogar selbst ausprobieren.

Wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung im deutschen Futsal?

Wir können definitiv jetzt schon beobachten, dass Futsal in Deutschland zunehmend populärer wird. Das liegt sicherlich auch an der Futsal-Nationalmannschaft, die vor rund zwei Jahren ins Leben gerufen wurde. Ich denke, der DFB sendet hier die richtigen Signale. Für die weitere Entwicklung sind natürlich Sponsoren und Gelder enorm wichtig, aber es wird auch sehr davon abhängen, welche Resonanz unser Sport in der Bevölkerung erhält. Plump gesagt, wenn sich keiner den Sport anguckt, dann gibt's auch kein Geld. Ich denke das ist die größte Herausforderung in naher Zukunft.
Sportlich betrachtet bin ich immer wieder überrascht, auf welch hohem Niveau wir uns bereits jetzt befinden. Man muss bedenken, dass Futsal hierzulande eine absolute Randsportart ist. In den Vereinen herrschen Amateurstrukturen - hier verdient keiner Geld, dennoch ist das Niveau unter den Spielern enorm hoch. Alles in allem würde ich sagen, strukturell ist in Deutschland definitiv noch Luft nach oben, aber die sportliche Entwicklung ist schon jetzt erstaunlich.

Futsal Mannschaft Panthers aus Köln (Benjamin Horn)

Bei der Hallenfußball-Variante Futsal sind technische Fähigkeiten und schnelles Reaktionsvermögen gefragt

Was würde es für den Sport hierzulande bedeuten, wenn die Nationalmannschaft in Zukunft einen Titel gewänne?

Das wäre natürlich eine überragende Geschichte und würde den Sport enorm pushen, aber realistisch betrachtet sind wir davon noch Lichtjahre entfernt. In Portugal zum Beispiel, wo die Nationalmannschaft in diesem Jahr die Futsal-Europameisterschaft gewinnen konnte, sind die strukturellen Bedingungen viel besser als hierzulande. Die Spiele werden in Hallen vor mehreren tausend Zuschauern ausgetragen. Es gibt professionelle Vereine, wie etwa die Futsal Abteilung von Sporting Lissabon, und dementsprechend fließen auch viel höhere Gelder in den Sport. Wenn man die Nationalmannschaft Portugals mit dem deutschen Team vergleichen würde, dann wäre es wohl so, als ob der FC Bayern München gegen einen Regionalligisten anträte. Für die deutsche Nationalmannschaft wäre es bereits ein großer Erfolg, wenn sie es schaffen würde, sich für die Weltmeisterschaft 2020 zu qualifizieren.

Wäre es denkbar, dass Deutschland in absehbarer Zeit ein großes Turnier austrägt?

Das wäre definitiv eine gute und große Geschichte. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass der DFB bereits jetzt solche Pläne hat. Durch eine WM im eigenen Land würden sich garantiert auch noch mehr Jugendliche für den Sport begeistern. Man denke dabei mal an das "Sommermärchen 2006". Bereits heute spielen viele Jugendliche Futsal in ihren Fußballvereinen als Abwechslung zum normalen Training, weil viele Trainer darin einen Vorteil für junge Fußballspieler sehen. Sich auf engem Raum technisch durchsetzen zu können, kann auch auf dem großen Feld ein entscheidender Vorteil sein. Meiner Meinung nach wird Futsal in den kommenden fünf bis zehn Jahren einen großen Popularitätsschub bekommen.

Felix Jansen ist seit 2013 der Vereinschef der Futsal Panthers Köln. Der 36-Jährige kam 2012 als Spieler zu den Panthers. Futsal ist eine vom Weltfußballverband FIFA anerkannte Variante des Hallenfußballs. Jede Mannschaft hat inklusive Torhüter fünf Spieler, es werden zwei Halbzeiten a' 20 Minuten auf Handballtore gespielt. Dabei wird ein spezieller Ball verwendet, der kleiner als normale Fußbälle ist und weniger hoch vom Boden abspringt.

Das Interview führte Marvin Van Daele.

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