Ex-Premier Blair gibt Irakintervention Mitschuld am Aufstieg des IS | Aktuell Nahost | DW | 25.10.2015
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Aktuell Nahost

Ex-Premier Blair gibt Irakintervention Mitschuld am Aufstieg des IS

In einem Interview gibt der britische Ex-Premier Tony Blair seiner Politik eine Mitschuld am Aufstieg der Terrorgruppe IS. Großbritannien hatte sich 2003 der US-Intervention im Irak angeschlossen.

In einem Interview mit dem US-amerikanischen Fernsehsender CNN hat der britische Ex-Premierminister Tony Blair eingeräumt, dass die Länder, die sich wie Großbritannien an der Irak-Intervention 2003 beteiligten, eine Mitschuld am Aufstieg der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) haben: "Natürlich kann man nicht behaupten, dass jene von uns, die Saddam (Hussein) 2003 stürzten, keine Verantwortung für die Situation 2015 tragen", sagte Blair.

Machtvakuum und sunnitische Opposition

Kritiker sehen im Irakkrieg und im anschließenden Machtvakuum eine der wichtigsten Ursachen für den Aufstieg der Terrormiliz. Außer der schlechten Sicherheitslage nach dem Sturz des Diktators spielt demnach auch die Diskriminierung der Sunniten durch die auf Saddam Hussein folgende schiitische Regierung, die vom Westen unterstützt wurde, eine wichtige Rolle für das Erstarken der sunnitischen Terrorgruppe. So schlossen sich auch viele ehemalige Armeeangehörige dem IS an und gehören dort nun zu den wichtigen Strategen.

Das Bild ging um die Welt: Sturz der Saddam-Statue in Bagdad im April 2003 (Foto: Picture alliance, ap)

Das Bild ging um die Welt: Sturz der Saddam-Statue in Bagdad im April 2003

Blair sagte in dem Interview, dass diese Argumente der Kritiker "wahre Elemente" besäßen. Andererseits habe auch der "Arabische Frühling" eine wichtige Rolle für die derzeitige Lage im Irak gespielt. Zudem habe der eigentliche Aufstieg des IS nicht im Irak, sondern in Syrien begonnen, so Blair

Entschuldigung für falsche Geheimdienstinformationen

Unter dem Labour-Politiker Blair hatte sich Großbritannien 2003 dem von den USA angeführten Einmarsch in den Irak beteiligt - im Gegensatz etwa zu Deutschland. Die Invasion führte zum Sturz von Diktator Saddam Hussein. Für die offizielle Begründung des Einmarsches wurden damals Geheimdienstberichte herangezogen, denen zufolge der Irak Massenvernichtungswaffen herstelle. Diese Berichte stellten sich später als falsch heraus.

In der Nähe von Tikrit wird Saddam Hussein im Dezember 2003 festgenommen. Er hatte sich in einem Erdloch versteckt. (Foto: Picture alliance, dpa)

In der Nähe von Tikrit wird Saddam Hussein im Dezember 2003 festgenommen. Er hatte sich in einem Erdloch versteckt.

"Ich entschuldige mich dafür, dass die Geheimdienst-Informationen, die wir erhalten haben, falsch waren", sagte Blair. Zwar habe Saddam Hussein chemische Waffen gegen sein eigenes Volk und gegen andere eingesetzt. Ein Waffenprogramm aber, wie damals angenommen, habe nicht existiert.

Irak habe sich anders entwickelt als gedacht

Blair entschuldige sich auch für die Fehler bei der Planung des Krieges. Außerdem seien die Annahmen darüber, wie das Land sich nach dem Sturz des Regimes entwickeln würde, falsch gewesen.

Allerdings entschuldigte sich Blair nicht für den Krieg als solchen: "Auch wenn unsere Politik nicht funktioniert hat, ist nicht klar, dass spätere Strategien besser funktioniert haben", sagte Blair. Als Beispiele nannte er die Intervention in Libyen 2011, die im Gegensatz zum Irakkrieg ohne Bodentruppen erfolgte, sowie den Syrienkrieg. "Ich finde es schwierig, mich für den Sturz von Saddam Hussein zu entschudligen. Auch aus heuiger Perspektive, finde ich, dass es besser ist, dass er nicht da ist."

In Großbritannien spielt der Einsatz britischer Truppen im Irak immer noch eine große Rolle in der öffentlichen Diskussion. Demnächst soll ein Untersuchungsbericht zu dem Einmarsch veröffentlicht werden, dem sechs Jahre lange Ermittlungen vorausgingen.

chr/qu (rtr, ap, dpa)

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