Erdogan weist Sanktionsdrohung der USA zurück | Aktuell Welt | DW | 29.07.2018
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Diplomatische Spannungen

Erdogan weist Sanktionsdrohung der USA zurück

Recep Tayyip Erdogan zeigt sich Medienberichten zufolge im Streit um einen in der Türkei inhaftierten US-amerikanischen Priester unbeeindruckt. Der türkische Präsident warnt vor dem Verlust der Partnerschaft.

Türkei | US-Pastor Brunson in Hausarrest entlassen
(picture-alliance/dpa/AP Photo/E. Tazegul)

Am 25 Juli wurde Andrew Brunson wegen "gesundheitlicher Probleme" in den Hausarrest entlassen

Er werde Sanktionsdrohungen von US-Präsident Donald Trump nicht nachgeben, sagte Erdogan dem Sender Haberturk und anderen Medien zufolge. US-Präsident Donald Trump hatte am Donnerstag über den Kurznachrichtendienst Twitter "große Sanktionen" angekündigt, wenn die Türkei den Pastor Andrew Brunson nicht freilasse. Details nannte er nicht.

Auf diese Drohung äußerte sich nun erstmals der türkische Präsident. "Wir werden keinen Schritt zurückweichen, wenn wir mit Sanktionen bedroht werden", sagte Erdogan. "Die USA dürfen nicht vergessen, dass sie einen starken, ernsthaften Partner verlieren könnten, wenn sie ihre Haltung nicht ändern."

Brunson war nach 21 Monaten am Mittwoch zwar aus der Haft entlassen, jedoch unter Hausarrest gestellt worden, während das Verfahren gegen ihn weiterläuft. Er arbeitet seit mehr als zwei Jahrzehnten in der Türkei und führt eine protestantische Kirche in Izmir.

 Andrew Brunson Izmir Pastor USA (picture-alliance/abaca/Depo Photos)

Die türkische Polizei bewacht die Straße und die Wohnung des US-Priesters Andrew Brunson in Izmir

Dem Pastor wird vorgeworfen, zwei in der Türkei als Terror-Organisationen angesehene Gruppen unterstützt zu haben: die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK und die Gülen-Bewegung, die nach Auffassung Erdogans hinter dem gescheiterten Putsch vom Juli 2016 steht. Bei einer Verurteilung drohen Brunson bis zu 35 Jahre Gefängnis. Er hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Schon mehrfach unterstützte Trump den Priester öffentlich auf Twitter. Brunson werde als "Geisel" gehalten, obwohl er "nichts Falsches" getan habe (18. Juli). Der Priester werde als Spion bezeichnet, "aber ich bin viel eher ein Spion, als er es ist" (18. April).

Hinterzimmer-Diplomatie?

Die "Washington Post" berichtete am Freitag, zwischen Ankara und Washington habe es den Deal gegeben, Brunson gegen eine in Israel inhaftierte Türkin, Ebru Özkan, einzutauschen. Dem Bericht zufolge platzte die Vereinbarung dadurch, dass Brunson unter Hausarrest gestellt wurde. Erdogan bestätigte zwar, dass man die USA um Hilfe gebeten habe, um Özkan, die seit zwei Wochen wieder in der Türkei ist, freizubekommen. Der türkische Staatschef widersprach allerdings der Darstellung eines Deals: Brunson sei von der Türkei niemals als Faustpfand benutzt worden.

Im September 2017 hatte Erdogan jedoch noch vorgeschlagen, Ankara könne Brunson freilassen, wenn Washington im Gegenzug den Prediger Fethullah Gülen ausliefere, der von der türkischen Führung als Drahtzieher des gescheiterten Putsches gesehen wird. Dies lehnten die Amerikaner ab.

ust/ml (afp, rtr, Twitter)

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