Erneut Tote bei Protesten gegen sudanesischen Staatschef | Aktuell Afrika | DW | 28.09.2013
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Afrika

Erneut Tote bei Protesten gegen sudanesischen Staatschef

Die Menschen im Sudan demonstrieren den sechsten Tag in Folge gegen ihre Regierung. Lautstark fordern sie die Absetzung des Präsidenten Omar al-Baschir. Erneut wurden dabei Menschen getötet.

33 Tote, so lautet die amtliche Bilanz der Proteste. Dagegen berichtete der pan-arabische Nachrichtensender Al-Dschasira von mindestens 200 Todesopfern. Trotz des gewaltsamen Vorgehens der Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten gingen erneut in der Hauptstadt Khartum mindestens 2000 Demonstranten auf die Straße. Sie forderten "Freiheit, Freiheit" von Präsident Omar al-Baschir und nannten ihn einen "Mörder". Die Kundgebung wurde unter Einsatz von Tränengas aufgelöst.

Eine Gruppe von etwa 1000 Menschen begleitete in einem noblen Stadtteil Kharthums den Trauerzug des am Freitag bei Demonstrationen getöteten Apothekers Sala Mudathir. Die Demonstranten bezeichneten den 28-Jährigen, der aus einer wohlhabenden und politisch aktiven Familie stammt, als "Märtyrer" ihres Kampfes gegen Baschir.

Unerwünscht: Berichte über Polizeigewalt

Seit Montag demonstrierten täglich tausende Menschen gegen den autokratisch herrschenden Staatschef des nordostafrikanischen Landes. Baschir hatte Anfang der Woche die Subventionen für Gas und Benzin gestrichen, während sich zugleich deren über Nacht der Preis verdoppelte. Es handelt sich um die heftigsten Unruhen seit al-Baschirs Machtübernahme durch einen Militärputsch im Jahr 1989.

Autos brennen während der Proteste. Menschen stehen auf der Straße. (Foto: REUTERS)

Proteste gegen steigende Treibstoffkosten

Die sudanesische Regierung geht rigoros gegen Fernsehsender vor, die aus ihrer Sicht zu viel über die Polizeigewalt im Land berichten. Der in Dubai beheimatete Nachrichtensender Al-Arabija meldete in der Nacht zum Samstag, sein Büro in der sudanesischen Hauptstadt Khartum sei geschlossen worden. Die Behörden hätten den Al-Arabija-Korrespondenten Saadeddin Hussein erst verhört und dann ein Arbeitsverbot gegen ihn ausgesprochen. Ebenso verfuhr man mit dem Sender Sky News Arabia.

Kritik am Vorgehen gegen Demonstranten

Die US-Regierung verurteilte das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte. Dieses sei "unangemessen", erklärte die Sprecherin des Außenamts, Jennifer Psaki. Die Europäische Union zeigte sich in einer Mitteilung "besorgt" und forderte die Achtung des Demonstrationsrechts. Eine Sprecherin von UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay rief die sudanesische Führung zu "äußerster Zurückhaltung" auf.

Am Freitag hatten Bewaffnete in der Hauptstadt wie auch in der Nachbarstadt Omdurman in die Menge geschossen. Die Opposition beschuldigte die Regierung, militante Demonstranten mit Waffen auszustatten, um die Stimmung im Land gegen die Demonstranten zu lenken. Der Sender Al-Dschasira berichtete, Sicherheitskräfte hätten das Feuer auf die friedlich demonstrierenden Menschen eröffnet.

Präsident al-Baschir werden Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der westsudanesischen Unruheregion Darfur vorgeworfen. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag sucht ihn deswegen mit zwei internationalen Haftbefehlen. Der erste wurde im März 2009 ausgestellt, der zweite ist vom Juli 2010.

nem/kle (dpa, rtr, afp, epd)