FC Bayern reicht Nullnummer gegen Sevilla | Sport | DW | 11.04.2018
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Champions League

FC Bayern reicht Nullnummer gegen Sevilla

Als einziger Titelanwärter lösen die Bayern ihre Aufgabe souverän. Das spült den Champion von 2013 gefühlt in die Rolle des Favoriten, doch vorhersehbar ist nach diesen Viertelfinals ohnehin wohl gar nichts mehr.

Offener kann ein Halbfinale in der Königsklasse wohl kaum sein. Denn mit den Bayern trifft der einzig verbliebene Favorit, der seine Aufgabe souverän lösen konnte mit einer Zwei-Drittel-Wahrscheinlichkeit auf einen Überraschungs-Halbfinalisten oder eben auf Real Madrid, das in dieser Saison in der Liga regelmäßig und beim glücklichen 1:3 im Viertelfinal-Rückspiel gegen Juventus einmal mehr seine Defensiv-Schwächen offenbarte und längst nicht so hoch gehandelt werden muss wie in den letzten beiden Jahren, als man jeweils den Titel holte. Fazit eines denkwürdigen Viertelfinals könnte lauten: Die Bayern waren mit zwei durchschnittlichen bis guten Leistungen gegen den FC Sevilla als einziges Team in der Runde der letzten Acht "planmäßig" unterwegs. Wenngleich auch der FC Liverpool mit zwei starken Spielen - im Gegensatz zu Real und dem AS Rom, denen eine sehr starke Partie genügte - gegen "Lieblingsgegner" Manchester City zu beeindrucken wusste. 

Spanien-Bann gebrochen

Mit dem Sieg über das Team aus dem Süden Spaniens beendeten die Münchner als Nebeneffekt auch gleich noch den so oft herbeigeschriebenen "Spanien-Fluch". Nachdem das Team ausgerechnet in den drei Amtsjahren des Spaniers Pep Guardiola jeweils im Halbfinale gegen spanische Teams (Real Madrid, FC Barcelona, Atletico Madrid) und in der letzten Saison dann im Viertelfinale gegen den späteren Titelträger Real Madrid gescheitert war, wurde dieses Mal der, allerdings wohl auch etwas schwächere, iberische Konkurrent ausgeschaltet. Die Bayern boten in den beiden Spielen gegen Sevilla keine berauschende aber - im Gegensatz zu allen anderen Teams im Viertelfinale - über 180 Minuten absolut gefestigte und konzentrierte Vorstellung.

James grätscht - Defensive gewinnt Titel

Champions League Bayern München vs Sevilla (Reuters/M. Dalder)

Sevilla ging gegen die Bayern in beiden Spielen hart zur Sache.

Dem frisch gebackenen deutschen Meister reichte gegen die Andalusier im Rückspiel eine durchwachsene Leistung - offensiv kamen die Bayern zwar mit fortlaufender Spielzeit zu einem deutlichen Übergewicht, doch die Erarbeitung von Chancen und die Verwertung der wenigen guten Möglichkeiten ließen schon zu wünschen übrig. Doch dafür wurden die berühmten Hausaufgaben erledigt. Bayern hielt mit dem recht komfortablen Hinspiel-Ergebnis im Rücken den Gegner fast über die gesamte Spielzeit auf Distanz zum eigenen Tor.

Dass dabei auch mal in der Rückwärtsbewegung ein Feinfuß wie James Rodriguez zur Grätsche ansetzte, zeigt, dass beim FC Bayern - anders als in den Jahren zuvor, als das Team zum Frühjahr hin oft matt gewirkt hatte - alle bereit sind, maximale Leistung abzurufen und für das Team zu arbeiten. Teamgeist, Defensiv-Qualitäten und mentale Stärke - gerade im Sport, vornehmlich in Amerika, wird immer wieder davon gesprochen, dass diese Attribute zwar keine Spiele, dafür aber Titel gewinnen. Dem FC Bayern ist es dieses Jahr zuzutrauen, auch wenn man beim Klub noch von "Ambitionen der Mannschaft und der Champions League" (Trainer Jupp Heynckes) und nicht vom "Triple-Traum" oder "Saisonziel Champions-League-Titel" reden mag.

Ein wichtiger Beleg für die Souveränität und die mentale Stärke des letzten deutschen CL-Teilnehmers ist derweil auch, dass man sich in beiden Spielen von der harten Spielweise des Gegners weder hat einschüchtern noch beeindrucken lassen. Selbst nach brutalen Fouls - davon gab es in beiden Spielen einige - spielte das Team von Jupp Heynckes seinen Stil weiter und ließ sich auch nicht von der Härte provozieren und in hitzige Duelle verwickeln. Auch das mit einem Wort: Souverän! 

Heynckes die "Final-Garantie" 

Souverän ist darüber hinaus auch die Champions-League-Bilanz des Trainers: Jupp Heynckes stand als Teilnehmer mit all seinen Teams bislang immer im Finale der Königsklasse: 1998, als er mit Real Madrid den Titel gewann, 2012 im dramatischen "Finale dahoam" und 2013 beim Triumph in Wembley jeweils mit dem FC Bayern - hätten Sie es gewusst? Glaubt man der Statistik einerseits und der Form, der Stärke und der Konzentration seiner aktuellen Bayern-Mannschaft andererseits, so kann man durchaus zu dem Schluss kommen, dass der FC Bayern dieses Jahr erneut mit seinem im Sommer scheidenden Trainer das Finale der Champions League erreichen kann.  

Auf Fragen zu seiner Meinung, ob ein erneuter Triple-Gewinn mit den Bayern jetzt möglich sei, reagierte der Trainer erwartungsgemäß und sinnvollerweise ausweichend. "Das weiß ich nicht. Aber unter den letzten Vieren sind immer nur Top-Mannschaften. Aber es sind auch schon Top-Mannschaften raus. Daran sieht man einfach, dass nichts vorauszusehen ist", sagte Jupp Heynckes nach dem Spiel am "Sky-Mikrofon". Natürlich, so ist es. Aber seine Mannschaft muss nach diesem Viertelfinale keinen der verbleibenden Konkurrenten fürchten - weder die Überraschungsteams aus Rom und Liverpool, noch den arg glücklichen Halbfinalisten und Titelverteidiger Real Madrid. Denn die Münchner waren die einzigen, die ohne Wunder oder Drama auskamen und sind jetzt definitiv wesentlich mehr in der Favoritenrolle als vor dem Viertelfinale. 

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