EZB lässt Leitzins unverändert | Wirtschaft | DW | 25.01.2018
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Geldpolitik

EZB lässt Leitzins unverändert

Die Wirtschaft im Euroraum wächst kräftig, doch die Inflation bewegt sich nach wie vor unter dem EZB-Zielwert von zwei Prozent. Mit Sorge sehen Europas Währungshüter die Euro-Stärke.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Hoffnungen auf ein baldiges Ende ihrer Nullzinspolitik gedämpft. Die Währungshüter beließen den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von null Prozent, wie die Notenbank in Frankfurt im Anschluss an die erste Zinssitzung des EZB-Rates in diesem Jahr mitteilte. "Auf Basis der heutigen Daten und Analysen sehe ich sehr wenig Chancen, dass die Zinsen in diesem Jahr steigen könnten", dämpfte EZB-Präsident Mario Draghi Hoffnungen von Sparern. Auch Geschäftsbanken, die Geld bei der Notenbank parken, müssen weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen.

Weitere Unsicherheiten: Inflation und Eurokurs

Die Wirtschaft im Euro-Raum bleibt nach den Worten von Draghi aber im Aufwind. Der Italiener sprach in Frankfurt von einem "robusten Tempo der wirtschaftlichen Expansion". Die Belebung könne stärker ausfallen als bislang angenommen. Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2017 habe sich das Wirtschaftswachstum stärker als erwartet beschleunigt.

Die gute Konjunktur schlage allerdings noch nicht auf die Verbraucherpreise durch. "Der heimische Preisdruck bleibt gedämpft und zeigt bislang noch keine überzeugenden Signale für einen anhaltenden Aufwärtstrend", ergänzte Draghi. Im Dezember waren die Verbraucherpreise in der Euro-Zone lediglich um 1,4 Prozent angezogen, während die Währungshüter Werte von knapp unter zwei Prozent anstreben. Die Inflation dürfte in den kommenden Monaten in etwa auf dem aktuellen Niveau verharren.

Als Risiken nannte Draghi auch die jüngsten Entwicklungen am Devisenmarkt. Die anhaltende Aufwertung des Euro macht Europas Währungshütern Sorge. "Die derzeitige Wechselkursvolatilität stellt eine Unsicherheitsquelle dar, die eine genaue Beobachtung erfordert", so der EZB-Chef. Durch den stärkere Euro werden Importe billiger, das dämpft die Inflation.

Mit der vor allem in Deutschland umstrittenen ultralockeren Geldpolitik versucht die Notenbank seit Jahren, Konjunktur und Inflation anzuschieben. Mittelfristig strebt die EZB eine jährliche Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an - weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben - das könnte die Konjunktur abwürgen.

Die Zukunft ihres Anleihenkaufprogramms bleibt vorerst offen. Wie nach Ende September damit verfahren werden solle, sei nicht diskutiert worden, sagte Draghi. Man müsse generell zwischen den Optionen einer Ausweitung des Programms, einer schrittweisen Drosselung und eines "plötzlichen Stopps" unterscheiden. "Und das ist exakt ein Teil der Diskussion, die wir haben werden", sagte Draghi. Welche Möglichkeit die wahrscheinlichste ist, ließ er offen. Zugleich verwies er auf seine frühere Äußerung, das Programm werde nicht abrupt enden. 

Volkswirte rechnen erst 2019 mit Zinswende

Im Oktober hatten Europas Währungshüter ihre milliardenschweren Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen um neun Monate bis mindestens Ende September 2018 verlängert, das monatliche Volumen von Januar an aber auf 30 Milliarden Euro halbiert. Beobachter werteten dies als erstes Anzeichen für einen Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik. Sparer müssen sich allerdings weiter gedulden. Die EZB will den Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld leihen können, erst anheben, wenn die Anleihekäufe beendet sind. Volkswirte rechnen erst im kommenden Jahr mit einem ersten Zinsschritt.

tko/nm/sti (dpa, rtr)