″Es war keine Revolution, sondern ein Staatsstreich″ | Russland & GUS | DW | 08.01.2004
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Russland & GUS

"Es war keine Revolution, sondern ein Staatsstreich"

– Georgiens ehemaliger Staatschef Schewardnadse in einem Exklusivinterview zu den jüngsten Ereignissen in seinem Land

Bukarest, 7.1.2004, 515 GMT, RADIO RUMÄNIEN, rumän.

In der ehemaligen Georgischen Sowjetrepublik haben die Wahlen vom vergangenen Sonntag (4.1.) die politische Option der Mehrheit der Bevölkerung in der sogenannten "Rosen-Revolution" vom November bestätigt. In Tbilissi gibt es eine neue politische Führung und einen neuen Präsidenten. Der größte Verlierer, der ehemalige Staatschef Eduard Schewardnadse, hat die Weltpolitik in den letzten zwei Jahrzehnten entscheidend mitgeprägt, vor allem als letzter Außenminister der Sowjetunion und wichtiger Mitarbeiter von Michail Gorbatschow. Alexandru Beleavschi führte in Tbilissi für Radio Rumänien ein Exklusivinterview mit dem ehemaligen georgischen Präsidenten.

Alexandru Beleavschi: Der ehemalige Präsident Georgiens Eduard Schewardnadse sagt, dass er keinen Groll gegen die neue Führung in Tbilissi hegt. Seiner Ansicht nach waren die als "Rosen-Revolution" bezeichneten Ereignisse vom November vergangenen Jahres keine Revolution, sondern ein Staatsstreich. Ich fragte den ehemaligen Staatschef Georgiens, welches der entscheidende Augenblick für seinen Rücktrittsentschluss war. Durch diesen Entschluss konnte die Krise friedlich beigelegt werden. Deswegen wurde ihm dieser Entschluss von Politikern in der ganzen Welt und von der gesamten internationalen Gemeinschaft hoch angerechnet.

Eduard Schewardnadse (russisch, rumänisch übersprochen): (Einige Worte unverständlich) ... habe ich den Kriegszustand erklärt. Das bedeutet: Einsatz von Militär, von Panzern, von Militärtechnik usw. Als ich dann aber an meinen Amtssitz zurückgekehrt war und eine ganze Nacht lang über die möglichen Folgen nachgedacht hatte, kam ich zu der Überzeugung, dass es unausweichlich Opfer geben würde. Dabei würde es keine Rolle spielen, wie viele Menschen sterben würden, ob es einer, zehn oder fünfzehn sein würden, denn dies entspricht nicht meinen moralischen und ethischen Prinzipien. Dann habe ich die Entscheidung getroffen zurückzutreten. Egal wie oft man heute wiederholt, es sei eine Revolution gewesen, eine "Rosen-Revolution" oder was auch immer für eine Revolution – es wäre nichts dergleichen gewesen, hätte es nicht den Rücktritt des Präsidenten Schewardnadse gegeben.

Alexandru Beleavschi: Im Januar 1990, also vor vierzehn Jahren, war Eduard Schewardnadse der erste ausländische Politiker, der Rumänien nach der Revolution vom Dezember 1989 besuchte.

Eduard Schewardnadse (russisch, rumänisch übersprochen): Das war meine Initiative. Gorbatschow war damit einverstanden. Bei Ihnen (in Rumänien) war Krieg. Denn bei Ihnen gab es wirklich eine Revolution gegen Ceausescu. Das Ceausescu- Regime und das Schewardnadse-Regime sind zwei verschiedene Dinge, zwei völlig verschiedene Dinge. Bei Ihnen war es eine gerechte Revolution. (me)

  • Datum 08.01.2004
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