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Ermittler vermuten Brandstiftung in Nantes

19. Juli 2020

Wieder brennt eine Kirche in Frankreich - für viele ein schreckliches Déjà-vu nach dem Inferno von Notre-Dame. Ermittler gehen bei dem Brand in Nantes von Brandstiftung aus. Ein Mann wurde laut AFP in Gewahrsam genommen.

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Frankreich Nantes | Großbrand in Kathedrale
Bild: Reuters/S. Mahe

Französische Ermittler untersuchen nach dem Feuer in der Kathedrale von Nantes die Umstände des Brandes. Die Staatsanwaltschaft der Stadt im Westen des Landes geht von Brandstiftung als möglicher Ursache aus. Ein Grund dafür: In der Kirche gab es nach Angaben des Staatsanwalts von Nantes, Pierre Sennès, gleich drei Brandherde. Einen an der großen Hauptorgel sowie zwei weitere im Kirchenschiff. Bei ersten Untersuchungen an der Kathedrale konnten aber keine Einbruchsspuren gefunden werden. Allerdings meldet die Nachrichtenagentur AFP am Morgen, dass der für die Schließung der Kathedrale verantwortliche Mann in Gewahrsam genommen worden sei.

Das Feuer in der spätgotischen Kirche war für Frankreich ein schreckliches Déjà-vu: Als am frühen Samstagmorgen dicke schwarze Rauchschwaden und Flammen aus der Frontfassade der Kathedrale schlugen, fühlten sich viele an das Inferno in der weltberühmten Pariser Kirche Notre-Dame vor mehr als einem Jahr erinnert. Geschockt verfolgten die Französinnen und Franzosen vor Ort in Nantes und auf den Bildschirmen den Brand.

Ein Juwel der Gotik

"Nach Notre-Dame steht die Kathedrale Saint-Pierre-et-Saint-Paul im Herzen von Nantes in Flammen", schrieb Staatschef Emmanuel Macron auf Twitter. Die Kirche sei ein "gotisches Juwel". Die weltberühmte Pariser Kathedrale Notre-Dame war im April vergangenen Jahres bei einem Brand schwer beschädigt worden. Der Spitzturm auf dem Dach war komplett zusammengestürzt.

Die Diözese in Nantes veröffentlichte am Samstag erste Bilder der Schäden: Große Teile der Hauptorgel waren in den Innenraum der Kirche gefallen und lagen dort als verkohlter Trümmerhaufen. Die Orgel und auch ein großes Buntglasfenster aus dem 15. Jahrhundert seien komplett zerstört, teilte die Diözese mit. Auf den Bildern waren zudem ein schwarz ausgebrannter Schrank und großflächige Rußspuren an der Wand dahinter zu sehen.

Die Orgel stammte ursprünglich aus dem 17. Jahrhundert und wurde mehrfach erneuert und erweitert. Orgeln seien sehr brandanfällig, weil dort viel Holz und Blei sei, das gut brenne, erklärte die frühere Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner dem Kölner Domradio. "Orgeln sind einfach das brennbarste Material, das es in Kirchen gibt." Schock-Werner ist die Koordinatorin der deutschen Hilfe für den Wiederaufbau der Pariser Kathedrale Notre-Dame.

In den 70-er Jahren gab es schon einmal ein Feuer

Die Kathedrale von Nantes aus dem 15. Jahrhundert ist den Aposteln Peter und Paul geweiht und gehört zur französischen Spätgotik. Bei einem Feuer 1972 wurde nach Angaben der Diözese von Nantes der Dachstuhl der Kirche komplett zerstört. Nach Restaurierungsarbeiten öffnete die Kirche 1985 wieder ihre Türen. Die Orgel blieb bei dem Brand damals fast unversehrt.

Frankreichs Premierminister Jean Castex bedankte sich bei einem Besuch vor Ort bei den Feuerwehrleuten für ihren Einsatz. Er war gemeinsam mit Kulturministerin Roselyne Bachelot und Innenminister Gérald Darmanin nach Nantes gereist, um sich die Schäden in der Kirche anzusehen. Castex versprach Unterstützung des Staats für den Wiederaufbau der zerstörten Teile der Kathedrale.

ml/haz/AL (dpa, afp)