Eritreas Streitkräfte verlassen Tigray | Aktuell Afrika | DW | 26.03.2021
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Ähtiopien

Eritreas Streitkräfte verlassen Tigray

Vor wenigen Tagen hatte Äthiopiens Premier Abiy Ahmed erstmals eingestanden, dass Soldaten aus dem Nachbarland Eritrea in den Tigray-Konflikt verwickelt sind. Jetzt kündigt er eine Vereinbarung über deren Rückzug an.

Äthiopische Soldaten patrouillieren in Tigrays Provinzhauptstadt Mekelle

Äthiopische Soldaten patrouillieren in Tigrays Provinzhauptstadt Mekelle

Ministerpräsident Abiy Ahmed teilte auf Twitter mit, er habe sich am Donnerstag mit Eritreas Präsident Isaias Afwerki in Asmara getroffen. Im Zuge der Gespräche habe die Regierung von Eritrea einem Abzug ihrer Truppen aus der nordäthiopischen Provinz Tigray zugestimmt.

Die äthiopischen Streitkräfte würden die Bewachung der Grenzgebiete "mit sofortiger Wirkung" wieder übernehmen, erklärte Abiy weiter. Die eritreischen Truppen hätten die Grenzen des Nachbarlandes Äthiopien überschritten, nachdem die in Tigray regierende Volksbefreiungsfront TPLF Raketen in Richtung Eritreas Hauptstadt Asmara geschossen hätten, sagte Abiy. Eritrea habe weitere Angriffe verhindern und seine Sicherheit wahren wollen.

Zweifel am Wahrheitsgehalt von Abiys Darstellung

Abiy hatte nach wochenlangen Dementis am Dienstag dieser Woche erstmals die Präsenz eritreischer Truppen in Tigray eingeräumt. In einer live im Fernsehen übertragenen Rede vor dem Parlament in Addis Abeba sagte Abiy, das Nachbarland Eritrea sei in den seit fünf Monaten andauernden Konflikt verwickelt. Eritreas Armee habe die Grenze überschritten, sich innerhalb von Äthiopien bewegt und Menschen Schaden zugefügt, sagte der Regierungschef. "Wir werden das nicht akzeptieren." 

Äthiopien Premierminister Abiy Ahmed Parlament

Abiy Ahmed, der einstige Hoffnungsträger für Äthiopien, ist inzwischen umstritten

Experten bewerten das anders: Ihnen zufolge kamen die eritreischen Soldaten auf Einladung Abiys, um die äthiopischen Kräfte in Tigray zu unterstützen. Äthiopien wurde jahrzehntelang von der aus Tigray stammenden Volksgruppe regiert; in dieser Zeit war es mit Eritrea verfeindet. Abiy ist der erste Nicht-Tigreer seit langem an der Macht, er beendete die Fehde mit dem Nachbarn. Zuletzt war der internationale Druck auf Äthiopien gestiegen, die Soldaten Eritreas auszuweisen.

Zivilbevölkerung leidet

Am Donnerstag veröffentlichte die äthiopische Menschenrechtskommission (EHRC) dann einen Bericht, in dem sie eritreischen Soldaten vorwarf, für ein Massaker an mehr als hundert Zivilisten und Zivilistinnen in der Stadt Aksum in Tigray verantwortlich zu sein. Die Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch und Amnesty International hatten bereits zahlreiche Belege für eritreische Verwicklungen in Massaker präsentiert.

Verhandlungslösung angestrebt?

Nach Ansicht von Beobachtern könnte der Rückzug der eritreischen Truppen dem Konflikt eine neue Dynamik verleihen. William Davison, Senior Analyst bei der International Crisis Group, einer unabhängigen Organisation, die die Kämpfe in Äthiopien beobachtet, sagte im Interview der Deutschen Welle: "Es könnte zu einer Verstärkung des bewaffneten Widerstands in Tigray kommen. Und es ist schwer vorstellbar, dass Äthiopiens föderale Regierung diese Rebellion vollständig niederschlägt, wenn die eritreischen Truppen abziehen."

Davison fügte hinzu: Obwohl Abiy's Ankündigung auf die Bereitschaft hinzudeuten scheint, den Konflikt in Tigray zu beenden, "gibt es bisher keine Anzeichen dafür, dass die äthiopische Regierung eine Verhandlungslösung anstrebt".

Die äthiopischen Truppen hatten Anfang November eine Offensive gegen die Volksbefreiungsfront TPLF begonnen. Gut drei Wochen später verkündete Abiy die Einnahme der Regionalhauptstadt Mekelle und das Ende des Militäreinsatzes. Von den Hunderttausenden Menschen, die in der Region auf der Flucht vor Kämpfen sind, retteten sich nach UN-Schätzungen rund 60.000 in den benachbarten Sudan.

Äthiopien und Eritrea trugen von 1998 bis 2000 einen blutigen Grenzkonflikt aus und unterhielten danach jahrelang keine diplomatischen Beziehungen. Erst 2018 begruben beide Länder das Kriegsbeil. Auch dafür bekam Abiy 2019 den Friedensnobelpreis.

qu/sti (afp, dpa, rtr)

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