Ermittler: Journalist Kuciak mit Schüssen ins Herz getötet | Aktuell Europa | DW | 26.03.2018
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Slowakei

Ermittler: Journalist Kuciak mit Schüssen ins Herz getötet

Die Ermittlungsbehörden in der Slowakei haben weitere Einzelheiten zum Mord an dem Investigativ-Journalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten mitgeteilt. Demnach deutet immer mehr auf einen Auftragsmord hin.

Slowakei Bratislava Gedenken nach Journalistenmord (picture-alliance/AP Photo/R. Zak)

Kerzen in Bratislava zum Gedenken an die Ermordeten (Archivbild)

Vor gut einem Monat wurden Jan Kuciak und seine Verlobte Martina Kusnirova in ihrem Haus im westslowakischen Bezirk Galanta tot aufgefunden. Schon damals deutete vieles auf eine regelrechte Hinrichtung hin, dies scheinen die neuesten Ermittlungsergebnisse nun zu bestätigen.

Die Umstände deuteten darauf hin, dass es sich um einen Auftragsmord handele, erklärte die Sonderstaatsanwaltschaft in Pezinok bei Bratislava. Dies folge unter anderem daraus, dass am Tatort nichts entwendet worden sei, hieß es. Den Ermittlern zufolge wurde Kuciak mit zwei Schüssen ins Herz getötet, Kusnirova mit einem Schuss in den Kopf.

Keine Angaben zum Mordmotiv

Die Tat sei nach jüngsten Erkenntnissen bereits am 21. Februar geschehen - einen Tag früher als zunächst angenommen. Bisher seien 200 Zeugen unter anderem aus dem Umfeld der beiden Toten ermittelt und anschließend befragt worden.

Zum Motiv der Tat wollte die Staatsanwaltschaft sich nicht äußern. Man arbeite mit mehreren Varianten, teilte die Behörde mit. Kuciak hatte zuletzt zu mutmaßlichen Verbindungen der Mafia bis in die höchsten Ebenen der Politik wie etwa von Regierungsmitarbeitern recherchiert.

Der Fall hatte zu Massenprotesten und einem Regierungswechsel in der Slowakei geführt. Am vergangenen Donnerstag hatte Präsident Andrej Kiska den bisherigen Vize-Regierungschef Peter Pellegrini zum neuen Ministerpräsidenten ernannt, nachdem Ministerpräsident Robert Fico seinen Rücktritt eingereicht hatte. Bereits zuvor war Innenminister Robert Kalinak nach Protesten zurückgetreten.

Die Demonstrationen werden kleiner 

Trotz der Regierungsumbildung hatten auch am Freitag mehrere tausend Slowaken in verschiedenen Städten des Landes gegen die Verflechtung von Politik und Geschäftemacherei demonstriert. Viele Slowaken fordern trotz der Ernennung Pellegrinis weiterhin Neuwahlen und wollen einen umfassenden Wechsel an der Spitze des Landes erzwingen.

Slowakei Bratislava Demonstration nach Journalistenmord (picture-alliance/AP Photo/D. Voijnovic)

Noch immer gibt es Demonstrationen gegen den Einfluss der Mafia in der Slowakei (Archivbild)

Fico ist zwar nicht mehr Regierungschef. Er führt aber weiter die Smer an, die größte Partei im Parlament. Dort regiert sie mit zwei kleineren Partnern. Aus der Smer stammt auch Pellegrini.

Kuciaks Recherchen sollen weitergeführt werden

Die Anschuldigungen gegen führende Politiker und deren Helfer reißen nicht ab. "Es gibt ernstzunehmende Vorwürfe, wonach Mitarbeiter der Regierung nicht nur Verbindungen zum organisierten Verbrechen haben, sondern direkt darin verwickelt sind", sagte die Menschenrechts-Aktivistin Susana Kriskowa in Bratislava.

Die tschechische Journalistin Pavla Holcova, die mit Kuciak  zusammengearbeitet hatte, rief dazu auf, Kuciaks Recherchen fortzusetzen. "Es ist notwendig, das zu Ende zu führen, was wir mit Jan angefangen hatten", sagte sie im tschechischen Fernsehsender CT. Aus Sicherheitsgründen zeigte die Journalistin ihr Gesicht nicht. Holcova steht unter Polizeischutz. Die meiste Angst habe sie davor, dass die Ermordung von Journalisten zu etwas Normalem werde, sagte die ehemalige Kollegin von Jan Kuciak.

cw/jj (dpa, rtr)

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Journalistenmord führt zur Staatskrise

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