Ex-Diktator Franco wird exhumiert | Aktuell Europa | DW | 21.10.2019
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Spanien

Ex-Diktator Franco wird exhumiert

Die sterblichen Überreste von Francisco Franco werden am Donnerstag aus dem Grab im monumentalen Mausoleum bei Madrid herausgeholt und auf einen normalen Friedhof umgebettet. Vorausgegangen war ein langer Rechtsstreit.

Die Familie des vor fast 45 Jahren verstorbenen früheren spanischen Diktators Francisco Franco und Anhänger des Gewaltherrschers hatten die Umbettung juristisch verhindern wollen.

Wie Spaniens sozialistische Regierung mitteilte, wird die Exhumierung in der monumentalen Gedenkstätte "Valle de los Caidos" (Tal der Gefallenen) nahe Madrid am Donnerstag durchgeführt. Seine letzte Ruhestätte soll der "Caudillo" den Plänen zufolge auf dem wesentlich schlichteren Friedhof El Pardo-Mingorrubio am Rande der Hauptstadt finden. Dort liegt auch seine Witwe Carmen Polo begraben.

Spanien Francisco Franco die bisherige Grabstätte in Valle de los Caidos (picture-alliance/AA/B. Akbulut)

Das riesige Mausoleum "Valle de los Caidos" - von Zwangsarbeitern in den Fels gehauen

Laut Medienberichten soll die Umbettung mit Hilfe eines Hubschraubers erfolgen. Seit dem Wochenende wurde bereits schweres Gerät zu Francos Mausoleum gebracht, mit dem das Grab geöffnet werden soll. Der einbalsamierte Leichnam liegt derzeit noch unter einer tonnenschweren Steinplatte begraben.

Die Exhumierung wird im engsten Familienkreis stattfinden. Für die Regierung wird Justizministerin Dolores Delgado in ihrer Rolle als "Notarin des Königreichs" anwesend sein.

Nach monatelangen Debatten hatte das Oberste Gericht in Madrid im September grünes Licht für die umstrittene Umbettung gegeben. Die Angehörigen Francos hatten bis zuletzt Widerstand geleistet. Als neue letzte Ruhestätte wollten sie nur die Almudena-Kathedrale im Herzen Madrids akzeptieren. Darauf ließen sich die Sozialisten jedoch nicht ein.

Video ansehen 02:36

Gericht beendet Streit um Francos Gebeine

Über dem Mausoleum, das der Diktator von 1940 bis 1959 von 20.000 republikanischen Zwangsarbeitern bauen ließ, thront ein 155 Meter hohes Betonkreuz. Der Ort gilt - sehr zum Ärger zahlreicher Opfer der Franco-Herrschaft - bis heute als Pilgerstätte für Anhänger des faschistischen Diktators.

Umgang mit der Franco-Diktatur spaltet Spanien bis heute

Im "Valle de los Caídos" liegen Zehntausende Kämpfer und Soldaten begraben, die auf beiden Seiten des Spanischen Bürgerkriegs gefallen waren. Viele Hinterbliebene der republikanischen Kriegsopfer empfinden es bis heute als Demütigung, dass der Ort, wo ihre Angehörigen begraben sind, zugleich eine Gedenkstätte für Spaniens Faschisten ist.

General Franco (1892-1975) hatte 1936 gegen die Regierung der spanischen Republik geputscht. Aus dem Umsturzversuch wurde ein fast dreijähriger Bürgerkrieg, den Franco - auch mit Unterstützung der deutschen Nationalsozialisten - 1939 gewann. Er regierte Spanien bis an sein Lebensende im November 1975.

Nach seinem Tod leitete König Juan Carlos, den Franco als seinen Nachfolger bestimmt hatte, den Übergang zur Demokratie mit ersten freien Wahlen 1977 ein.

qu/kle (dpa, afp, kna)

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