Erzkonservative machen Stimmung gegen Rohani | Aktuell Nahost | DW | 04.11.2013
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Aktuell Nahost

Erzkonservative machen Stimmung gegen Rohani

Zehntausende Iraner haben am Jahrestag der Erstürmung der US-Botschaft von 1979 gegen die USA und Israel demonstriert. Für die Hardliner eine willkommene Gelegenheit, den moderaten Präsidenten Rohani zu schmähen.

Im Gedenken an die Stürmung der US-Botschaft in der iranischen Hauptstadt von 1979 versammeln sich traditionell viele Iraner, um ihrem Hass auf die Erzfeinde USA und Israel Ausdruck zu verleihen. In diesem Jahr waren es einige zehntausend Menschen, die sich in den Straßen vor der früheren US-Botschaft in Teheran drängten. Beobachter sprechen vor der größten anti-amerikanischen Kundgebung im Iran seit Jahren.

Während der neue, liberalere Präsident Hassan Rohani einen spektakulären Prozess der Annäherung gegenüber Washington eingeleitet hat, mobilisierten die konservativen Kräfte und muslimischen Hardliner erfolgreich zu diesem Massenaufmarsch anlässlich des 34. Jahrestages. Die Demonstranten skandierten "Tod für Amerika" und "Tod für Israel", vielerorts brannten US-Flaggen. Auch in anderen Städten des Landes fanden Protestkundgebungen statt.

Nieder mit den USA - auch viele Frauen folgten dem Aufruf erzkonservativer Kräfte zum Protest (foto: IRNA) .

"Nieder mit den USA" - auch viele Frauen folgten dem Aufruf erzkonservativer Kräfte zum Protest

Druck auf Rohani

In Teheran waren laut TV-Berichten führende Konservative unter den Teilnehmern, darunter der Chef der islamistischen Bassidsch-Miliz, Mohammed Resa Naghdi. Auch einer der Stellvertreter des Präsidenten, Mohammed Schariatmadari, soll demnach anwesend gewesen sein.

Für radikale Gruppierungen oder die einflussreichen Revolutionsgarden sind diese Demonstrationen auch ein Zeichen an den geistlichen Führer, Ajatollah Ali Chamenei, sich einer Liberalisierung zu widersetzen. Zudem sollten sie eine klare Warnung an Präsident Rohani und die moderaten Kräfte sein, die Annäherungspolitik fortzusetzen.

Reform und Revolution

Zuletzt hatte es eine deutliche Entspannung in den amerikanisch-iranischen Beziehungen gegeben. Rohani hatte nach seiner Wahl im Juni signalisiert, das Verhältnis zum Westen verbessern und eine Lösung im Atomstreit erzielen zu wollen. Jüngst war es zu einem historischen Telefonat zwischen Rohani und US-Präsident Barack Obama gekommen.

Am 4. November 1979 hatten radikale Studenten im Zuge der islamischen Revolution im Iran die US-Botschaft gestürmt. Sie hielten anschließend 52 US-Diplomaten 444 Tage lang in ihrer Gewalt. Damit protestierten sie gegen die Aufnahme des gestürzten Schahs von Persien durch die USA. Der Vorfall führte zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Washington und Teheran und einer langen diplomatischen und politischen Eiszeit zwischen den Staaten.

SC/det (afp, APE, rtr)

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