Erneut Kämpfe mit Putschisten in Burkina Faso | Aktuell Afrika | DW | 29.09.2015
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Aktuell Afrika

Erneut Kämpfe mit Putschisten in Burkina Faso

Knapp eine Woche nach dem Putschende spitzt sich die Lage in Burkina Faso wieder zu. Nachdem einige Rebellen ihre Entwaffnung verweigert haben, rückt die Armee vor. In der Hauptstadt kommt es zu Schießereien.

In der Nähe des Quartiers der Putschisten in der Hauptstadt Ouagadougou seien schwere Waffen abgefeuert worden, meldete der örtliche Radiosender Omega. Anwohner berichteten von Schusswechseln, als Armee-Einheiten auf die Basis der Präsidentengarde vordrangen, die sie zuvor eingeschlossen hatten. Ein Offizier sagte dagegen, beim Vorfahren gepanzerter Fahrzeuge auf das Gelände sei man nur auf geringen Widerstand gestoßen.

Derweil rief der Anführer der Putschisten, Brigadegeneral Gilbert Diendéré, seine Anhänger zur Kapitulation auf, "um ein Blutbad zu vermeiden". Diendéré habe die Kontrolle über seine Anhänger verloren, hieß es. Er habe in der Botschaft des Vatikan in der Hauptstadt Zuflucht gesucht, melden lokale Medien. Der General sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Telefon, er befinde sich an einem sicheren Ort.

Chef der Gendarmerie inhaftiert

Kurz zuvor war der Chef der Gendarmerie festgenommen worden. Djibril Bassolé, der unter dem gestürzten Langzeitpräsidenten Blaise Compaoré Außenminister war, soll sich laut Medienberichten den Putschisten angeschlossen haben. Bassolé hatte zu den Favoriten für die anstehende Präsidentenwahl gegolten, doch dann verbot das Verfassungsgericht des Landes seine Kandidatur.

Djibril Bassolé (Foto: dpa)

Hat sich Djibril Bassolé, der Chef der Gendarmerie, den Putschisten, angeschlossen?

Die Bevölkerung wurde unterdessen angewiesen, nicht auf die Straße zu gehen. Geschäfte blieben geschlossen. Auch der Flughafen von Ougadougou stellte bis auf Weiteres den Betrieb ein, alle Flüge wurden gestrichen.

Putsch der Präsidialgarde

Mitte September hatten Soldaten der Präsidialgarde Präsident Michel Kafando und mehrere Mitglieder der Regierung festgenommen und General Diendéré zum neuen Präsidenten bestimmt. Nach internationaler Vermittlung handelte Diendéré vor rund einer Woche eine Waffenruhe mit Kafando aus. Die Geiseln kamen frei. Anschließend nahm die Regierung ihre Arbeit wieder auf.

Am Samstag beschloss die Regierung, die 1200 Mann starke Elitetruppe aufzulösen. Die Staatsanwaltschaft kündigte zugleich an, die Konten von General Diendéré und 13 weiterer Personen einzufrieren, die für den Staatsstreich verantwortlich gemacht werden. Zudem wird Medienberichten zufolge die Partei des früheren Präsidenten Blaise Compaoré mit Sanktionen belegt. Die Präsidialgarde galt als Verbündete von Compaoré und steht im Verdacht, mit dem Putsch die alten Machtverhältnisse wiederherstellen zu wollen.

Compaoré war im Oktober 2014 nach 27 Jahren an der Macht von Bürgerprotesten aus dem Amt vertrieben worden. Eine Übergangsregierung unter Präsident Kafando übernahm daraufhin die Macht. Nach dem Sturz des Langzeitstaatschefs sollten Neuwahlen den Übergang zur Demokratie festigen. Ursprünglich sollte am 11. Oktober ein neuer Präsident gewählt werden. Doch nach dem Staatsstreich wurde die Abstimmung auf den 22. November verschoben. Bei Unruhen nach dem Putsch wurden in den vergangenen Wochen elf Menschen getötet.

kle/qu (dpa, ape, rtre, afpe)