Fan.Tastic Females: Der Fußball der Frauen | Sport | DW | 10.01.2019
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Fankultur

Fan.Tastic Females: Der Fußball der Frauen

"Machen Sie nicht so einen Stress!"

Im November machte eine Schalke-Anhängerin Schlagzeilen, nachdem sie berichtet hatte, in der Arena in Gelsenkirchen sexuell belästigt worden zu sein. Nachdem sie den Vorfall einem Ordner gemeldet hatte, wurde ihr angeblich gesagt, sie solle zu Hause bleiben und fernsehen, wenn sie damit nicht fertig werden könne. Am anderen Ende des Ruhrgebiets sagt Anna Horstmann von Ballspiel.Vereint, der Fangruppe von Borussia Dortmund, die im Dezember die Fan.Tastic Females-Ausstellung moderierte, dass diese Szenarien nur allzu vertraut sind. "Wenn Sie sich an einen Ordner wenden, fehlt oft jegliches Verständnis, und Sie erhalten oft die übliche Antwort: Machen Sie nicht so einen Stress!", erzählt die BVB-Anhängerin. Ihre Forderung: "Viele Frauen hätten gerne eine Anlaufstelle im Stadion, an der sie über ein solches Verhalten berichten können und ernst genommen werden."

Frauenfußball, Deutschland - Österreich (picture-alliance/dpa/M.Kusch)

Schnell, dynamisch, spannend: Frauenfußball bietet viel und wird doch kaum beachtet

Ordner und Sicherheitspersonal der Bundesligisten sind allerdings darauf geschult, Neonazis oder rechtsextreme Symbole und Gesänge zu erkennen. Doch Anna Horstmann plädiert für ein größeres Bewusstsein für das Problem Sexismus. Als BVB-Dauerkartenbesitzerin ist es ihr größtes Interesse, sich auf der berühmten "Gelben Wand", der Dortmunder Stehtribüne, sicher und zu Hause zu fühlen. "Es gibt immer noch ein so starkes männliches Ideal im Fußball, dessen Eigenschaften Stärke, Loyalität und Stolz sind. Fußball wird als die letzte Bastion der Männlichkeit angesehen. Daher wird alles, was dieser Ansicht nicht entspricht, als schwul oder weiblich verunglimpft. Es ist schön zu sehen, dass rassistische Beleidigungen praktisch nicht existieren - aber nicht, wenn sie durch Homophobie und Sexismus ersetzt werden", sagt Anna Horstmann.

Was können Männer tun?

Während Rassismus heute von der großen Mehrheit der Fans als inakzeptabel und als Tabu betrachtet wird, ist Sexismus im Fußball bei einigen männlicher Fans immer noch ein gerne genutztes Mittel, um andere anzugreifen. "Wenn jemand sagt, dass er gegen Rassismus ist, kann man leicht sagen, dass man auch dagegen ist, weil es im Allgemeinen nicht bedeutet, die eigene Position in Frage zu stellen", sagt Horstmann. "Aber sobald jemand sagt, dass er gegen Sexismus ist, müssen die Menschen über sich selbst nachdenken. Es ist ein schwer zu besprechendes Thema."

Fan.Tastic Females zielt darauf ab, diese Probleme zu benennen, aber die Lösung kann nicht von Frauen alleine realisiert werden. Ausstellungsorganisatorin Daniela Wurbs glaubt, dass auch Männer die Verantwortung haben, Platz und Akzeptanz für weibliche Fans zu schaffen und sich diese Fragen zu stellen: Was kann man tun, damit sich Frauen während des Spiels sicher fühlen? Was kann man an seinem eigenen Verhalten ändern? Das bedeute aber auch nicht, dass sich die gesamte Fankultur ändern müsse. "Die Frauen, die wir interviewt haben, lieben es, zum Fußball zu gehen, weil es eine Atmosphäre gibt, in der man sich ein bisschen gehen lassen kann", sagt Wurbs. "Es ist akzeptierter, beim Fußball herumzuschreien und etwas zu trinken, als in anderen Situationen des Lebens. Und da entstehen die besten Geschichten. Genau diese Geschichten wollen wir erzählen."

Bei ihrem Klub wurden bereits große Fortschritte erzielt. Geschätzte 30 bis 35 Prozent der Fans bei den Heimspielen von St. Pauli sind Frauen. Frauen werden von Ultra Sankt Pauli (USP), der führenden Ultra-Gruppe des Klubs, sehr gerne als Mitglieder aufgenommen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der FC St. Pauli im September der erste Gastgeber beim Tour-Auftakt der Ausstellung war. "Das Interesse ist enorm", sagt Wurbs. "Wir sind seit dem Auftakt in einem Höhenflug. Wir hatten Anfragen aus ganz Deutschland und Europa. Wir haben uns nie vorgestellt, dass das so groß werden würde."

Für Dresden steht noch kein Termin fest - einige St. Pauli-Fans planen jedoch bereits eine Reaktion auf das Banner, das im Dezember gezeigt wurde. Wenn das Rückspiel im Mai stattfindet, erwägen die Ultras St. Pauli, weibliche Ultras an den Zäunen im Außenbereich zu platzieren, denn: Fußball ist auch ein Spiel der Frauen.

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