Erste arabische Mars-Mission mit Startproblem | Aktuell Welt | DW | 14.07.2020
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Raumfahrt

Erste arabische Mars-Mission mit Startproblem

Die großen Ziele der Vereinigten Arabischen Emirate sind klar. Und auch Rakete samt Sonde stehen bereit. Doch nun sorgt ganz "einfach" schlechtes Wetter dafür, dass die Tour zum Roten Planeten verschoben werden muss.

Ein Wissenschaftler testet die Sonde Al Amal durch (Foto: Emirates Mars Mission/MBRSC)

Ein Wissenschaftler testet die Sonde "Al Amal" durch

Die Vereinigten Arabischen Emirate haben die erste arabische Mars-Mission wegen schlechten Wetters verschoben. Der Start der Rakete mit der Mars-Sonde "Al-Amal" ("Hoffnung") vom japanischen Weltraumbahnhof Tanegashima könne wegen der meteorologischen Bedingungen nicht wie geplant am Mittwoch 05.51 Uhr (Ortszeit, 22.51 Uhr MESZ an diesem Dienstag) stattfinden, teilte die Regierung der Emirate via Twitter mit. Als neuer Starttermin wurde inzwischen Freitagmorgen (Ortszeit) festgelegt. 

Nach den Plänen der Emirate soll "Al-Amal" von Februar an den Roten Planeten umrunden. Aufgabe der 1350 Kilogramm schweren Sonde ist es, ein umfassendes Bild der Mars-Atmosphäre und seiner meteorologischen Dynamik zu liefern. Sie soll dabei von einem besonders günstigen Startfenster profitieren: Mit rund 55 Millionen Kilometern kommt der Mars der Erde derzeit so nah wie nur alle 26 Monate.

Der Mars - nun auch ein Zielobjekt der arabischen Weltraumforschung (Foto: picture-alliance/S. Decoret)

Der Mars - nun auch ein Zielobjekt der arabischen Weltraumforschung

Hinter der Mission steht ein ehrgeiziges Ziel der Emirate: In knapp hundert Jahren wollen sie eine Siedlung auf dem Mars errichten. Die Mission soll aber nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse bringen, sondern auch Wirtschaft und Bildung der Vereinigten Arabischen Emirate positiv beeinflussen. Sie wollen unabhängiger vom Erdöl werden. In den vergangenen Jahren steckten die Emirate daher immer mehr von ihren Öleinnahmen in neue Technologien und konnten auf diese Weise auch ein erfolgreiches Satellitenprogramm starten.

Mit "Al-Amal" will das arabische Land schließlich auch in einen exklusiven Club aufgenommen werden: Bisher gelangen nur den USA, Indien, der früheren Sowjetunion und der Europäischen Weltraumagentur (ESA) Missionen mit Mars-Sonden.

Landefahrzeug für den chinesischen Mars-Rover (picture-alliance/dpa/Chinese State Administration of Science, Technology and Industry for National Defence)

Computersimulation des chinesischen Mars-Rovers "Tianwen-1"

Neben den Vereinigten Arabischen Emiraten wollen in diesem Monat auch China und die USA neue Mars-Missionen starten. Die Volksrepublik will ihren kleinen ferngesteuerten Rover "Tianwen-1" zwischen dem 20. und 25. Juli auf die rund sechsmonatige Reise schicken und damit erstmals den Mars erreichen. "Tianwen" bedeutet "Fragen an den Himmel".

Das ehrgeizigste Vorhaben verfolgt die US-Weltraumbehörde NASA mit "Mars 2020". Ihr Rover soll ein ganzes Mars-Jahr, also rund 690 Tage auf Erden, dort verbringen und trägt daher den Namen "Perseverance" - zu Deutsch "Ausdauer". Durch das Sammeln von Gesteins- und Bodenproben im bislang unerforschten Jezero-Krater soll er Rückschlüsse auf Lebensformen ermöglichen, die es womöglich früher auf dem Mars gab. Die Rakete mit dem Rover wird frühestens am 30. Juli von Cape Canaveral aus starten.

Der NASA-Rover Perseverance (Foto: NASA/JPL-Caltech)

Der NASA-Marsrover "Perseverance"

Der Mars weckt unter anderem deshalb so viel Interesse, weil vor einigen Jahren nachgewiesen wurde, dass einst Wasser - der Ursprung des Lebens - auf seiner Oberfläche floss. Abgesehen von der Erde sei der Mars "der einzige Planet, bei dem wir Anzeichen früheren Lebens finden konnten", sagt der Astrobiologe der französischen Weltraumbehörde CNES, Michel Viso. "Und je mehr wir darüber lernen, desto mehr Hoffnung gibt es." Bei der Erforschung des Mars habe es den Anschein, "dass gerade etwas Aufregendes passiert und die Menschen wollen ein Teil davon sein." Das Fernziel seien aber bemannte Missionen zum Roten Planeten, so Viso weiter. "Das stellt die 'ultimative Grenze' der Erkundung des Weltraums dar."

sti/wa (afp,dpa)