Erste humanitäre Luftbrücke zwischen Libyen und Italien | Aktuell Afrika | DW | 23.12.2017
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Flüchtlinge

Erste humanitäre Luftbrücke zwischen Libyen und Italien

Erstmals sind Flüchtlinge über einen humanitären Korridor direkt von Libyen nach Italien gebracht worden. 162 Migranten, darunter viele Kinder, trafen in zwei italienischen Militärflugzeugen in Rom ein.

Italien - Ankunft libyscher Flüchtlinge in Rom (Reuters/A. Bianchi)

Die Flüchtlinge aus Libyen kommen auf dem Militärflughafen Pratica di Mare bei Rom an

Die 162 Flüchtlinge stammen aus Eritrea, Äthiopien, Somalia und dem Jemen, wie das UN-Flüchtlingswerk UNHCR mitteilte. Sie hatten zuvor monatelang in libyschen Lagern festgesessen. Das UNHCR hatte demnach besonders verletzliche Menschen wie Familien, unbegleitete Kinder, Schwache, Kranke, Senioren und Menschen mit Behinderungen ausgewählt. Auch ein drei Wochen altes Baby wurde nach Italien geflogen, es war in einem Lager in Libyen geboren worden.

Der Sondergesandte des Flüchtlingshilfswerks für das zentrale Mittelmeer, Vincent Cochetel, erklärte, viele der Flüchtlinge hätten von großem Leid berichtet. "Sie wurden von Menschenschmugglern unten menschenunwürdigen Bedingungen gefangen gehalten." Er betonte: "Das ist wirklich eine bahnbrechende Entwicklung."

"Das ist ein Anfang"

Die legale und sichere Einreise per humanitärem Korridor hatte Italiens Innenministerium gemeinsam mit der nationalen Bischofskonferenz organisiert. Sie wollen auf diese Weise Tausende Migranten aus Libyen nach Europa bringen.

Italien - Ankunft libyscher Flüchtlinge in Rom (Reuters/A. Bianchi)

Einige Migranten steigen auf dem italienischen Flughafen bei Rom in einen Bus ein

Der italienische Innenminister Marco Minniti sprach von einem "historischen Moment". Erstmals sei ein humanitärer Korridor geöffnet worden, um Migranten, deren Flüchtlingsstatus das UNHCR anerkannt hat, aus der Illegalität zu holen. Und er fügte hinzu: "Das ist ein Anfang." Auch der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Gualtiero Bassetti, betonte erneut, humanitäre Korridore seien ein Weg, um legal viele unschuldige Menschen zu retten.

Das Konzept der humanitären Korridore sieht neben einer sicheren und legalen Einreise eine längerfristige Begleitung der Flüchtlinge zur besseren Integration vor. Italiens Bischöfe und die Regierung in Rom hatten im Januar ein auf zwei Jahre angelegtes Abkommen dazu geschlossen. Finanziert wird die Aufnahme demnach aus Kirchensteuermitteln. An der Unterbringung beteiligen sich Pfarreien, Familien, Ordenseinrichtungen und Hilfsorganisationen.

Zu den Vorreitern des Modells der humanitären Korridore zählt die katholische Gemeinschaft Sant'Egidio. Deren Gründer, Andrea Riccardi, wurde am Freitag von Papst Franziskus empfangen. Er berichtete danach, der Papst habe das Engagement der Gemeinschaft für Flüchtlinge und besonders die humanitären Korridore gewürdigt; sie seien inzwischen "ein Vorbild nicht nur für Italien, sondern für ganz Europa".

Mehr als 3100 Todesopfer

Aus Libyen fahren die meisten Migranten mit meist schrottreifen Booten über das Mittelmeer nach Italien. Seit die italienische Regierung ein Abkommen mit Libyen geschlossen hat und die dortige Küstenwache unterstützt, kommen allerdings wesentlich weniger Menschen in Europa an. Menschenrechtler kritisieren, dass Hunderttausende Migranten nun in libyschen Lagern festsitzen und Folter und Misshandlungen ausgesetzt sind. Auf dem Mittelmeer kamen in diesem Jahr nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration bisher mehr als 3100 Menschen ums Leben. An Italiens Küsten landeten in diesem Jahr bisher rund 118.000 Migranten.

kle/se (dpa, kna, afp)

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