Erste Domschweizerinnen im Kölner Dom | Kultur | DW | 14.05.2019
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Kirche

Erste Domschweizerinnen im Kölner Dom

Der Zeitpunkt schien gut gewählt: Just, da deutschlandweit Frauen mehr Rechte und Ämter in der katholischen Kirche fordern, stellt der Kölner Dom seine ersten vier Domschweizerinnen vor. Ein Schritt mit Signalwirkung?

Domprobst Gerd Bachner setzt auf die Macht der Bilder: Mit ihm strahlen Claudia Drolshagen, Andrea Petzenhauser, Hedi Michels und Susanne Rückes über das ganze Gesicht, als sie sich vor der mittelalterlichen Kathedrale den Fotografen stellen. Dabei stecken die vier Frauen in bodenlangen roten, mit schwarzem Samt besetzten Talaren. Als Kölns erste Domschweizerinnen ergänzen sie das Team der Ordnungshüter. Bachners Botschaft: Die Kirche bekommt ein weiblicheres Antlitz. "Ein Tag der Freude", lobt der Kirchenmann, "ein historischer Tag!"

Wie ihre 26 männlichen Kollegen sollen auch die Domschweizerinnen für Ruhe und Ordnung im Dom sorgen. Alle vier bringen Lebenserfahrung aus früheren Berufen mit. Claudia Drolshagen etwa ist gelernte Altenpflegerin und arbeitete viele Jahre im Büro ihres Mannes mit. "Der Dom hat mich schon als Kind fasziniert", sagt die 55-Jährige. Andrea Petzenhauser, mit 35 Jahren die jüngste im Quartett, stammt aus Bayern und ist studierte Wirtschaftsjuristin und Übersetzerin. "Für mich ist der Dom das Symbol meiner neuen Heimat!" Aus 250 Bewerbungen hat das zuständige Domkapitel seine Domschweizerinnen ausgewählt.

Teil der Willkommenskultur

Dom- oder Kirchenschweizer stammen längst nicht mehr nur aus dem Alpenland. Ihre Bezeichnung stammt aus dem 17. und 18. Jahrhundert, als ehemalige Soldaten aus der Schweiz ins Ausland gingen, um sich an Höfen als Sicherheitskräfte oder Wachpersonal zu verdingen. Sie galten als besonders zuverlässig. Ihr Name hielt sich bis heute für das Aufsichtspersonal in den Kathedralen.

Domschweizer schließen den Dom auf und ab, läuten die Glocken, füllen die Schriftenbestände auf und entsorgen abgebrannte Kerzen. Wenn nötig, weisen sie ungebetene Gäste ab. Wenn es brenzlig wird, ist auch schon mal ein Sicherheitsdienst zur Stelle. Vor allem aber, so der Domprobst, stünden die Domschweizerinnen für eine "Willkommenskultur" im Dom und seien somit eine "Bereicherung".

Keine Verbindung zu "Maria 2.0"

Petra, eine Touristin aus dem Saarland, die ihren Namen nicht in den Medien lesen will, schüttelt beim Anblick der Domschweizerinnen auf der Domplatte den Kopf. "Die Kirche braucht nicht mehr Frauen", sagt sie, "sondern endlich auch Frauen als Priesterinnen." Und: "Der Zölibat für Männer gehört abgeschafft!" Ihre Freundin Martina hat noch Kindheitserinnerungen als Messdienerin. "Heute gehe ich nicht mehr in die Kirche", sagt sie, "ist mir zu sehr ein Männerverein!" Beide Frauen unterstützen den einwöchigen Kirchenstreik, mit dem die Frauenbewegung "Maria 2.0" seit Samstag deutschlandweit für Reformen in der Kirche eintreten. Bedenklich: Bis zum Jahr 2060 verlieren die christlichen Kirchen einer Studie zufolge die Hälfte ihrer Mitglieder.

Mit "Maria 2.0" habe die Vorstellung der ersten Domschweizerinnen gleichwohl nichts zu tun, versichert Kölns Domprobst. Ebenso wenig gehe jetzt ein "Signal von Köln" in Richtung Vatikan. "Aber wir wollen nicht nur lamentieren, was in der Kirche alles noch nicht geht", so Bachner. "Papst Franziskus sagt, was heute möglich ist."

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