Fall Skripal: Putin setzt alles auf die OPCW | Aktuell Welt | DW | 04.04.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Giftaffäre

Fall Skripal: Putin setzt alles auf die OPCW

Im Fall des vergifteten Ex-Spions richten sich alle Augen auf die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW). Moskau hat die Experten in Den Haag zusammengerufen. Sie sollen untersuchen, woher das Gift stammt.

UK Salisbury Untersuchung Nervengasanschlag Skripal (picture-alliance/PA Wire/B. Birchall)

Polizisten in Schutzanzügen vor dem Maltings Shopping Centre, wo Skripal und seine Tochter gefunden wurden (16. März)

Einen Monat nach der Gift-Attacke, die eine schwere diplomatische Krise zwischen Russland und Großbritannien sowie weiteren westlichen Ländern ausgelöst hat, treffen nun die Konfliktparteien direkt aufeinander. Ihr Streit steht im Mittelpunkt einer nicht-öffentlichen Sondersitzung des Exekutivrats der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) in Den Haag. Er will die harten Vorwürfe Großbritanniens prüfen, wonach Russland für den Anschlag im britischen Salisbury verantwortlich ist.

Zuvor hatte das Forschungszentrum des britischen Verteidigungsministeriums zwar nach eigenen Angaben festgestellt, dass dabei das Präparat Nowitschok eingesetzt wurde, ein zur militärischen Verwendung gedachtes Nervengift. Eindeutige Beweise, dass die bei dem Anschlag auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter verwendete Substanz in Russland hergestellt wurde, fand man jedoch nicht. 

Wie das Forschungszentrum des britischen Verteidigungsministeriums hatten auch OPCW-Experten Spuren des Gifts und Blutproben untersuchen lassen. Unklar ist noch, ob sie bereits Ergebnisse der Untersuchung vorlegen werden. Dem Gremium der OPCW gehören Diplomaten aus 41 Ländern an, darunter die USA, Russland, Großbritannien und Deutschland.

"Russland an vollwertiger Aufklärung interessiert"

Russland selbst hatte die Sondersitzung der OPCW beantragt. Präsident Wladimir Putin sagte, er hoffe, dass dabei ein Schlussstrich gezogen werden könne. Russland sei an einer vollwertigen Aufklärung interessiert und wolle auch an den Ermittlungen beteiligt werden. Putin: "Wir wollen, dass der gesunde Menschenverstand am Ende triumphiert und die internationalen Beziehungen keinen Schaden nehmen." Zugleich machte der Kreml-Herrscher deutlich, dass er nicht auf einer Entschuldigung Londons bestehe. 

Moskau reichte vor dem Treffen eine Liste mit 13 Fragen zum Fall Skripal bei der OPCW ein. "Wir haben auf keine unserer Fragen eine Antwort erhalten", sagte der russische EU-Botschafter Wladimir Tschischow im TV-Sender Rossija-24.

Großbritannien wies Russlands Vorschlag zu gemeinsamen Ermittlungen als "pervers" zurück. Es sei ein Ablenkungsmanöver Russlands, um Fragen auszuweichen, twitterte die britische Delegation bei der OPCW.

Der frühere russische Doppelagent Skripal war am 4. März zusammen mit seiner Tochter Julia im südenglischen Salisbury vergiftet worden. Der 66-Jährige befindet sich in einem kritischen Zustand, seiner 33 Jahre alten Tochter geht es besser. Auch wenn es bislang noch keine Beweise gibt, wirft die britische Regierung Präsident Putin vor, hinter dem Anschlag zu stecken. Man wisse, dass Russland kleine Nowitschok-Mengen für eventuelle Attentate hergestellt und gelagert habe.

Russland weist dies zurück und spricht seinerseits von antirussischer Propaganda. Der Anschlag hat die ohnehin schon angespannten Beziehungen zwischen Russland und dem Westen zusätzlich massiv belastet. So wiesen westliche Staaten etwa 130 russische Diplomaten aus.

sti/ie/kle (dpa, rtr)

Die Redaktion empfiehlt