England nach Sieg über Kamerun im Viertelfinale | Sport | DW | 23.06.2019
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WM-Achtelfinale England - Kamerun

England nach Sieg über Kamerun im Viertelfinale

Das Spiel stand kurz vor dem Abbruch: Begleitet von heftigen Protesten der Spielerinnen aus Kamerun sind Englands Fußball-Frauen letztlich eine Runde weiter. Viermal nutzte Schiedsrichterin Liang Quin den Videobeweis.

Gabrielle Aboudi Onguene musste all ihre Routine, all ihr Einfühlungsvermögen, all ihre Überredungskünste aufbringen, sonst wäre das Achtelfinale zwischen England und Kamerun schon nach 55 Minuten zu Ende gewesen. Wieder fühlten sich ihre Mitspielerinnen ungerecht behandelt. Diesmal war es ein Treffer von Alexandra Takounda, dem Schiedsrichterin Liang Qin aus China nach Überprüfung der Videobilder die Anerkennung verwehrte.

Die vermeintliche Torschützin, mit Tränen in den Augen, wollte nicht weitermachen und sie hatte ganz offensichtlich Gefolgsleute, die mit ihr in Richtung Kabine strebten. Aber Onguene, nur 1,53 Meter groß, behielt als Kapitänin die Ruhe, beschwichtigte, nahm sie in den Arm und schaffte es schließlich, ihre Mitspielerinnen nochmals zum Weitermachen zu überreden.

Strafbares Rückspiel

Frauenfußball-WM - England - Kamerun | Gabrielle Aboudi Onguene (Getty Images/Elsa)

Immer gegen uns! Kameruns Kapitänin Gabrille Aboudi Onguene verzweifelt an den Schiedsrichter-Entscheidungen

Zu diesem Zeitpunkt hatte es 2:0 für die Engländerinnen gestanden, die die Partie am Ende sogar mit 3:0 (2:0) gewinnen und ungefährdet ins Viertelfinale einziehen sollten. Und auch bei den beiden ersten Treffern sahen sich die Afrikanerinnen benachteiligt. Dem 0:1 war ein Rückspiel aus kurzer Distanz vorausgegangen, das Torhüterin Anette Ngo Ndom mit den Händen aufnahm, statt den Ball einfach wegzuschlagen. Qin entschied auf indirekten Freistoß am Rande des Fünfmeterraums, Steph Houghton verwandelte überlegt mit einem gezielten Schuss ins lange Eck (15. Minute).

Das 2:0 der Engländerinnen kam erst auf Betreiben des deutschen Video-Assistenten Bastian Dankert zustande. Denn die Assistentin hatte dem Tor von Ellen White (45.+5) nach feinem Außenrist-Steilpass von Lucy Bronze zunächst die Anerkennung versagt. Für Zuschauer am TV und im Stadion eine scheinbar richtige Entscheidung, aber tatsächlich ergab die Überprüfung der Fernsehbilder, dass White knapp nicht im Abseits gestanden hatte.

Schon hier weigerten sich die Spielerinnen aus Kamerun zunächst weiterzuspielen, Trainer Alain Djeumfa schimpfte an der Seitenlinie, und erst als die Unparteiische ihr Urteil noch einmal erklärt hatte, konnte das Spiel nach minutenlanger Unterbrechung fortgesetzt werden. Aboudi Onguene rief ihre Mitspielerinnen nach dem Pausenpfiff am Mittelkreis zusammen, redete lange auf sie ein. 

Irritierte Engländerinnen

Frauenfußball-WM - England - Kamerun (Getty Images/M. Atkins)

Alex Greenwood (Nr. 3) fordert Rot, Aboudi Onguene (Nr.7) findet das unsportlich

Beide Teams konnten einem jetzt leid tun. Die Kamerunerinnen, weil sie so bitterlich weinten und traurig waren, die Engländerinnen, weil sie in der Folge vom Publikum ausgebuht wurden. Und das, obwohl sie am wenigsten für die - richtigen - Entscheidungen der Schiedsrichterin konnten. Fast hätte die Verunsicherung zum eingangs erwähnten Anschlusstreffer geführt. Nach einigen Minuten fing sich die Mannschaft von Trainer Phil Neville aber wieder, und Alex Greenwood sorgte nach einer Ecke in der 58. Minute für die Entscheidung.

Liang Qin bewies später noch zweimal Fingerspitzengefühl: In der 76. Minute, als eine Kamerunerin ihrer Gegnerin im Strafraum auf den Fuß getreten war, Jodie Taylor aber danach frei zum Schuss kam - kein Strafstoß, bedeutete die Schiedsrichterin. Es war eine dieser 50/50-Entscheidungen, ein Kann-Strafstoß, kein Muss. Und dann in der 7. Minute der Nachspielzeit, als Takaounda einer Engländerin an der Mittellinie von der Seite auf den Fuß trat.

Auch hier hätte man Rot zeigen können, nicht müssen. Diesmal war auch die eben noch so besonnene Gabrielle Aboudi Onguene aufgebracht, denn die Engländerinnen forderten einen Platzverweis. Qin beließ es bei einer Verwarnung. Das Spiel war eh gelaufen, nach, inklusive Nachspielzeit, 107 Minuten.

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