Europa an der Grenze – Das Chaos in der Flüchtlingspolitik | Nahaufnahme - Die aktuelle Reportage | DW | 08.01.2018
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Europa an der Grenze – Das Chaos in der Flüchtlingspolitik

Die Zahl der Asylbewerber, die in diesem Jahr nach Deutschland gekommen sind, ist stark gesunken. Doch in Italien und Griechenland sitzen noch immer viele Flüchtlinge fest. In Punkto Umverteilung fühlen sich die Staaten von der EU im Stich gelassen.

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Fast jede Nacht orten Hauptkommissar Frank Rogatty und seine Leute völlig überfüllte Schlauchboote mit verängstigten Menschen, die auf See manchmal gar nicht unterscheiden können, ob da ein türkisches Polizeiboot auf sie zu kommt oder ob es sich um ein Schiff der EU handelt. Zum Teil dramatische Szenen spielen sich auf dem Mittelmeer ab, wenn die Flüchtlinge in ihren seeuntüchtigen und völlig überfüllten Schlauchbooten einfach nicht anhalten wollen - und in ihrer Unwissenheit gefährliche Klippen ansteuern. Auf den Inseln offenbart sich dann das eigentliche Versagen Europas. Die Flüchtlingslager sind überfüllt, die Menschen sind dazu verdammt, in billigen Campingzelten zu hausen. Die Griechen fühlen sich von der EU im Stich gelassen. Denn die Umverteilung der Flüchtlinge auf andere Mitgliedsstaaten läuft nicht so wie versprochen. Staaten wie Ungarn oder Polen sperren sich sogar ganz dagegen, den Ländern zu helfen, bei denen die Flüchtlinge ankommen. "Das ist in erster Linie ein Problem der Griechen", sagt Bundesinnenminister Thomas de Maizière zu dem Thema. Auch Italien fühlte sich von der europäischen Union mit den Flüchtlingen aus Nordafrika allein gelassen und wagte im Sommer einen Vorstoß in Richtung Libyen. Die dortige Teilregierung in Tripolis soll jetzt dafür sorgen, dass die Boote mit den Flüchtlingen Europa gar nicht erst erreichen. Die EU unterstützt diesen Vorstoß inzwischen und zahlt Geld für den Aufbau einer libyschen Küstenwache. Sie soll die Flüchtlinge auf hoher See abfangen und in das Land zurückbringen. Über Libyen berichtete die UNO im Juni 2017, dass Flüchtlinge dort gefoltert, hingerichtet und versklavt werden. Auch wir haben bei Dreharbeiten in Italien Flüchtlinge getroffen, die uns erzählen, in Libyen durch die Hölle gegangen zu sein.