Erkenntnisse und Lehren für die DFB-Elf | Sport | DW | 28.03.2018
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Fußball

Erkenntnisse und Lehren für die DFB-Elf

Die Test-Länderspiele gegen die WM-Mitfavoriten Spanien und Brasilien verliefen eher ernüchternd. Was heißt das nun für das DFB-Team und Bundestrainer Joachim Löw elf Wochen vor dem WM-Start? Eine Analyse.

Ein Titel macht noch keinen neuen Weltmeister

Die DFB-Elf ist amtierender Weltmeister, spielt aber nicht weltmeisterlich. Die zwei Länderspiele gegen Spanien (1:1) und Brasilien (0:1) waren zwar nur Tests, bei denen der Bundestrainer bewusst ausprobieren und rotieren wollte. Und die Gegner gehörten zu den schwersten, die es derzeit gibt. Allerdings: Wenn man doch gegen die Besten überhaupt spielt, warum dann so leidenschaftslos, unkonzentriert, ohne den unbändigen Willen, gewinnen zu wollen? Die Tatsache, Weltmeister zu sein, scheint sich bei einigen Spielern negativ auf die Einstellung auszuwirken. "Wir sind nicht so gut, wie uns immer eingeredet wird. Oder wie vielleicht auch einige von uns denken", sagte Toni Kroos und traf es damit auf den Punkt. Als Titelverteidiger hat Deutschland ein hohes Ansehen und genießt den Respekt der Gegner. Durch eine Vorstellung wie gegen Brasilien verspielt das Team jedoch diesen psychologisch nicht unwichtigen Vorteil und stärkt damit das Selbstvertrauen der Konkurrenz. 

ManCity-Stars fehlt der Pep

Fußball Länderspiel Deutschland - Brasilien (picture-alliance/GES/M. Gilliar)

Konnten (mal wieder) nicht im DFB-Trikot überzeugen: die beiden ManCity-Profis Leroy Sane (l.) und Ilkay Gündogan.

Was hat dieser Junge für ein Potential! Als Profi von Manchester City zählt Leroy Sané in dieser Saison zu den besten Offensivspielern der Premiere League. Der 22-Jährige verfügt über mehr als genug, um ein belebendes Element in der DFB-Elf zu sein. Mit seinen Dribblings und schnellen und unkonventionellen Vorstößen könnte er für Überraschungsmomente sorgen. Doch auch bei seinem elften Länderspieleinsatz überzeugte Sané nicht. Gegen Brasilien spielte er gehemmt, seine Zuspiele kamen nicht an. Suchte er mal das Eins-gegen-Eins, verlor er fast alle Duelle. Und sein City-Vereinskollege Ilkay Gündogan? Der 27-jährige Mittelfeldspieler machte in Berlin mit vielen unnötigen Ballverlusten auf sich aufmerksam und war dadurch eher ein Unsicherheitsfaktor im deutschen Aufbauspiel als ein zuverlässiger Taktgeber. Durch seinen Fehlpass - völlig unbedrängt chippte er im Vorwärtsgang den Ball auf den Kopf von Gegenspieler Fernandinho - leitete er das Gegentor ein. Dabei haben sowohl Gündogan als auch Sané doch den Vorteil, bei Manchester City sowohl national als auch international auf höchstem Niveau zu spielen und den harten Konkurrenzkampf auf und neben dem Platz gewohnt zu sein. Jedoch herrscht zwischen den Leistungen im hellblauen Trikot und dem der Nationalelf bei beiden Profis eine unerklärliche Kluft.

Müder Konkurrenzkampf

Fußball Länderspiel Deutschland - Brasilien (picture-alliance/GES/T. Eisenhuth)

Bundestrainer Löw (l.) und Teammanager Bierhoff: Die Leistung vieler Spieler gibt Anlass zu Bedenken

Der Bundestrainer wollte möglichst vielen Spielern die Möglichkeit geben, mit ihren Leistungen in der Nationalmannschaft für sich zu werben. Am 15. Mai wird Joachim Löw seinen vorläufigen WM-Kader bekannt geben, knapp drei Wochen später muss die endgültige Spielerliste bei der FIFA vorliegen. Aufgedrängt hat sich keiner der "zweiten Garde" - und das ist erschreckend. Hatte die so genannte "Perspektiv-Elf" des DFB beim Confed-Cup im Sommer 2017 noch mit leidenschaftlichen und hoch motivierten Auftritten überzeugt, muss nun keiner der etablierten Spieler tatsächlich um seinen Platz bangen. Konkurrenzkampf? Der war höchstens bei den beiden Stürmern Mario Gomez und Sandro Wagner zu erkennen. "Viele haben ihre Chance nicht genutzt", zeigte sich selbst Toni Kroos negativ überrascht. Und der Bundestrainer erklärte: "Sie haben ihre Erfahrung gemacht, man wird die Lehren daraus ziehen."

Wuchtiger Warnschuss

Taktgeber Toni Kroos, der wohl wichtigste und auch konstanteste Spieler im deutschen Team, spart nach den beiden Länderspielen nicht mit Kritik - zu Recht. Bis zum 17. Juni, dem ersten WM-Spiel der Deutschen gegen Mexiko, sind es (nur) noch elf Wochen. Löw hat in seiner über ein Jahrzehnt währenden Amtszeit als Bundestrainer immer wieder eindrucksvoll gezeigt, wie er sein Team in kürzester Zeit titeltauglich formen kann. Laufwege, taktische Feinheiten, Standards - all das kann noch in den Trainingseinheiten einstudiert werden. Viele andere Nationen beneiden Deutschland um die große Auswahl an guten Spielern, an der Qualität kann es also kaum liegen. Aber es reicht nicht allein, das Potential zu haben. Es muss auch auf den Punkt abrufbar sein. Und das hat viel mit mentaler Stärke und Einstellung zu tun. Vor allem das Spiel gegen Brasilien war ein wuchtiger Warnschuss ans Aluminium - wer den nicht gehört hat, der sollte jetzt lieber seinen Sommerurlaub buchen.

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