Entwicklungsländer warnen vor Scheitern der UN-Klimakonferenz | Aktuell Europa | DW | 14.12.2018
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Klimaschutz

Entwicklungsländer warnen vor Scheitern der UN-Klimakonferenz

Kurz vor dem offiziellen Ende der Weltklimakonferenz in Polen warnen viele Teilnehmer vor einem Scheitern der Verhandlungen. Ein "Weiter so" könnte auch negative Folgen für die deutsche Wirtschaft haben.

Rund 90 Entwicklungsländer erklärten gemeinsam, sie seien "zutiefst besorgt" über den Verhandlungsverlauf in Kattowitz. Die vom Klimawandel besonders bedrohten kleinen Inselstaaten und die am wenigsten entwickelten Länder beklagten in einer gemeinsamen Erklärung ein "Feststecken" der Verhandlungen. Sie drangen darauf, dass alle Länder Erkenntnisse des 1,5-Grad-Berichts des Weltklimarats IPCC anerkennen und ihre Klimaziele entsprechend anpassen. Nur so könnten sie eine "Klimakatastrophe verhindern".

Die Präsidentin der Marshall-Inseln, Hilda Heine, rief alle Verhandlungsdelegationen in einer Videobotschaft auf, sich gegen ein "mittelmäßiges Ergebnis der COP24 zusammenzuschließen". "Wir diskutieren hier nicht belanglose Texte oder Satzzeichen, sondern unser Überleben", sagte der Sekretär der philippinischen Klimawandel-Kommission, Emmanuel de Guzman, in Kattowitz.

Straßburg Europäisches Parlament | Hilda Heine, Präsidentin der Marschallinseln (Getty Images/AFP/F. Florin)

Hilda Heine, die Präsidentin der Marshall-Inseln, macht in Kattowitz Druck

Geht es in die Verlängerung?

"Es ist jetzt Zeit, sich zu bewegen", mahnte der polnische Konferenz-Vorsitzende Michal Kurtyka. Zuvor hatte es in einer Erklärung seines Büros geheißen, die Konferenz werde statt am Freitag womöglich "ein paar Tage" später enden. Kurtyka sagte vor dem Plenum, er sehe "konstruktives Engagement" und einen "starken Willen, einen Konsens zu erzielen". Die Verhandlungen müssten aber schneller vorankommen. An diesem Freitag will sich auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres erneut in die Beratungen einschalten.

Die UN-Klimakonferenz in Kattowitz hatte am 2. Dezember begonnen, offiziell soll sie am Freitag enden. In der Vergangenheit war bei den Weltklimakonferenzen immer wieder überzogen worden. Bis Donnerstagnachmittag hatte Kurtyka eigentlich die Texte der unterschiedlichen Verhandlungsgruppen zu einem Gesamtentwurf zusammenfügen wollen.

Noch kein Regelbuch in Sicht

Ziel ist unter anderem ein Regelbuch für die praktische Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015. Das angestrebte Regelbuch soll unter anderem festschreiben, wie die nationalen Klimaziele künftig formuliert, eingereicht und überprüft werden. In Paris wurde vereinbart, dass die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad begrenzt werden soll, möglichst sogar auf 1,5 Grad. Die bisher zugesagten Maßnahmen der Staaten reichen dafür bei weitem nicht aus.

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Quadriga - Klimagipfel: Countdown für die Menschheit? (06.12.2018)

Ein Knackpunkt auf der Konferenz ist, dass die ärmeren und vom Klimawandel besonders betroffenen Staaten verlässliche und längerfristige Finanzzusagen wollen. Zudem fordern sie eine öffentlich sichtbare Anerkennung der Schäden, die Klimawandel-Folgen wie Hitze, Dürre oder Überschwemmungen anrichten. Gestritten wird auch um ein klares Bekenntnis zum 1,5-Grad-Ziel, das ein radikales Umsteuern erfordern würde.

Angesichts der Befunde des jüngsten Berichts des Weltklimarats IPCC stehen die Verhandler außerdem unter Druck, ihre Zusagen zur Verringerung der Treibhausgas-Emissionen schnell nachzubessern. Der IPCC-Bericht hatte Anfang Oktober dargelegt, dass eine Erderwärmung von mehr als 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau verheerende Folgen hätte. Abgewendet werden kann dies laut Weltklimarat nur noch durch ein schnelles und entschiedenes Umsteuern der internationalen Gemeinschaft.

Auswirkungen auf deutschen Außenhandel

Während der Klimawandel und der damit verbundene Anstieg des Meeresspiegels die Existenz kleinerer Inselstaaten direkt bedroht, befürchtet das Umweltbundesamt indirekte Folgen für Deutschlands Wirtschaft. Die Behörde hat Klimarisiken im Rahmen internationaler Handelsbeziehungen untersucht. "Auswirkungen in anderen Weltregionen können auch bei uns mit erheblichen wirtschaftlichen Schäden durchschlagen - zum Beispiel, wenn extreme Wetterereignisse Infrastrukturen und Handelswege beschädigen, die landwirtschaftliche Produktion beeinträchtigen oder gar ganze Ernten vernichten", erklärt Umweltbundesamt-Präsidentin Maria Krautzberger. Der Behörde zufolge verteilen sich sechs Prozent der deutschen Importe und vier Prozent der Exporte deutscher Unternehmen auf zwölf Länder oder Regionen, die als besonders empfindlich für die Folgen des Klimawandels gelten.

Der deutsche Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber appellierte unterdessen an die deutsche Regierung, mehr in Sachen Klimaschutz zu unternehmen. "Wenn es ein Land gibt, das ökonomisch und technologisch in der Lage zu einem ökologischen Umbau wäre, dann doch ganz sicher Deutschland mit seiner Vollbeschäftigung und den Überschüssen in der Staatskasse", so Schellnhuber. Der  Gründer des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung erhofft sich von der UN-Klimakonferenz eine "Betriebsanleitung für die nationalen Anstrengungen" im Klimaschutz. Bislang tue kaum ein Staat genug. Bezahlen würden die jungen Leute, speziell in den verletzlichsten Gesellschaften weltweit.  

Schülerstreik fürs Klima

An diesem Freitag wollen sich viele deutsche Schüler der Protestaktion der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg anschließen. Statt zur Schule zu gehen protestiert die 15-Jährige in ihrem Heimatland seit Monaten immer freitags gegen den Klimawandel.  Zum Endspurt der UN-Klimakonferenz rief Thunberg nun zu einem internationalen Schulstreik auf. Dem wollten Schüler aus zahlreichen deutschen Städten Folge leisten, wie sie in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter ankündigten. Demnach sind Protestaktionen unter anderem in Berlin, Hamburg, München und Köln geplant. Auch im Gipfel-Gastgeberland Polen wollten Schüler bei dem Treffen für mehr Klimaschutz protestieren.

Schweden Greta Thunberg Schulstreik Protest Klimawandel (picture-alliance/DPR/H. Franzen)

Unermüdlich setzt sich die 15-jährige Greta Thunberg für mehr Klimaschutz ein

Bei den Verhandlungen gebe es immer noch keine Anzeichen von Zugeständnissen, erklärte Thunberg mit Blick auf die beratenden Politiker in einem bei Twitter veröffentlichtem Video. Die Jugendliche war extra zu den Beratungen nach Kattowitz gereist. "Die Emissionen steigen weiter an, obwohl die Wissenschaft uns gesagt hat, dass wir jetzt handeln müssen", sagte sie. Die 15-Jährige appellierte an Schüler weltweit: "Bitte streikt mit uns."

kle/hk/djo (afp, dpa)

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