FC Bayern will zurück zur alten Dominanz | Sport | DW | 05.04.2019
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Vor dem Klassiker

FC Bayern will zurück zur alten Dominanz

Die Bayern drohen ihr Abo auf den Meistertitel zu verlieren. Mit viel Geld soll der Kader der Münchener nun radikal verjüngt werden. Aber hat der deutsche Rekordmeister überhaupt noch den richtigen Trainer?

Sechs deutsche Meisterschaften in Folge, die siebte erscheint nicht ganz unrealistisch - dennoch hat Bayern-Präsident Uli Hoeneß angekündigt, viel Geld für junge Topspieler auszugeben, damit der deutsche Rekordmeister wieder zur alten Stärke zurückfindet. "Wir sind gerade dabei, unsere Mannschaft zu verjüngen", sagte Hoeneß kürzlich bei einer Finanzmakler-Messe in München. "Es ist das größte Investitionsprogramm, das der FC Bayern je hatte." In der Talkshow "Doppelpass" des TV-Senders "Sport1" wollte der Bayern-Präsident noch keine Details preisgeben, beunruhigte jedoch die Konkurrenz mit seiner Aussage: "Wenn Sie wüssten, was wir alles schon sicher haben für die kommende Saison..."

Am Mittwoch vergangener Woche ließen die Münchener dann die erste Katze aus dem Sack: Für rund 80 Millionen Euro wechselt der 23 Jahre alte französische Weltmeister Lucas Fernandez von Atletico Madrid an die Isar. 

Fußball-Profi Lucas Hernandez (Getty Images/G. Bouys)

Weltmeister Hernandez kommt

Das kanadische Talent Alphonso Davies (18 Jahre alt), spielt bereits für die Bayern, "Rohdiamant" Jann-Fiete Arp (19) kommt nach der Saison vom Hamburger SV, ebenso Benjamin Parvard (23), ein weiterer Weltmeister aus Frankreich, aktuell noch in Diensten des VfB Stuttgart. Für ihn sollen die Bayern rund 35 Millionen Euro berappt haben. 

Kommen Werner und Havertz?

Angeblich sind die Bayern bereit, weitere 80 Millionen Euro für Flügelstürmer Nicolas Pépé (23) vom OSC Lille zu investieren. Mit dem englischen Jungnationalspieler Callum Hudson-Odoi (18) vom FC Chelsea steht ein weiterer Flügelspieler auf der Wunschliste des Klubs. An Ajax Amsterdams brillantem Verteidiger Matthijs de Ligt (19) sollen die Bayern ebenso dran sein wie an Nationalstürmer Timo Werner (23) von RB Leipzig und Kai Havertz (19), Mittelfeld-Shootingstar von Bayer 04 Leverkusen. Vieles deutet darauf hin, dass Werner spätestens 2020 das Trikot des FC Bayern tragen wird.

Benjamin Pavard, VfB Stuttgart (picture-alliance/SvenSimon/F. Hoermann)

Mit Pavard stößt ein weiterer Weltmeister zum Team

Die Einkaufsoffensive ist eine Wende in der Transferpolitik des Rekordmeisters. Für die Saison 2018/19 hatten die Bayern ihre Kasse weitgehend geschlossen gehalten, obwohl klar war, dass ein Generationswechsel eigentlich dringend nötig war. Schließlich neigen sich nicht nur die Karrieren der langjährige Leistungsträger Franck Ribery (35) und Arjen Robben (35) dem Ende zu.

Trainer Nico Kovac, nach der vergangenen Saison von Pokalsieger Eintracht Frankfurt nach München gewechselt, konnte einem fast schon leid tun. Seine alternde Mannschaft taumelte im vergangenen Herbst alarmierend in Richtung Krise, während sich Lucien Favres junges und dynamisches BVB-Team einen Vorsprung von neun Punkten vor den Bayern herausspielte und beim Hinrundenduell beider Teams im November in Dortmund einen furiosen 3:2-Erfolg feierte. 

