EURO 2020: Was man über die EM-Auslosung wissen muss | Sport | DW | 22.11.2019
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EURO 2020

EURO 2020: Was man über die EM-Auslosung wissen muss

Bei der paneuropäischen EURO 2020 ist vieles neu: Qualifikationsmodus, Anzahl der Gastgeber und "verbotene Spiele". Manche Gruppen sind schon vor der Auslosung fast komplett, einige Plätze werden erst im März vergeben.

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EM 2020: Wer ist dabei? Wer kommt weiter?

Wer ist bei der EURO 2020 dabei?
20 der 24 EM-Teilnehmer haben sich über die normale EM-Qualifikation qualifiziert, die von März bis Anfang November lief. Neben Deutschland sind das Belgien, Italien, Russland, Polen, die Ukraine, Spanien, die Türkei, Frankreich, England, Tschechien, Schweden, Österreich, Portugal, Kroatien, die Niederlande, die Schweiz, Dänemark und Wales. Außerdem schaffte Finnland erstmals die Qualifikation für ein großes Turnier. Insgesamt waren 55 Verbände in der Qualifikation am Start. Die Auslosung der EM-Vorrundengruppen findet am 30. November in Bukarest statt.

Wer besetzt die fehlenden vier Plätze?
Die vier weiteren EM-Teilnehmer werden erst nach dieser Auslosung über die Playoffs der UEFA Nations League ermittelt, an denen insgesamt 16 Mannschaften, aufgeteilt in vier Gruppen (Pfad A bis D) teilnehmen. Zur Erinnerung: Die UEFA Nations League war in vier Ligen aufgeteilt (A bis D). Jede Liga bestand aus vier Gruppen, so dass jede Liga am Ende vier Gruppensieger hatte, die für die Playoffs qualifiziert waren.

Allerdings hatten es von diesen Gruppensiegern einige bereits über die normale Qualifikation zur EURO geschafft. Sie hatten die Nations-League-Playoffs, daher nicht mehr nötig und wurden von bislang noch nicht qualifizierten Nachrückern ersetzt. 

Die Halbfinals der Nations-League-Playoffs in der Übersicht:

Pfad A: Island - Rumänien / Bulgarien - Ungarn

Pfad B: Bosnien-Herzegowina - Nordirland / Slowakei - Irland

Pfad C: Schottland - Israel / Norwegen - Serbien

Pfad D: Georgien - Weißrussland / Nordmazedonien - Kosovo

Heimrecht hat im Halbfinale jeweils das Team, das im "Nations League Overall Ranking" höher steht. Die Halbfinalpaarungen finden am 26. März 2020 statt, die Playoff-Finals am 30. März 2020. Es gibt jeweils nur eine Partie pro Runde, keine Aufteilung in Hin- und Rückspiel. Die Finalsieger sind bei der EM dabei. Somit steht schon jetzt fest, dass es neben Finnland mit Georgien, Weißrussland, Nordmazedonien oder dem Kosovo mindestens einen weiteren EM-Debütanten geben wird. Auch Israel, das seit 1991 Mitglied der UEFA ist, könnte erstmals teilnehmen.

Wie sehen die Lostöpfe aus?
Topf 1: Belgien (Gruppe B), Italien (A), England (D), Deutschland (F), Spanien (E), Ukraine (C)

Topf 2: Frankreich, Polen, Schweiz, Kroatien, Niederlande (C), Russland (B)

Topf 3: Portugal, Türkei, Österreich, Schweden, Tschechien, Dänemark (B)

Topf 4: Wales (A oder B), Finnland (A oder B), Sieger Playoff Pfad A: Island, Bulgarien, Ungarn (F) oder Rumänien (C), Sieger Playoff Pfad B: Bosnien-Herzegowina, Slowakei, Irland oder Nordirland (E), Sieger Playoff Pfad C: Schottland, Norwegen, Serbien oder Israel (D) Sieger Playoff Pfad D: Georgien, Nordmazedonien, Kosovo oder Weißrussland (C), es sei denn Rumänien gewinnt Pfad A, dann ( F)

Gegen wen spielt Deutschland?
Auch nach der Auslosung wird Bundestrainer Joachim Löw erst zwei der drei Vorrundengegner kennen. Die deutsche Mannschaft ist in Lostopf 1 und spielt in Gruppe F. Aus Topf 2 kommen Frankreich, Polen, Schweiz und Kroatien als deutsche Gegner infrage, aus Topf 3 Portugal, die Türkei, Österreich, Schweden und Tschechien. Beim deutschen Kontrahenten aus Topf 4 gibt es bis nach den Playoff-Spielen Ende März sieben Optionen: Island, Bulgarien, Ungarn, Georgien, Nordmazedonien, Kosovo und Weißrussland sind möglich.

Was sind die verbotenen Spiele der UEFA?
Wegen politischer Spannungen zwischen einzelnen Teilnehmerländern hat die UEFA einige Paarungen von vornherein ausgeschlossen. So wird die Ukraine, die sich im Krieg mit Russland befindet, nicht gegen das russische Team oder in St. Petersburg spielen. Sollte der Kosovo sich qualifizieren, würden Russland, Serbien und auch Bosnien-Herzegowina als Gegner "ausfallen".

