Es werde Licht - Die Möbelmesse IMM in Köln zeigt visionäre Leuchtobjekte | Kunst | DW | 16.01.2018
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Kunst

Es werde Licht - Die Möbelmesse IMM in Köln zeigt visionäre Leuchtobjekte

Muffins und Macarons als Lichtquellen? Das gibt es bei Lucie Koldova. Die tschechische Designerin zeigt, wie kreativ Licht heute einsetzbar ist - in ihrem "Haus" auf der Einrichtungsmesse IMM Cologne.

Ob es bei ihr zu Hause auch so aussehe? Nein, sagt Lucie Koldova. Zu Hause habe sie gar keine Zeit, solche Einrichtungskonzepte zu entwickeln. Da sei sie eher selten. "Ich habe das Gefühl, das hier ist jetzt mein zweites Zuhause", sagt die tschechische Designerin und meint die Internationale Möbelmesse IMM Cologne, wo sie auf rund 200 Quadratmetern ein Wohnhaus simuliert. "Ich habe an diesem Konzept neun Monate gearbeitet und jetzt fühlt es sich für mich sehr familiär an."

Leute gehen durch Zimmer mit Sitzmöbeln einem Regal und Leuchtröhren in der Mitte (DW/G. Reucher)

Ankommen und stöbern in der "Living Zone"

Ihr Blick schweift durch den Eingangsraum, die sogenannte "Livingzone" mit den sternförmigen Leuchtröhren an der Decke, die wie ein Feuerwerk wirken. Darunter eine Gruppe aus ovalen roten und grauen Sitzelementen. Auf dem Boden strahlen drei orangefarbene Leuchtröhren wie ein künstliches Feuer.

Der offene Raum gibt den Blick in die anderen Räume frei. Lucie Koldova nennt sie "Zonen" oder "Lichtzellen", denn in allen Räumen spielt Licht die Hauptrolle. Graue und weiße Lichtkugeln über dem Bett, helle Lichtwände im Arbeitszimmer, und um den Spiegel im Ankleidezimmer gruppieren sich verschiedene Lichtquellen, deren Intensität ständig wechselt.

Licht als Stimmungselement

Deckenbeleuchtung in Das Haus von Lucie Koldova, IMM Cologne 2018 - Das Haus - Lucie Koldova (DW/G. Reucher)

Leuchten wie ein Feuerwerk - Deckenbeleuchtung in "Das Haus" von Lucie Kaldova

Licht ist auch eins der Hauptthemen in diesem Jahr bei der internationalen Möbelmesse in Köln. An vielen Messeständen fallen grün oder braun getönte Glaslampen auf, bauchige Flaschen- und Kugelformen im Retro Look der 70er Jahre. "Licht ist als Stimmungselement sehr wichtig geworden", sagt der künstlerische Direktor der IMM Cologne, Dick Spierenburg, im DW-Gespräch. "Mit LED kann man dünner und flacher arbeiten und andere Formen und Skulpturen kreieren". Die Leuchtdioden werden nicht heiß und können so in Möbel eingebaut und mit verschiedensten Materialien wie Holz, Marmor oder Metall kombiniert werden. Materialien, die bei dieser internationalen Möbelmesse in Köln den Ton angeben.

Licht als Energiequelle

"Licht ist für mich ein Phänomen, eine Energiequelle, es erweckt Objekte zum Leben", sagt die Lichtdesignerin Lucie Koldova. Es macht ihr Spaß, Lichtskulpturen zu kreieren, die mal die Form eines "Muffins" haben oder die sie nach dem französischen Gebäck "Macarons" benennt. Dabei handelt es sich um gläserne abgeflachte Lichtkugeln, in der Mitte durchtrennt von einer Marmorplatte.

Lampen, die aussehen wie französische Macarons (DW/G. Reucher)

Lucie Koldovas "Macarons"

Lucie Koldova hat in Prag an der Akademie für Kunst, Architektur und Design studiert. Danach ging sie einige Jahre nach Paris. Das Licht hat sie zurück in ihre Heimat nach Prag geführt. Die Böhmische Region ist weltweit bekannt für das Glashandwerk. Koldova möchte die Tradition der Glasbläserei neu und modern interpretieren: "Es ist für mich eine Ehre, dieses Vermächtnis unseres Landes fortzuführen." Alle Lampen in ihrem "Haus" seien handgemacht, versichert sie.