Die Bayern berappelten sich wieder und holten den Rückstand nicht nur auf, sondern übernahmen vorübergehend sogar wieder die Tabellenspitze. Doch die Demütigung des Rekordmeisters in der Champions League durch Jürgen Klopps aufstrebenden FC Liverpool führte deutlich vor Augen, dass Deutschlands führende Mannschaft aktuell Lichtjahre von der Form früherer Glanzjahre entfernt ist. 

Kritik an Kovacs Taktik

Bereits bevor Kovac seinen Champions-League-Eignungstest gegen Liverpool vergeigte, diskutierte die Bayern-Fangemeinde darüber, ob der kroatische Trainer wirklich der richtige Mann sei, um die Bayern mit jungen Talenten in eine neue glorreiche Zukunft zu führen. In Frankfurt hatte Kovac sein Team mit einer tief stehenden Abwehr spielen lassen, aus der die Eintracht überfallartig konterte. Eine solche Spielphilosophie passt kaum zum FC Bayern, wo man es gewohnt ist, überwiegend in Ballbesitz zu sein und das Spiel zu machen.

Fußball Bundesliga Niko Kovac, Trainer FC Bayern München (picture-alliance/SvenSimon/F. Hoermann)

Keine leichte erste Saison für Bayern-Trainer Niko Kovac

Beim 0:0 an der Anfield Road fühlte sich Kovac in seinem defensiven Trainer-Element wohl. Doch auf heimischem Boden wirkte sein Team taktisch ideenlos. Nicht die Tatsache, dass die Mannschaft durch eine 1:3-Niederlage gegen die "Reds" aus Liverpool ausschied, war alarmierend, sondern die Art und Weise, in der sie sich aus der Champions League verabschiedete. 

Selbst Torjäger Robert Lewandowski kritisierte öffentlich die Defensivtaktik seines Trainers. Andere warfen Kovac taktische Naivität vor, vor allem bei den bitteren Niederlagen in Topspielen wie gegen den BVB, Bayer 04 Leverkusen und vor allem in der zweiten Halbzeit des Rückspiels gegen Liverpool. Doch selbst gegen schwächere Teams der Bundesliga lassen die Bayern inzwischen Punkte liegen, wie am vergangenen Wochenende beim 1:1-Unentschieden beim SC Freiburg. Die Folge: Ein wahrlich nicht berauschend aufspielender BVB holte sich durch seinen 2:0-Sieg gegen den VfL Wolfsburg dank eines späten Doppelpacks von Paco Alcacer die Tabellenführung zurück. 

Letzte Titelchance des BVB auf absehbare Zeit?

Dennoch liegt das Momentum vor dem Spitzenspiel am Samstag in München immer noch beim Seriensieger der vergangenen Jahre, den Bayern. Zu anfällig erwies sich zuletzt die Defensive des BVB, insbesondere bei Flanken in den Strafraum. Sollten die Bayern ihrer Favoritenrolle gerecht werden und sich die Tabellenspitze zurückholen, ist das Rennen um die Meisterschaft zwar noch nicht entschieden, doch Kovac dürfte trotz aller Kritik immer noch vom Double träumen. Sollte ihm dies gelingen, träte er in die Fußstapfen eines anderen wegen seiner Taktik häufig kritisierten Bayern-Trainers: Auch Felix Magath holte in seiner ersten Saison in München die Meisterschaft und den DFB-Pokal. Eine weitere Saison Kovacs als Bayern-Trainer erscheint als relativ sicher, da sein ehemaliger Mitspieler und Freund Hasan Salihamidzic als Sportdirektor weiter die Fäden zieht und sich mit den Transfers von Hernandez und Pavard auch endlich profiliert hat.

Mit Blick auf die spektakulären Neuverpflichtungen der Bayern für die neue Saison könnte die aktuelle Spielzeit auf absehbare Zeit die letzte realistische Chance für Borussia Dortmund bieten, den Münchenern den Titel streitig zu machen. Denn die Bayern sind verwundbar - noch. 

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