EZB: USA könnten am Ende die Leidtragenden sein | Wirtschaft | DW | 26.09.2018
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Freihandel

EZB: USA könnten am Ende die Leidtragenden sein

Die Europäische Zentralbank warnt vor negativen Folgen durch den von US-Präsident Trump entfachten Handelsstreit. Die USA wären der größte Verlierer, sollte der Konflikt zu einem ausgewachsenen Handelskrieg eskalieren.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat untersucht, zu welchen Konsequenzen ein globaler Handelskrieg führen könnte. Dazu simulierte die Notenbank hat einen US-Sonderzoll von zehn Prozent auf alle Importe und entsprechende Vergeltungsmaßnahmen in gleicher Höhe. Ergebnis der Studie: Dies würde zu einer substanziell schlechteren Exportbilanz der Vereinigten Staaten führen. "In unserem Modell", so die Zentralbank, "investieren US-Firmen weniger und stellen auch weniger Arbeiter ein."

US-Präsident Trump sieht sein Land trotz starker Wachstumszahlen als Verlierer der Globalisierung. Daher sei ein Handelskrieg für die USA leicht zu gewinnen, so Trump. Experten bezweifeln das allerdings. Der Republikaner hat bereits Sonderzölle auf Stahl und Aluminium erhoben und vor allem gegen China weitere Abgaben verhängt.

Europa nicht "übermäßig beorgt"

Laut EZB-Simulation könnte die US-Wirtschaft im Falle einer weiteren Eskalation zwei Prozentpunkte ihres Wirtschaftswachstums einbüßen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet dieses Jahr mit einem US-Wachstum von 2,9 Prozent und 2,7 Prozent im nächsten Jahr. China könnte per saldo sogar leicht profitieren, weil die Volksrepublik in andere Länder exportieren könne, die dann weniger Güter aus den USA bezögen.

"Die Risiken steigen, das muss ich zugeben", sagte EZB-Chefvolkswirt Peter Praet in einem Interview mit "Reuters TV" mit Blick auf die Gefahren für den wirtschaftlichen Aufschwung in der Euro-Zone. "Aber bisher haben wir keine Auswirkungen auf reale Daten gesehen. Ich bin nicht übermäßig besorgt." Neben dem Handelsstreit sind ein halbes Jahr vor dem geplanten Brexit die Modalitäten des EU-Austritts Großbritanniens immer noch offen.

Unbekömmlicher Krisen-Cocktail

Auch Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing ist der Ansicht, dass die Unsicherheit zuletzt zugenommen hat. Die Wirtschaft könne sich an einem "Krisen-Cocktail" aus internationalen Streitigkeiten und bedrohlichen politischen Entwicklungen verschlucken. Dies mache größere Schwankungen an den Finanzmärkten wahrscheinlicher.

Niemand habe prognostiziert, dass der Handelsstreit zwischen den USA und China "wider alle Vernunft derart eskalieren würde". Auch zwischen der EU und den USA drohe weiter ein Wettrüsten mi t Zöllen und Handelsschranken. "Die Zolldiskussion zeigt bereits Auswirkungen, wie man an den Exporterwartungen deutscher Unternehmen im Vergleich zu den Höchstständen aus dem vergangenen Jahr erkennen kann", so Sewing.

China appelliert an die USA

Chinas oberster Diplomat, Wang Yi, rief die USA auf, sich ohne Rhetorik aus dem Kalten Krieg dem Wettbewerb zu stellen. China plant unterdessen, ab November die Importzölle für bestimmte Produkte zu senken, etwa Maschinen, Elektrogeräte und Textilien. Laut staatlichem Radio geht es um mehr als 1500 Industriegüter. Durch die Maßnahmen sollen die Kosten für Unternehmen und Verbraucher gesenkt werden.

dk/hb (rtr)