Erste Tunnelverbindung zwischen Europa und Asien | Aktuell Welt | DW | 29.10.2013
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Aktuell Welt

Erste Tunnelverbindung zwischen Europa und Asien

Das Projekt zählt wegen des technischen Aufwands zu den gigantischsten der vergangenen Jahrzehnte: der im Meeresgrund verankerte Eisenbahntunnel unter der Metropole Istanbul. Heute hat ihn die Türkei eröffnet.

Bis zu 62 Meter tief unter der Erde gruben sich die riesigen Bohrmaschinen Kilometer um Kilometer voran. Fast zehn Jahre lang wurde an dem tiefsten je im Wasser versenkten Eisenbahntunnel der Welt gearbeitet. Nun ist es soweit. Für die offizielle Eröffnung hat sich die Regierung einen denkwürdigen Tag ausgesucht, den 90. Jahrestag der Gründung der Türkischen Republik.

Transkontinental-Tunnel 13,6 Kilometer lang

Das im Grund der Meerenge verankerte 13,6 Kilometer lange Bauwerk verbindet die europäische und die asiatische Seite Istanbuls. Die Dimensionen des Marmaray-Projekts stellen alle anderen Verkehrsprojekte in der Metropole Istanbul mit ihren geschätzten 16 Millionen Einwohnern in den Schatten. Ein 1,4 Kilometer langes Teilstück des Tunnels verläuft unter dem Marmara-Meer, weitere 12,2 Kilometer an Tunnelstrecke verlaufen unter dem Meeresgrund und unter den beiden Ufern. Auf der europäischen Seite Istanbuls wurde zu diesem Zweck die historische Halbinsel der Stadt mit Hagia Sophia, Blauer Moschee und Topkapi Palast untertunnelt. Rund 63 Kilometer an oberirdischen Anschlussstrecken werden in den kommenden Jahren neu gelegt oder modernisiert.

Blick auf Bosporus-Brücke (Foto: AFP/ Getty Images)

Berufspendler wollen nicht mehr über die Bosporusbrücke fahren, sondern die neue U-Bahn darunter nehmen

Türkische Politiker träumen mit Blick auf diese Endstufe des Ausbaus bereits von einer "eisernen Seidenstraße", einer künftigen Schienenverbindung von London bis Peking - als Alternative zur Transsibirischen Eisenbahn.

Projekt soll Istanbuls Verkehrsprobleme lösen

Zunächst geht allerdings nur die Unterquerung der Meerenge mit einer S-Bahn in Betrieb. Im Zweiminutentakt sollen stündlich bis zu 75.000 Menschen befördert werden können. Mit rund einer Million Passagieren täglich rechnet die Stadt. Berufstätige, die täglich von einer Seite Istanbuls auf die andere wechseln, hoffen nun auf einen deutlich schnelleren Weg zu ihrem Arbeitsplatz.

Von 2015 an soll der Bosporustunnel auch für den Fernverkehr von Zügen genutzt werden. Hinzu kommt ein Tunnel für Autos unter dem Marmarameer.

Sicher vor Erdbeben

Mehr als 2,5 Milliarden Euro kostete das Marmaray-Projekt, das von einem japanisch-türkischen Konsortium verwirklicht wurde. Sehr genau sei auch auf die Erdbebensicherheit geachtet worden, betonten die Planer von der staatlichen Bahn- und Flughafenbaubehörde DLH. Nur 20 Kilometer vom Tunnel entfernt reiben zwei tektonische Platten aneinander.

Arbeiter an Gleisen im Transkontinental-Tunnel (Foto: AFP/ Getty Images)

Archäologische Funde verzögerten die Arbeiten am Transkontinental-Tunnel um Jahre

Eigentlich hätte das Projekt schon 2009 abgeschlossen werden sollen, doch Ausgrabungen archäologischer Funde sorgten für Verzögerungen. Als die Ingenieure nahe der Istanbuler Altstadt mit den Ausschachtungsarbeiten begannen, stießen sie auf steinzeitliche Gräber und einen kompletten byzantinischen Hafen mit mehr als 30 versunkenen Schiffen.

Zur Eröffnung reiste auch der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe an. "Dieses Projekt wurde mit Hilfe von japanischer Hochtechnologie und der erfahrenen türkischen Arbeitskraft umgesetzt", sagte Abe der türkischen Zeitung "Hürriyet". Der deutsche Siemens-Konzern lieferte die gesamte Signal- und Leittechnik, BASF steuerte ein Zusatzmittel für einen Spezialbeton bei.

Protest gegen die Regierung

In der türkischen Metropole nutzten Tausenden Menschen den 90. Jahrestag der Republikgründung, um gegen die islamisch-konservative Regierung zu demonstrieren. Etwa 15 Kilometer von der offiziellen Zeremonie entfernt, im Stadtteil Beyoglu im europäischen Teil Istanbuls, gingen zahlreiche Kritiker der Regierung auf die Straßen. Die Polizei löste die Kundgebung mit Tränengas auf. Mehrere Menschen wurden festgenommen. Auch in der Hauptstadt Ankara demonstrierten laut Augenzeugen zahlreiche Menschen.

se/hf/kle (dpa, afp)