Erdogan lässt wieder mehr als 200 Soldaten festnehmen | Aktuell Europa | DW | 14.09.2019
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Türkei

Erdogan lässt wieder mehr als 200 Soldaten festnehmen

Die Verfolgung von möglichen Anhängern des Predigers Gülen dauert an: Weitere 222 Armee-Angehörige sollen wegen angeblicher Kontakte zur Bewegung des Islamisten ins Gefängnis. Auch eine Deutsche hat es hart getroffen.

Aufmarsch türkischer Soldaten in Istanbul (Archivfoto: Getty Images/Y. Akgul)

Aufmarsch türkischer Soldaten in Istanbul (Archivbild von Mitte Dezember 2018)

Die Türkei hat die Festnahme von 222 Soldaten im Inland sowie im türkischen Teil Zyperns angeordnet. Ihnen wird die Unterstützung des islamischen Predigers Fethullah Gülen vorgeworfen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Präsident Recep Tayyip Erdogan betrachtet den in den USA lebenden einstigen Weggefährten Gülen als Drahtzieher des Putschversuchs gegen seine Regierung im Juli 2016. Die Bewegung des Geistlichen klassifiziert er als Terrororganisation.

Nach Angaben von Anadolu wurden bei laufenden Razzien in 54 türkischen Städten und in Zypern zunächst 50 Verdächtige festgenommen. Die betroffenen Soldaten dienten demnach in verschiedenen Streitkräften des Landes. Mehr als drei Jahre nach dem vereitelten Putsch von Teilen des Militärs sind Zehntausende Menschen in der Türkei als mutmaßliche Gülen-Anhänger aus dem öffentlichen Dienst entlassen, verfolgt oder verhaftet worden. Auch im Ausland sucht die türkische Regierung nach Anhängern. Gülen selbst weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe allesamt zurück.

Mehr als sechs Jahre Haft für Bundesbürgerin

Unterdessen wurde in der Türkei eine Deutsche wegen Terrorvorwürfen zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Ein Gericht im südlich gelegenen Karaman sah es nach Informationen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung als erwiesen an, dass die Frau sich wegen ihrer Verbindungen zur Gülen-Bewegung strafbar gemacht habe. Die 51-Jährige wurde demnach zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Den Berichten zufolge wurde ihr unter anderem zur Last gelegt, eine mit Gülens Bewegung verbundene Frauengruppe organisiert zu haben. Zudem soll sie an einem Treffen der Gülen-Bewegung teilgenommen haben.

Die Frau soll ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft haben und seit 2013 in der Türkei leben. Sie ist die erste Bundesbürgerin, die nach dem gescheiterten Putsch festgenommen worden war. 2017 begann laut WDR, NDR und SZ der Prozess, Ende 2018 wurde die Deutsche schuldig gesprochen. Das Urteil - bislang nicht öffentlich bekannt - sei nun in der nächsthöheren Instanz bestätigt worden. Sollte die Revision der Frau scheitern, müsse sie die Strafe absitzen. "Dem Auswärtigen Amt ist der Fall bekannt, wir beobachten ihn aufmerksam", hieß es in Berlin. Weitere Angaben machte das Bundesministerium unter Verweis auf den Schutz der Persönlichkeitsrechte nicht. 

sti/jj (afp, dpa, rtr)

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