Experten warnen vor Brückenresten in Genua | Aktuell Europa | DW | 22.08.2018
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Italien

Experten warnen vor Brückenresten in Genua

Ein Teil der eingestürzten Brücke in Genua muss nach Ansicht von Fachleuten schnell abgerissen oder gestützt werden. Laut Behörden ist die Korrosion am Pfeiler, der den Rumpf der Brücke stützt, weit vorangeschritten.

Nach Angaben des italienischen Verkehrsministeriums betrifft die Warnung nur den östlichen Rumpf des Morandi-Viadukts, das in der vergangenen Woche in Genua eingestürzt war. Nach Informationen der Feuerwehr waren dort wenige Tage nach dem Brückenzusammenbruch auffällige Geräusche wahrgenommen worden. Demnach gehe von dem Pylon Gefahr aus. Unklar sei noch, ob ein Einsturz zu erwarten sei. Am Pfeiler, der den Rumpf der Brücke stützt, sei die Korrosion des Materials hochgradig vorangeschritten, sagte die Präfektin von Genua, Fiamma Spena, laut Nachrichtenagentur Ansa. 

"Man muss sicher den Rumpf so schnell wie möglich abreißen", sagte der Präsident der Region Ligurien und Kommissar für den Wiederaufbau, Giovanni Toti. "Erstens um die Sicherheit zu garantieren, auch wenn das Gebiet bereits geräumt ist und deshalb kein Mensch in Gefahr ist. Zweitens weil ohne den Abriss der Wiederaufbau nicht beginnen kann."

Der private Brückenbetreiber Autostrade per l'Italia hatte angekündigt, innerhalb von acht Monaten eine neue Autobahn-Brücke an gleicher Stelle zu bauen, sobald eine Genehmigung vorliege. Die Brücke war eine wichtige Verkehrsachse, ohne sie droht ein Verkehrskollaps.

Streit um Teilverstaatlichung von Autostrade

Die italienische Regierung denkt Insidern zufolge über eine Verstaatlichung der Autobahnbetreiber-Gesellschaft nach. Die Staatsbank Cassa Depositi e Prestiti (CDP) könnte die Mehrheit an Autostrade per l'Italia übernehmen, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Über diesen Schritt werde derzeit in der Regierung diskutiert. Dort ist man sich allerdings uneins: Ministerpräsident Giuseppe Conte hielte eine Teilverstaatlichung einem Vertrauten zufolge für "keine schlechte Idee", das Wirtschaftsministerium, dem die CDP direkt untersteht, erklärte dagegen, man wisse nichts von einem solchen Vorstoß.

Vorbereitungen der Beerdigung der Opfer von Genua (Reuters/M. Pinca)

Trauergottesdienst für die Opfer von Genua

Autostrade per l'Italia, die mehr als die Hälfte aller italienischen Mautstraßen betreibt, gehört derzeit zu 88 Prozent der börsennotierten Holding Atlantia, die von der Unternehmerfamilie Benetton beherrscht wird. Gut zwölf Prozent der Anteile an Autostrade liegen bei internationalen Infrastruktur-Investoren, zu denen der deutsche Versicherungsriese Allianz zählt. Er war vor gut einem Jahr als Teil eines Konsortiums bei Autostrade eingestiegen und hatte dafür rund 600 Millionen Euro bezahlt.

Beim Einsturz der Autobahnbrücke über dem Fluß Polcevera und einem Wohngebiet in Genua kamen in der vergangenen Woche 43 Menschen ums Leben. Die Brücke ist Teil der Autobahn A10 entlang der Riviera-Küste. Die populistische Regierung in Rom wirft Autostrade Sicherheitsmängel vor und will dem Unternehmen die Zuständigkeit für fast 3000 Autobahnkilometer entziehen.

hf/qu (rtr, afp, dpa)

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