Epidemie oder Pandemie: Das sind die Unterschiede | Wissen & Umwelt | DW | 17.02.2020
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Wissen & Umwelt

Epidemie oder Pandemie: Das sind die Unterschiede

Epidemie und Pandemie sind Begriffe, die im Zusammenhang mit der Ausbreitung von Krankheiten immer wieder fallen. Was bedeuten sie wirklich?

Epidemie und Pandemie sind Worte, die Angst machen. Man denkt an ein überfordertes Gesundheitssystem, an Mundschutz und einen Anstieg der Todesfälle. Diese Assoziationen sind verständlich, haben aber erst einmal nichts mit der Definition der Begriffe zu tuen.

Von einer Epidemie wird gesprochen, wenn eine Krankheit in einer bestimmten Region und in einem begrenzten Zeitraum ungewöhnlich häufig vorkommt.

Eine Pandemie ist eine Epidemie, die sich über die Grenzen eines bestimmten Landes oder auch eines Kontinentes ausbreitet.

Das bedeutet vor allem, dass die erfolgreiche Kontrolle der Krankheit von der Kooperation der Gesundheitssysteme verschiedener Länder abhängt. Es bedeutet nicht, dass eine Krankheit besonders gefährlich oder tödlich ist.

Das geographische Gegenteil einer Pandemie ist eine Endemie.

Endemie: die ständige Bedrohung

Eine Krankheit, die in bestimmten Regionen regelmäßig auftritt, wird als endemisch bezeichnet. Bei einer Endemie bleibt die Zahl der Erkrankungen über die Zeit relativ konstant.

Sie ist höher als in anderen Gegenden, nimmt im Laufe der Zeit aber nicht weiter zu. In einem gewissen Zeitraum erkranken ungefähr immer gleich viele Menschen neu.

Ein typisches Beispiel ist die Malaria, an der jedes Jahr 300 Millionen Menschen weltweit erkranken, hauptsächlich in den Tropen.

Mücke Malaria, die einen Menschen sticht (picture-alliance/dpa/P. Pleul)

Malaria ist in vielen Regionen der Welt endemisch.

Epidemie: nur in einer Region

Wenn die Zahl der Erkrankungen in einer bestimmten Region über das normal zu erwartende (endemische) Level steigt, spricht man von einer Epidemie. Wenn die Krankheitsfälle lokal begrenzt sind, wird oft von einem Ausbruch gesprochen. 

Eine Epidemie entsteht zum Beispiel, wenn sich die Virulenz eines bestimmten Erregers verändert: Ein Virus mutiert und wird dadurch ansteckender.

Auch wenn Krankheiten in ein bestimmtes Gebiet neu eingeführt werden, kann das zu Epidemie führen. Voraussetzung ist, dass eine Krankheit von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann.

Ein Beispiel dafür sind die Pocken, die seit Beginn des 16. Jahrhunderts von den europäischen Eroberern nach Amerika eingeschleppt wurden. Weil die indigene Bevölkerung vorher noch nie mit den Erregern in Kontakt war, hatte sie keinerlei Abwehrkräfte.

Einzelne Hochrechnungen gehen davon aus, dass bis zu 90 % der indigenen Bevölkerung Amerikas den Pocken zum Opfer fiel.

Iranische Mädchen mit Mundschutz steigen in ein Auto (ISNA)

Iranische Mädchen versuchen sich 2015 vor einer Schweinegrippe-Ausbruch zu schützen.

Pandemie: weltweite Ausbreitung

Breitet sich eine Krankheit nicht nur regional, sondern über Länder und Kontinente hinweg aus, sprechen Experten von einer Pandemie.

Laut WHO und CDC werden Pandemien meistens von neu auftretenden Erregern oder Virustypen verursacht. Das können zum Beispiel Zoonosen sein, also Krankheiten, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden.

Wenn eine Krankheit für Menschen neu ist, werden nur sehr wenige Personen gegen das Virus immun sein. Impfungen gibt es in diesem Fall ebenfalls keine. Das kann dazu führen, dass sehr viele Menschen erkranken.

Wie gefährlich oder tödlich die Erkrankung verläuft, hängt von dem spezifischen Virus und dem Gesundheitszustand des einzelnen Menschen ab.

Selbst wenn eine Krankheit prozentual gesehen in den meisten Fällen harmlos verläuft, kann die absolute Zahl der schweren Erkrankungen bei einer Pandemie sehr hoch sein. Das liegt einfach daran, dass insgesamt sehr, sehr viele Menschen mit den Krankheitserregern infiziert sind.

Symboilbild impfen (picture-alliance/imagebroker)

Ohne eine wirksame Impfung können sich neue Viren oft ungehindert ausbreiten.

Eine typische Krankheit, die immer wieder pandemische Ausmaße annimmt, ist die Grippe. An der Spanischen Grippe von 1918 starben mit 25 bis 50 Millionen Toten mehr Menschen als im 1. Weltkrieg. Auch die Schweinegrippe löste im Jahr 2009 eine Pandemie aus.

Allerdings können auch bei einer Pandemie einzelne abgeschiedene Gebiete von der Krankheit verschont bleiben, Insel oder Berggebiete beispielsweise. Der Flugverkehr begünstigt allerdings die Ausbreitung von Pandemien.

Die Begriffe Epidemie und Pandemie bezieht sich im Normalfall auf Infektionskrankheiten. Weil der einen dringenden Handlungsbedarf vermittelt, werden manchmal aber auch nicht übertragbare Krankheiten so bezeichnet. Diabetes-Epidemie, zum Beispiel.  

Die Pandemie in der Politik

Neben der rein geographischen Einordnung einer Krankheit spielt der Begriff Pandemie auch in der Gesundheitspolitik eine wichtige Rolle. Früher gab es bei der WHO ein sechsstufiges Warnsystem, auf dessen Grundlage Pandemien eingestuft wurden. Dieses Stufensystem wir heute allerdings nicht mehr verwendet.

Stattdessen gibt es nur noch einen offiziellen Notfallstatus, den Public Health Emergency of International Concern (PHEIC). Im Fall des neuartigen Coronavirus wurde diese alleinige und damit auch maximale Warnstufe bereits am 30.01.2020 ausgerufen.

Auch wenn die WHO in ihrer Außenkommunikation weiter von "Pandemie" oder "noch keine Pandemie" spricht, hat diese Einordnung keine offiziellen Auswirkungen.

Wann und wie nationale Pandemiepläne umgesetzt werden, liegt damit alleine in der Verantwortung der einzelnen Länder. 

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