Ermittlungen gegen Papst-Gesandten in Frankreich | Aktuell Europa | DW | 09.07.2019
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Katholische Kirche

Ermittlungen gegen Papst-Gesandten in Frankreich

Der Vatikan hat die diplomatische Immunität von Luigi Ventura aufgehoben, um Ermittlungen der französischen Behörden zu ermöglichen. Sie werfen dem päpstlichen Gesandten in Paris sexuelle Belästigung vor.

Mehrere Männer werfen dem Botschafter des Papstes in Frankreich sexuelle Übergriffe vor. Während eines Festakts im Pariser Rathaus im Januar soll Luigi Ventura einen Mann belästigt haben. Anschließend meldeten sich noch weitere Männer und erhoben ebenfalls Vorwürfe. Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt deshalb bereits seit Ende Januar gegen den Kirchenmann.

Nun hob der Vatikan die politische Immunität von Ventura auf. Zuvor hatte die französische Regierung den Vatikan zum Handeln aufgerufen. Europaministerin Nathalie Loiseau sprach von "schwerwiegenden" Vorwürfen gegen den 74-Jährigen. Ventura ist seit 2009 Gesandter in Frankreich. Zuvor diente er in Kanada als Nuntius. Dort war ein ähnlicher Vorwurf bekannt geworden.

Vatikan betont Kooperationsbereitschaft - des Verdächtigen

Der Vatikan nannte die Aufhebung der Immunität eine "außerordentliche Maßnahme". Sie zeige, dass der Vertreter des Papstes in Frankreich uneingeschränkt mit den französischen Justizbehörden zusammenarbeite. Vatikansprecher Alessandro Gisotti erklärte, Ventura habe von Anfang an seinen Willen zur Kooperation bekundet. Der Heilige Stuhl habe vor seiner Entscheidung den Ausgang erster Ermittlungen abwarten wollen; deren Ergebnisse seien Ende Juni mitgeteilt worden.

Paris Neujahrsempfang 2018 Macron und Luigi Ventura (AFP/L. Marin)

Ein Jahr vor den mutmaßlichen Vorfällen: Luigi Ventura (r.) beim Neujahrsempfang von Präsident Emmanuel Macron

Missbrauchsskandale plagen die katholische Kirche seit Jahren. Zuletzt hatte ein Kirchengericht in Frankreich einen bekannten französischen Priester wegen Kindesmissbrauchs zur Höchststrafe verurteilt und ihm den Klerikerstatus entzogen. Papst Franziskus hatte Ende Februar zum Abschluss einer Missbrauchskonferenz im Vatikan angekündigt, künftig transparent mit solchen Vorwürfen umzugehen. Die Kirche wolle Missbrauchsfälle nicht mehr vertuschen oder verharmlosen, versprach der Papst.

cw/rb (afp, dpa, kna)

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