Erschütterndes Foto von ertrunkenen Flüchtlingen | Aktuell Amerika | DW | 26.06.2019
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Fluchtgeschichten

Erschütterndes Foto von ertrunkenen Flüchtlingen

Ein Kleinkind und dessen Vater haben die Flucht über Mexiko in die USA nicht überlebt. Sie ertranken im Grenzfluss Rio Grande. Das Foto hat das Potenzial, ein Mahnmal für die Flüchtlingspolitik Nordamerikas zu werden.

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Tod im Rio Grande

Die Fotos zeigen einen 25-jährigen Mann aus El Salvador und sein knapp zweijähriges Kind. Beide liegen mit dem Gesicht nach unten im Wasser des Rio Grande zwischen Mexiko und den USA. Die Leichen wurden am Montag in Matamoros im mexikanischen Bundesstaat Tamaulipas gefunden.

Wie aus mexikanischen Gerichtsunterlagen hervorgeht, hatten sich Óscar R. und seine Frau Tania A. am Sonntag entschieden, auf ihrer Flucht in die USA den Rio Grande am Grenzort Matamaros zu überqueren, was als äußerst gefährlich gilt. Der Vater trug seine kleine Tochter Valeria demnach auf dem Rücken und hatte sie in seinem T-Shirt festgezurrt, um sie auf diese Weise zu sichern. Die starke Strömung riss die beiden jedoch fort - sie ertranken vor den Augen der 21-jährigen Ehefrau und Mutter.

Mexico US Grenze tote Migranten aus El Salvador (picture-alliance/AP Photo/J. Le Duc)

Der Grenzfluss Rio Grande ist an der Stelle des Unglücks nicht breit, aber die Strömung ist tückisch

Die mexikanische Zeitung "La Jornada" veröffentlichte die Fotos zuerst. Nach Darstellung der Zeitung hat der Vater das kleine Mädchen auf der anderen Seite am Ufer abgesetzt. Dann sei er zur mexikanischen Seite zurückgekehrt, um seine Frau zu holen. In dem Moment sei die Tochter ins Wasser gesprungen. Der Vater habe sie noch greifen können, beide seien dann aber von der Strömung mitgerissen worden, zitierte die Zeitung die Frau. Nach einer stundenlangen Suche hätten Rettungskräfte die Leichen dann am Montag rund 500 Meter entfernt entdeckt.

Nach Angaben der Mutter von Óscar R. hatte die kleine Familie El Salvador am 3. April verlassen. Danach hätten sie zwei Monate im mexikanischen Tapachula an der Grenze zu Guatemala verbracht. Ihr Sohn und seine Frau hätten auf ein besseres Leben gehofft und Geld für einen Hausbau ansparen wollen.

Das Bild erinnert in seiner Wirkung an das Foto eines dreijährigen syrischen Flüchtlingsjungen, dessen Leiche im Spätsommer 2015 an einem Strand in der Türkei gefunden worden war.

Weitere Tote in Flussnähe

US-Behörden meldeten - ebenfalls am Grenzfluss Rio Grande - den Fund weiterer Leichen. Bei den vier Opfern auf US-amerikanischem Boden in der Nähe der texanischen Stadt McAllen soll es sich um eine junge Mutter, zwei Babys und einen kleinen Jungen handeln. Sie seien offenbar verdurstet.

In Mexiko wird die Regierung derzeit wegen ihres Umgangs mit Migranten kritisiert. Präsident López Obrador steht unter massivem Druck von US-Präsident Donald Trump, der Mexiko aufforderte, Migranten auf dem Weg in die USA aufzuhalten, und andernfalls mit Strafzöllen drohte. Infolge eines Migrationsabkommens mit Washington schickte Mexiko fast 15.000 Polizisten und Soldaten an seine Nordgrenze, um die ungeregelte Einwanderung aus Mittelamerika in die USA zu bremsen.

USA Grenze zu Mexiko, Mauer (Getty Images/AFP/P. Ratje)

US-Grenzanlagen gegen illegale Immigration (Archivbild)

Unterdessen hat das US-Repräsentantenhaus für die Freigabe von 4,5 Milliarden Dollar (knapp vier Milliarden Euro) an Hilfsgeldern für die Migranten an der Grenze zu Mexiko gestimmt. Die demokratische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sagte, das Geld solle Essen, Kleidung, Hygieneartikel, eine medizinische Versorgung und Unterkünfte für Migrantenkinder sicherstellen.

Die Mehrheit der republikanischen Abgeordneten war gegen den Text. Der von den Republikanern von US-Präsident Donald Trump kontrollierte Senat will diese Woche einen eigenen Text zu den Hilfsgeldern vorlegen. Im Repräsentantenhaus haben die oppositionellen Demokraten die Mehrheit.

Zuletzt hatten Berichte über katastrophale Zustände in einem Auffanglager für minderjährige Einwanderer in Texas für scharfe Kritik gesorgt. Menschenrechtsaktivisten, Ärzte und Anwälte beklagten unter anderem die mangelnde Hygiene in der überfüllten Einrichtung in dem Ort Clint. Am Dienstag kündigte der kommissarische Chef der US-Zoll- und Grenzschutzbehörde (CBP), John Sanders, nach nur zwei Monaten im Amt seinen Rücktritt an.

 ust/mak (dpa, afp, kna, ap)

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