Fast fünf Millionen Briten warten auf den Arzt | Aktuell Europa | DW | 18.04.2021
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Pandemiefolgen

Fast fünf Millionen Briten warten auf den Arzt

Die Klinikbetreiber im Vereinigten Königreich schlagen Alarm. Die Corona-Pandemie verursache einen riesigen Kollateralschaden bei der medizinischen Versorgung. Sie rechnen mit einem jahrelangen Patienten-"Rückstau".

Großbritannien Coronavirus Krankrenhaus

Personal auf einer Intensivstation im Royal Papworth Hospital in Cambridgeshire (Archivbild)

Die Zahl der Menschen, die in Großbritannien auf eine geplante Operation oder andere medizinische Eingriffe warten, ist in der Pandemie auf einen Rekordwert gestiegen. Der Dachverband NHS Providers, in dem alle Krankenhäuser und einzelnen Organisationen des Nationalen Gesundheitsdiensts (NHS) versammelt sind, zählte bereits Ende Februar etwa 4,7 Millionen Menschen, die auf eine Behandlung warteten. Knapp 400.000 davon standen seit mehr als einem Jahr auf der Warteliste. Im Februar 2020 waren es noch 1613 Patienten, die so lange auf medizinische Versorgung warten mussten. Es werde in den am meisten betroffenen Gegenden des Landes bis zu fünf Jahren dauern, bis die Wartelisten aufgelöst seien.

Jeder fünfte Patient im Januar und Februar war an COVID-19 erkrankt

In den ersten beiden Monaten des Jahres waren nach Berechungen von NHS Providers 20 Prozent aller Patienten, die behandelt wurden, an COVID-19 erkrankt gewesen. Der Verband forderte die Regierung zu zusätzlicher finanzieller Unterstützung auf. "Das Ausmaß des bevorstehenden Rückstaus ist sehr beängstigend", sagte der Chef des Dachverbands, Chris Hopson. Betroffen seien nicht nur akute Fälle etwa bei Krebspatienten, sondern auch solche mit psychischen Erkrankungen. Notwendig sei ein gemeinsamer Ansatz von NHS und Regierung für mehr Stellen sowie Investitionen in neue Diagnosemöglichkeiten und Behandlungsmethoden.

Premierminister Boris Johnson signalisierte bereits Unterstützung: Der Abbau der Wartelisten für Operationen habe höchste Priorität. "Wir werden sicherstellen, dass der NHS alle Mittel bekommt, die er braucht, so wie wir es während der Pandemie auch getan haben", sagte Johnson.

Britische Impfkampagne wirkt

Inzwischen sind die Corona-Fallzahlen in Großbritannien stark gesunken. Mit zehn Todesfällen binnen 24 Stunden war die Sterblichkeit in Verbindung mit einer COVID-19-Erkrankung in Großbritannien so niedrig wie seit September nicht mehr. Auch die Zahl der im Krankenhaus behandelten Corona-Patienten ging deutlich zurück.

Großbritannien Boris Johnson besucht AstraZeneca

Boris Johnson am 6. April beim Besuch einer Produktionsstätte für das Corona-Vakzin von AstraZeneca in Macclesfield

Zurückgeführt wird das auf den zügigen Fortschritt der Impfkampagne. In Großbritannien haben inzwischen mehr als 32 Millionen Menschen und damit rund die Hälfte der Bevölkerung zumindest eine erste Corona-Schutzimpfung erhalten.

Forscher vom Imperial College London führen den Infektionsrückgang allerdings nicht nur auf die Impfkampagne zurück, sondern auch auf die langen, harten Beschränkungen: Über Monate hinweg durften Briten nur eine Person außer Haus treffen und dies auch nur zum Sport oder Spaziergang. Die eigene Wohnung ohne triftigen Grund zu verlassen, war nicht erlaubt. Reisen ins Ausland und private Treffen in Innenräumen sind bis heute verboten. Anfang Januar verzeichnete das Land zeitweise um die 70.000 Neuinfektionen pro Tag.

qu/rb (dpa, rtr)

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