Erdogan betreibt Telefon-Diplomatie für Idlib | Aktuell Nahost | DW | 21.02.2020
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Syrienkrieg

Erdogan betreibt Telefon-Diplomatie für Idlib

Nach einem Dreier-Telefonat mit Macron und Merkel klingelt Erdogan auch noch bei Putin durch, um über Nordsyrien zu reden. Dabei ist sein Land an der jüngsten militärischen Eskalation direkt beteiligt.

Türkei Gipfeltreffen in Istanbul mit Merkel, Putin, Erdogan und Macron (picture-alliance/Sputnik/M. Klimentyev)

Haben Gesprächsbedarf: Angela Merkel, Wladimir Putin, Recep Tayyip Erdogan, Emmanuel Macron (Archivbild)

In einer Telefonschalte mit der deutschen Bundeskanzlerin und dem französischen Präsidenten hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan beide Länder zu Hilfen für die syrische Provinz Idlib aufgefordert. Angela Merkel und Emmanuel Macron sollten "konkrete Maßnahmen" ergreifen, um eine "humanitäre Katastrophe" im Nordwesten Syriens zu verhindern, teilte Erdogans Büro mit. Der Präsident habe die Notwendigkeit betont, die Angriffe der syrischen Regierung und ihrer Unterstützer in der Provinz Idlib zu stoppen.

Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, erklärte, die drei Teilnehmer des Telefonats "Stimmten darin überein, dass eine politische Lösung der Krise erreicht werden muss."

Am Freitagnachmittag sprach Erdogan auch mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin. Laut türkischem Präsidentenpalast forderte Erdogan Putin auf, dieser solle das Regime des syrischen Machthabers Baschar al-Assad von einem weiteren Vormarsch in Idlib abbringen. Auch der Kreml verlautbarte, beide Präsidenten wollten wegen der Idlib-Krise enger in Kontakt bleiben.

Gefährliche Eskalation in Idlib

Erdogan und Putin, die geopolitisch sonst häufig an einem Strang ziehen, unterstützen in der nordsyrischen Provinz Idlib gegnerische Konfliktparteien: Russland unterstützt die Truppen von Assad, der die letzte Rebellenhochburg wieder unter seine Kontrolle bringen will. Die Türkei steht jedoch auf der Seite der Rebellen und ist mit eigenen Soldaten in der Provinz präsent. "Solange das Regime die Peinigung des Volkes in Idlib nicht stoppt, kommt ein Rückzug unsererseits nicht infrage", sagte Erdogan.

Syrien Russischer Militärpolizist in der Nähe von Idlib (picture-alliance/Sputnik/D. Vinogradov)

Ein russischer Militärpolizist bei Maarat Al-Numan in der Provinz Idlib

Nach einem Treffen zwischen Erdogan und Putin in Moskau im Oktober in Sotschi hatten türkische Soldaten Beobachtungsposten in der Region eingerichtet. In den vergangenen Wochen wurden diese stark aufgerüstet. Seitdem kam es bereits zu gefährlichen Zwischenfällen und gegenseitigen Drohungen, die eine direkte militärische Konfrontation in gefährliche Nähe rückten.

Die Vereinten Nationen warnten vor einem "Blutbad" in der Region. 900.000 Menschen sind auf der Flucht, allerdings in einem immer kleineren Gebiet eingekesselt. 60 Prozent von ihnen sind UN-Angaben zufolge Kinder.

Syrien Azaz Flüchtlinge aus Idlib (Reuters/K. Ashawi)

900.000 vertriebene Menschen irren in der umkämpften Provinz Idlib auf der Suche nach Schutz umher

Kommt ein Vierer-Treffen mit Putin?

Merkel und Macron hatten am Donnerstag bereits mit Putin telefoniert und dem russischen Präsidenten ein gemeinsames Vierer-Treffen mit Erdogan vorgeschlagen. Ein Kreml-Sprecher bekräftigte, es werde über "die Möglichkeit eines Gipfeltreffens diskutiert". Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen. Als Termin steht laut Erdogans Mitteilung der 5. März im Raum. Im Oktober 2018 hatten die vier Spitzenpolitiker sich schon einmal in Istanbul getroffen, um über den seit 2011 andauernden Syrien-Krieg zu beraten.

ehl/qu (afp, rtr, dpa)

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