Erneute Wende im Mordfall Lübcke | Aktuell Deutschland | DW | 08.01.2020
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Rechtsextremismus

Erneute Wende im Mordfall Lübcke

Der Hauptverdächtige im Mordfall Lübcke, Stephan E., präsentiert eine neue Version des Tathergangs. Er beschuldigt nun einen Bekannten, den Kasseler Regierungspräsidenten versehentlich erschossen zu haben.

Deutschland Mordfall Walter Lübcke, ehemaliger Regierungspräsident Kassel (picture-alliance/dpa/S. Pförtner)

Das Haus des getöteten Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke kurz nach der Tat im Juni 2019

Nach der neuen Aussage des Hauptverdächtigen Stephan E. ist sein Bekannter Markus H. bei der Tat anwesend gewesen. Dieser habe den CDU-Politiker Walter Lübcke erschossen. Entsprechende Angaben habe E. nun vor dem Ermittlungsrichter gemacht, sagte sein Verteidiger Frank Hannig während einer Pressekonferenz. Die neue Aussage von Stephan E. unterscheidet sich deutlich von seinem ersten, inzwischen widerrufenen Geständnis.

Lübcke war Anfang Juni 2019 auf der Terrasse seines Wohnhauses im Landkreis Kassel mit einem Kopfschuss getötet worden. Stephan E. soll nach bisherigen Ermittlungen der Schütze sein. Der Generalbundesanwalt geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Die Bundesanwaltschaft wollte die neue Aussagen von E. nicht kommentieren. Diese müssen nun von Ermittlern überprüft werden.

Deutschland Mordfall Walter Lübcke, ehemaliger Regierungspräsident Kassel | Frank Hannig, Anwalt (picture-alliance/dpa/U. Zucchi)

Frank Hanning, Anwalt von Stephan E., bei der Pressekonferenz zur erneuten Aussage seines Mandanten

Der nun beschuldigte Markus H. sitzt bisher in Untersuchungshaft, weil er Stephan E. beim Kauf der Tatwaffe geholfen haben soll. Doch nach der neuen Darstellung fuhr Markus H. mit zum Tatort und nahm dabei die Waffe entgegen.

Eine Tötungsabsicht bestreitet Stephan E. nun. Die Männer hätten den CDU-Politiker aufgesucht, "um ihm, wie mein Mandant gesagt hat, eine Abreibung zu verpassen", erklärte Anwalt Hannig. Auf der Terrasse des Politikers sei es zu einem Streitgespräch gekommen. Daraufhin hätte sich aus der Waffe, die H. auf Lübcke gerichtet hätte, ein Schuss gelöst. Sein Mandant versichere, er glaube nicht, "dass dies absichtlich geschehen ist", sagte der Rechtsanwalt.

Nach Angaben von Hannig wollte E. mit seinem früheren Geständnis Markus H. schützen - ihm seien dafür Schutz und finanzielle Vorteile für seine Familie versprochen worden. Von wem, sagte der Anwalt auch auf Nachfrage nicht.

Deutschland Mordfall Walter Lübcke, ehemaliger Regierungspräsident Kassel | Trauergottesdienst (picture-alliance/dpa/S. Pförtner)

Trauerfeier für Lübcke im Juni 2019 - die Tat löste deutschlandweit Bestürzung aus

Zum Motiv von Stephan E. und Markus H. sagte Anwalt Hannig nichts. Das sei nicht so detailliert zur Sprache gekommen. Ursprünglich hatte E. ausgesagt, er habe seine Familie durch kriminelle Ausländer bedroht gesehen, dazu hätten ihn islamistische Anschläge stark aufgewühlt. Lübcke, der 2015 die Einrichtung einer Flüchtlingsunterkunft bei Kassel verteidigt hatte, habe er daran eine Mitschuld gegeben.

Stephan E. hatte auf eigenen Wunsch erneut ausgesagt. Er wolle auch weiter mit Ermittlern reden. "Wir haben heute vereinbart, dass es weitere Befragungen geben wird", sagte Hannig.

Der Anwalt von Markus H. erklärte, dass sich sein Mandant weiterhin nicht zum Sachverhalt äußern will. "Es kann sich im Übrigen jeder Beobachter selbst die Frage stellen, wie glaubwürdig jemand ist, der im Laufe des Verfahrens ständig mit neuen Versionen eines Geschehens aufwartet, zu dem er ursprünglich ein vollständiges Geständnis abgelegt hat", sagte er.

ust/fab (dpa, afp, epd)

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