Ein Haus für zeitgenössisches Wohnen

Die Designerin Lucie Koldova in einem orangefarbenen Kleid, an eine Mauer gelehnt (IMM Cologne/Lucie Koldova)

Designerin Lucie Koldova hat Spaß am Spiel mit dem Licht

"Das Haus" ist die Simulation eines Wohnhauses aus Architektur, Innendesign und Möblierung. "Die Vision, die hinter der IMM steckt, ist mehr und mehr, dass wir keine Möbelmesse sind, sondern eine Einrichtungsmesse. Wir versuchen alles zu zeigen, was mit Wohnen und Leben zu tun hat", erläutert der künstlerische Leiter Dick Spierenburg. Deshalb hat er 2012 auch die Reihe "Das Haus" ins Leben gerufen. "Es ist eine Plattform für Designer, ihre eigenen Ideen und Visionen zeitgenössischen Wohnens zu zeigen."

Die Konzepte sind dabei ganz verschieden. Während Luca Nichetto 2013 sein Haus mit Grün- und Nutzpflanzen bunt gestaltete, ging es 2015 bei dem Deutschen Designer Sebastian Herkner um Textilien, aus denen er verschiebbare Wände kreierte. Nur mit dem Nötigsten richtete dagegen der Amerikaner Todd Bracher 2017 sein Haus ein.

Die Möbel von heute: nüchtern, sachlich, funktional

Mann sitzt in weißem Raum an durchsichtigem Schreibtisch (DW/G. Reucher)

Sachlich funkitonal - In diesem Arbeitsraum soll Platz für eigene Geistesblitze sein

Auch das "Haus" von Lucie Koldova wirkt eher nüchtern. Klare runde und eckige Formen, starke Farben, der Wechsel von heller und dunkler Beleuchtung, das sind Kontraste, mit denen die Lichtdesignerin spielt. Wohnliche Accessoires wie etwa Zimmerpflanzen sucht man vergeblich. Auch grün als Farbe kommt nicht vor. Eindeutig dominiert neben grau und weiß die Farbe Rot.

"Ich bevorzuge zu Hause zeitlose Töne und Farben wie schwarz und weiß mit roten Akzenten", erläutert die Designerin. "Wenn ich eine grüne Szenerie haben will, dann gehe ich nach draußen in die Natur." Manche Besucher empfinden die Atmosphäre in Kaldovas Messe-Haus trotz der behaglichen Sitzmöbel eher als kalt und funktionell.

"Ich zeige, was mir wichtig ist"

Rundes graues Sitzmöbel mit vereinzelten Lehnen (DW/G. Reucher)

Sitzen im Kreis, bei gedimmten Licht vom Stress erholen

Natürlich soll "Das Haus" Trends aufspüren und kreieren. Mit der Wohnwirklichkeit hat das nicht unbedingt etwas zu tun. Es geht vielmehr um neue Ideen. Etwa wenn Koldova das Bett ins Badezimmer stellt und das ganze "Relax Zone" nennt. Oder wenn in der "Inspiration Zone" die Lehnen der Bürosessel auch als Deko an der Decke hängen und die Wände selbst leuchten und zur Lichtquelle werden. Das kreisrunde Sitzelement in der "Spirit Zone" lädt ein, gemütlich beisammenzusitzen, die Beine auf der Matratze in die Mitte gestreckt und nicht - wie auf einem traditionellen Sofa - mit den Füßen auf den Boden.

"Es ist hier wie eine Ausstellung, eine Mischung von Objekten, die ich liebe", erläutert Lucie Koldova. "Das Licht soll kommunizieren, es soll zeigen, was ich zu Hause essentiell finde". Nur einen Raum, den sucht man hier vergeblich: die Küche. Ein Ankleidezimmer sei ihr wichtiger gewesen als ein Raum zum Kochen. "Man kann heutzutage überall draußen essen. Da brauche ich keine eigene Küche", sagt sie. Vielleicht ist das ja ein geheimer Wunsch, den sie gerne  in ihren eigenen vier Wänden in Prag umsetzen würde.

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