Extremistenführer Saeed in Pakistan inhaftiert | Aktuell Asien | DW | 17.07.2019
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Terrorismus

Extremistenführer Saeed in Pakistan inhaftiert

In der Nähe der pakistanischen Stadt Lahore haben Spezialkräfte der Polizei den bekannten Extremistenführer Hafiz Saeed festgenommen. Der Gründer der Terrorgruppe LeT steht unter dem Verdacht der Terrorfinanzierung.

Ein Sprecher der Regierung der pakistanischen Provinz Punjab sagte, Hafiz Saaed sei auf dem Weg zu einem Gericht in der östlichen Stadt Gujranwala gewesen, um eine Kaution zu beantragen, als er in Gewahrsam genommen worden sei. Der Extremistenführer sei von einer Einheit der Abteilung für Terrorismusbekämpfung (CTD) gefasst worden. Er werde beschuldigt, illegal Geld für verbotene Einrichtungen gesammelt zu haben. Ein Sprecher Saeeds bestätigte die Festnahme.

Saeed ist Gründer der Terrorgruppe Lashkar-e Toiba (LeT), die in der Vergangenheit vor allem Anschläge in Indien verübt hat. Die USA und die Vereinten Nationen haben den Kleriker als Terroristen eingestuft. Die US-Regierung hat auf Saeed ein Kopfgeld von zehn Millionen Dollar ausgesetzt. Indien und die USA beschuldigen die LeT, Drahtzieher des viertägigen Angriffs in Mumbai im Jahr 2008 zu sein, bei dem mehr als 160 Menschen getötet wurden. Damals kamen auch sechs US-Amerikaner zu Tode. Saeed bestreitet eine Beteiligung an dem Anschlag. Die Regierungen in Washington und Neu-Delhi drängen Pakistan seit langem, gegen die Organisation LeT vorzugehen, die dort bereits seit 2002 verboten ist. Saeed war in der Vergangenheit bereits mehrmals festgenommen und unter Hausarrest gestellt worden, wurde mangels Beweisen aber stets wieder freigelassen.

LeT soll auch eine von mehreren dschihadistischen Gruppen sein, die gegen indische Truppen in der umstrittenen Region Kaschmir kämpfen. Indien und Pakistan beanspruchen beide Kaschmir für sich und kontrollieren jeweils einen Teil.Indien wirft Pakistan vor, islamistische Kämpfer im indischen Teil Kaschmirs zu unterstützen. Islamabad bestreitet dies. Es gibt Vorwürfe, dass LeT von pakistanischen Geheimdiensten unterstützt wird. 

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US-Reise des Premiers

Die Festnahme könnte nach Ansicht von Beobachtern im Zusammenhang mit  der bevorstehenden Reise des pakistanischen Ministerpräsidenten Imran Khan nach Washington stehen. Khan will am Montag im Weißen Haus mit US-Präsident Donald Trump zusammenkommen. Der Premier hatte zugesagt, härter gegen militante Gruppen in dem muslimisch geprägten Land vorzugehen. Der pakistanische Außenminister Mehmood Qureshi sagte kürzlich, der Besuch Khans solle eine Politik des "Zwanges" der USA gegenüber Pakistan in eine der "Zusammenarbeit" umwandeln.

Pakistan steht zudem unter wachsendem internationalen Druck, mit dem erreicht werden soll, dass das Land die Finanzierung militanter Gruppen einstellt. Die Financial Action Task Force (FATF), die internationale Arbeitsgruppe gegen Geldwäsche mit Sitz in der französischen Hauptstadt Paris, hatte Pakistan bis Oktober Zeit gegeben, die Terrorismusfinanzierung im Land einzudämmen. Sollte das unter chronischer Devisennot leidende Land bei der nächsten FATF-Überprüfung im Herbst auf die "schwarze Liste" kommen, würde ihm die Kreditaufnahme auf den Finanzmärkten deutlich erschwert. 

kle/sti (dpa, ape, rtre, afpe)

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