UEFA Euro 2020 Qualifying | Nationalmannschaft Kosovo (Getty Images/AFP/A. Dennis)

Das Team des Kosovo ist ein Sonderfall

Serbien erkennt die Unabhängigkeit der ehemaligen serbischen Provinz nicht an. Russland, das politisch eng mit Serbien verbunden ist, ebenfalls nicht. In Bosnien-Herzegowina hat der serbisch-stämmige Teil der Bevölkerung einen großen politischen Einfluss. Eine Anerkennung des Kosovo kommt daher ebenfalls nicht in Frage, auch wenn die anderen Volksgruppen, in der Hauptsache Bosniaken und Kroaten, nichts gegen einen unabhängigen Kosovo haben.

Allerdings sind diese "verbotenen Spiele" nur in der Vorrunde verboten. In der K.o.-Phase sind dann alle Paarungen an allen Spielorten möglich - zumindest theoretisch. Fraglich ist allerdings, ob beispielsweise die Ukraine im Achtelfinale tatsächlich in St. Petersburg antreten müsste. Im Einzelfall entscheidet das so genannte UEFA Emergency Panel, ein fünfköpfiger Ausschuss, an dessen Spitze UEFA-Präsident Aleksander Ceferin steht.

Wo wird gespielt?
Die EURO 2020 ist die erste paneuropäische Europameisterschaft. Sie wird an zwölf Spielorten in zwölf verschiedenen Ländern ausgespielt. Die Spielstätten sind Rom und Baku (Gruppe A), St. Petersburg und Kopenhagen (Gruppe B), Amsterdam und Bukarest (Gruppe C), London und Glasgow (Gruppe D), Bilbao und Dublin (Gruppe E) sowie München und Budapest (Gruppe F). Die Halbfinals und das Finale werden im Londoner Wembley-Stadion ausgetragen. 

Aserbaidschan Stadion von Baku (Getty Images/AFP/G. Kirk)

In Baku wird im Olympic Stadium gespielt - die Hauptstadt Aserbaidschan ist der einzige EM-Spielort in Asien

Mannschaften, die sich über die reguläre Qualifikation qualifiziert haben und gleichzeitig auch Co-Gastgeber sind, haben bei mindestens zwei ihrer Vorrundenspiele Heimrecht. Sollte der jeweils andere Co-Gastgeber in der Qualifikation gescheitert sein, sind es sogar drei Heimspiele. Beispiel: Deutschland ist direkt qualifiziert, Partnerland Ungarn muss dagegen in die Playoffs. Daher hat die DFB-Elf drei Heimspiele in München. In Gruppe B haben dagegen Russland und Dänemark die Qualifikation erfolgreich gemeistert. Daher muss ausgelost werden, wer im direkten Duell in der Vorrunde das Heimrecht erhält.

Warum ist die EURO 2020 paneuropäisch?
Die Idee, die Europameisterschaft nicht an einen Gastgeber zu vergeben, sondern über den gesamten Kontinent zu verteilen, stammt vom früheren UEFA-Präsidenten Michel Platini. Der Franzose schlug im Sommer 2012 vor, anlässlich des 60-jährigen UEFA-Jubiläums eine "EURO für Europa" auszutragen. Die Spiele fänden so näher an den Fans statt, und die Kosten würden sich auf mehrere Schultern verteilen.

Euro 2020 Gastgeberwahl 19.09.2014 Genf (Reuters/Denis Balibouse)

Initiator der EURO 2020: Michel Platini

"Wir spielen in zwölf Städten in zwölf verschiedenen Ländern, dann muss jedes Land nur noch ein Stadion und einen Flughafen bauen", sagte Platini damals. "Ich glaube, das ist eine großartige Idee während der Wirtschaftskrise." Im Dezember 2012 entschied die UEFA, dem Vorschlag ihres Präsidenten zu folgen. Als Gastgeber hatten sich zu diesem Zeitpunkt die Türkei, Irland gemeinsam mit Schottland und Wales sowie Aserbaidschan mit Georgien beworben.

Kritiker bemängeln, dass durch die Verteilung der Spiele über ganz Europa kein echtes Turniergefühl aufkommen werde. Zudem seien die Distanzen zwischen den einzelnen Spielorten ein Problem. Zwischen Bilbao im Westen und Baku im Osten liegen etwa 4300 Kilometer. Die Nord-Süd-Achse der EM zwischen St. Petersburg und Rom beträgt immerhin rund 2400 Kilometer. Die deutschen Fans müssten im Falle des Gruppensieges zum Achtelfinale nach St. Petersburg reisen, im Erfolgsfall anschließend zum Viertelfinale nach Dublin - danach dann nach London. Ein vergleichsweise kurzer Trip. Ein weiteres Viertelfinale findet nämlich in Aserbaidschans Hauptstadt Baku statt. Auf der Reise von dort nach London fliegen Mannschaft und Fans rund 4000 Kilometer weit und durchqueren drei Zeitzonen.

asz/sn (dpa, sid, UEFA.com, sportschau.de)

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