Er liebte die Glühbirne: Lichtkünstler Ingo Maurer ist tot | Kunst | DW | 23.10.2019
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Designgeschichte

Er liebte die Glühbirne: Lichtkünstler Ingo Maurer ist tot

Er schenkte den Menschen Licht - in zeitlosem Design. Mit "Bulb", einer puristischen Glühbirne, machte er sich in den 1960er Jahren einen Namen. Nun ist Ingo Maurer im Alter von 87 Jahren gestorben.

Vor mehr als 50 Jahren liegt Ingo Maurer, angetrunken nach einer Flasche Rotwein, auf seinem Hotelbett in Venedig und starrt an die Decke - und eine nackte Glühbirne starrt zurück. Als "wunderschön" empfindet er die 15-Watt-Birne. "Manchmal werden die Dinge ja intensiver, wenn man nicht ganz nüchtern ist. Ich habe mich sofort hingesetzt und meine Lampe 'Bulb' gezeichnet", erzählte der Lichtkünstler 2014 der Wochenzeitung DIE ZEIT. Gleich am nächsten Tag soll er auf die Insel Murano übergesetzt sein und sich seinen Entwurf von den Glasbläsern anfertigen haben lassen: eine Glasskulptur in Form einer Glühbirne - mit Glühbirne. Ein Designklassiker war geboren und schaffte es bereits drei Jahre später, 1969, in die Design Collection des Museum of Modern Art in New York, ein außerordentlicher Ritterschlag für eine Lampe.

 Ingo Maurer - Lichtgestalter und Künstler (picture-alliance/dpa/S. Görlich)

Ingo Maurer

Inspiriert von Sonnenstrahlen 

Ingo Maurer, geboren 1932, wuchs auf der Insel Reichenau im Bodensee in Süddeutschland auf. Sein Vater war dort Fischer, das Element Wasser prägte den Jungen, der sehr viel Zeit auf dem See verbrachte. "Ich lag auf dem Rücken in einem Boot und schaute verträumt in den Himmel", erzählte er einmal der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Reflexionen der Sonnenstrahlen seien ihm stets im Gedächtnis geblieben. Maurer wuchs während des Zweiten Weltkrieges auf, machte später eine Ausbildung als Schriftsetzer in Konstanz und studierte anschließend Gebrauchsgrafik in München. In den 1960er Jahren arbeitete er in New York und San Francisco. 1966 gründete er die Firma "Design M", die später zu "Ingo Maurer GmbH" umbenannt wurde. Hier entwarf er seine ersten wegweisenden Leuchten bis hin zur Produktreife.

Pures, zeitloses Licht

"Schlechtes Licht macht unglücklich", hat Maurer einmal gesagt und immer wieder seine große Liebe zur Glühbirne bekannt. Sie war sein Markenzeichen. Während andere Designer diese nur als Leuchtmittel begreifen und sie unter Schirmen verstecken, machte Maurer sie zum Zentrum seiner Entwürfe. Aber auf diesem zeitlosen Einfall ruhte er sich nicht aus. Bereits in den 1980er Jahren arbeitete er mit Niedervolt-Systemen, hängte Halogenleuchten an Metallseile und setzte auch hier erneut Designstandards.

Raumgreifende Maßstäbe entwickelte Ingo Maurer ab den 1990er Jahren. Hier machte er sich als Lichtkünstler einen Namen, schuf Installationen für den öffentlichen Raum wie U-Bahnhöfe in München oder für das Atomium in Brüssel. Nur zwei Tage vor seinem Tod wurde sein letztes Werk vorgestellt: "Silver Cloud", eine zwölf Meter lange Installation aus 3000 Silberblättern, im Foyer des Münchner Residenztheaters. Ingo Maurer verstarb am 21. Oktober im Alter von 87 Jahren.

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