Fall Golunow: ″Er wurde verprügelt″ | Aktuell Asien | DW | 09.06.2019
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Russland

Fall Golunow: "Er wurde verprügelt"

Die Verletzungen des Enthüllungsjournalisten Iwan Golunow sprächen eine eindeutige Sprache, sagt ein Arzt und enger Freund des Reporters im Exklusiv-Gespräch mit der DW. Golunow war am Donnerstag in Gewahrsam gekommen.

"Iwan hat keine Hirnverletzungen oder Frakturen", sagt der Berliner Arzt Aleksandr Alekseev im Gespräch mit der Deutschen Welle. Allerdings habe sein enger Freund, der wegen Drogenhandels beschuldigte Investigativjournalist Iwan Golunow, Hämatome und Prellungen am ganzen Körper. Die Informationen habe er vom Chefarzt des Moskauer Krankenhauses, in dem Golunow behandelt worden war. "Das bedeutet, dass er verprügelt wurde."

Die ärztliche Diagnose stützt den Vorwurf Golunows, während des Polizeigewahrsams von dem Beamten geschlagen worden zu sein. Gegenüber einer Vertreterin des Menschenrechtsrats des Präsidenten, einem Beratungsgremium von Russlands Staatschef Wladimir Putin, hatte Golunow am Freitag gesagt, Polizisten hätten ihn im Gewahrsam gegen den Kopf geschlagen und auf seiner Brust gestanden.

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Alekseev kennt den Journalisten seit mehr als vier Jahren und hat normalerweise über eine WhatsApp-Gruppe regelmäßigen Kontakt mit ihm. Seit seiner Verhaftung am Donnerstag habe Golunow mit niemandem aus der Gruppe mehr kommuniziert. "Keiner seiner Freunde kann mit ihm sprechen. Informationen bekommen wir nur über seinen Anwalt oder Journalisten."

Der 36-jährige Golunow war wegen Drogenhandels in Gewahrsam genommen worden. Laut Polizei wurden in seinem Rucksack knapp vier Gramm der psychoaktiven Designerdroge Mephredon sowie Kokain gefunden. Weitere Drogen und eine Waage wurden demnach in Golunows Wohnung sichergestellt. Ein Haftrichter ordnete am Samstag zwei Monate Hausarrest an.

SPERRFRIST Infografik Rangliste Pressefreiheit Index 2019 DE

Golunows Anwalt und sein Arbeitgeber, das unabhängige Investigativ-Portal Medusa, weisen die Anschuldigungen zurück. Sie warfen den Behörden vor, den Reporter für seine Recherchen bestrafen zu wollen. Er recherchierte zuletzt über Korruption unter hochrangigen Verwaltungsbeamten in Moskau. Medusa erklärte, Golunow habe bereits mehrere Morddrohungen erhalten.

Golunows Freund Alekseev glaubt ebenfalls, dass der Vorwurf des Drogenhandels frei erfunden ist. "Ich habe ihn nie mit Drogen gesehen", sagt Alekseev. "Völlig unmöglich, dass er mit Drogen gehandelt haben soll. Ich glaube das nicht. Und ich kenne ihn sehr gut."

Auch Amnesty International bezeichnete die gegen Golunow erhobenen Anschuldigungen als "zweifelhaft", die einem "leider altbekannten Muster" folgten. Russland liegt in der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen auf Platz 149. Damit rangiert es noch hinter Mexiko, Simbabwe und Algerien.

jv/uh (dpa, afp, DW)

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