Endstation Streaming - Was kommt als Nächstes? | Wirtschaft | DW | 15.05.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Streamingdienste

Endstation Streaming - Was kommt als Nächstes?

Streamingdienste sind die Zukunft der Musikindustrie. Noch. Der Wandel in den letzten Jahren zeigt aber, wie schnell es zum Umbruch kommt. Doch was könnte nach Streaming kommen?

Ein neues Album des Lieblingskünstlers ist erschienen. Man geht in den Laden und kauft es sich…. So war das mal. Heute bleibt man zu Hause und "streamt" sich das ganze Album innerhalb weniger Sekunden auf das Smartphone. Immer zugriffsbereit. Für zu Hause und unterwegs, und das auch noch gefühlt kostenlos. So sieht die Gegenwart aus.

Die Musikindustrie schien angesichts dieser Entwicklung noch vor einigen Jahren komplett verloren. Immer weniger Leute kauften sich noch Tonträger wie CD's oder gar Schallplatten. Der Umsatz sank dramatisch, einstige Major Labels schrieben rote Zahlen, Musiker mussten sich auf einmal einen Zweitjob suchen.

Musik-Streaming (picture-alliance/AP Photo/J. Kane)

Auf allen Smartphones vorhanden: Eine Auswahl von Streaming-Apps

Die Branche war praktisch schon tot, bis sich Ende der 2000er Jahre eine neue Art der Musiknutzung anbot, die schneller, innovativer und einfach leichter war. Das Streamen. Spotify, Deezer und YouTube sorgten für eine Wiederauferstehung im Musikbusiness und sind heute Spitzenreiter bei Nutzungs- und Umsatzzahlen. 

Das Ende von CD und Vinyl?

Dem "Music Consumer Insight Report 2018" nach nutzen weltweit 86 Prozent der Menschen Streaming-Dienste, um Musik zu hören. Es ist klar, dass sich die Zeiten der physischen Musikträger dem Ende zuneigen. Doch wird sich die Musikindustrie schon bald nur noch auf das derzeitige Streaming-Konzept begrenzen?  

"Wenn man sich anschaut, wie sich die Welt der Musiknutzung in den vergangenen 20 Jahren verändert hat, ist kaum davon auszugehen, dass Musikstreaming das Ende der Entwicklung ist," sagt Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Musikindustrie.

Fakt ist, dass Audio-Streaming mit 255 Millionen zahlenden Nutzern weltweit die beliebteste Art des Musikhörens ist. CDs und Vinyl sind schon längst vom Aussterben bedroht.

Der schwedische Streamingdienst Spotify knackte erst kürzlich die 100 Millionen Premium-Abonnenten-Marke und erreichte somit eigenen Aussagen zufolge "einen wichtigen Meilenstein". Trotzdem schreibt der Konzern immer wieder rote Zahlen, und das bei einer Milliarde Dollar Umsatz im Monat.

Wenn also die Marktführer solche Meilensteine erreichen und dennoch solche Probleme haben: Was heißt das für die Zukunft?

Konkurrenz ist vorhanden

Eine Alternative zum kostenpflichtigen Streaming könnte demnächst Amazon bieten. Der Konzern plant offenbar einen werbefinanzierten Streaming-Dienst (ähnlich wie Spotify) zur Verfügung stellen. Das Neue hierbei: Der Dienst soll über den konzerneigenen Smart-Speaker Alexa aktivierbar sein. Doch eine wirkliche Bedrohung für kostenpflichtiges Streaming stellt das nicht dar, glaubt Florian Drücke. "2018 haben 21 Prozent der Deutschen ein Premium-Abo genutzt, dem standen elf Prozent werbefinanzierte Streamer gegenüber." Das kostenlose Streamen werde also eher als "komplementäres Angebot" angesehen und weniger als "Konkurrenz".

Der österreichische Musikwirtschaftsforscher Peter Tschmuck sieht die Zukunft vor allem bei jenen, die wie Amazon Music in größere Konzernstrukturen eingebunden sind. Seiner Meinung nach haben diese Anbieter einen Vorteil, da sie "auf einem bestehenden System aufbauen können."

Vor allem Konzerne wie Amazon, Apple und Google stellten eine Konkurrenz für den derzeitigen Marktführer Spotify dar, da sie nicht "darauf angewiesen sind, nur aus diesem Zweig Gewinne zu machen."  Die Großkonzerne könnten also schon in absehbarer Zeit selbst unseren Musikgeschmack im Griff haben.

"Es ist keineswegs fix, dass Spotify Marktführer bleibt," vermutet Tschmuck, "da es ein Stand-Alone-Streaming-Service ist, der bislang noch keinen Gewinn gemacht hat." Tschmuck erwartet daher in absehbarer Zeit eine Marktbereinigung, "dem vor allem Stand-Alone-Services zum Opfer fallen werden".

YouTube-App (Imago/imagebroker/V. Wolf)

Hören, sehen, streamen: Mit YouTube geht alles

Und dann wäre da noch YouTube

Das kostenlose Musikangebot des Video-Stream-Anbieters ist bei Usern immer noch sehr beliebt. Die Hälfte der Zeit, in der Musik gestreamt wird, wird auf YouTube verbracht.

"Nach Zahlen des IFPI (International Federation oft he Phonographic Industry) ist das auf YouTube verfügbare Musikangebot für knapp über ein Drittel der Befragten einer der Hauptgründe, kein kostenpflichtiges Abo anzuschließen", erläutert Drücke. Dies ist für andere Streaminganbieter von Nachteil und schmälert den Umsatz der Musikindustrie.  YouTube hingegen verdient gut dabei, wohl auch, weil der Dienst noch weniger an die Künstler zahlt als die anderen Streamingdienste.

Ein weiterer Konkurrent von Spotify und Co ist das sogenannte "Streamripping". Rund 38 Prozent der Hörer ziehen ihre Musik illegal aus dem Netz, um keine kostenpflichtigen Anbieter zu nutzen. Dies schadet sowohl den anderen Anbietern als auch den Künstlern, da ohne Lizenzzahlungen keine Einnahmen erfolgen.

Auf dem Weg in die "Streaming-Ökonomie"

So oder so wird das Geschäft mit der Musik vermutlich immer mehr vom Audio-Streaming dominiert werden.  Vor allem die Tatsache, dass die Hälfte der Umsätze der Musikindustrie dadurch generiert wird, zeigt eine deutliche Tendenz für die Zukunft.

Peter Tschmuck hat "keinen Zweifel, dass wir uns auf dem Weg in die Streaming-Ökonomie befinden." Den guten, alten CD-Player kann man also gemeinsam mit Omas Plattenspieler entsorgen.

Das Streamen hat die Musikindustrie wieder aufblühen lassen. Selbst unbekannte Musiker haben nun die Möglichkeit, auch ohne großen Plattenvertrag ein Stück vom Kuchen zu ergattern. Jedoch können selbst Spotify und Deezer wohl nicht einer ständigen Erneuerung ihrer Konzepte entkommen, denn die Konkurrenz in Form von Großkonzernen und moderner Technologien schläft nicht. Auch für Florian Drücke steht fest: "Streaming wird uns sicher noch sehr lange begleiten, wir werden aber ebenso sicher auch neue Nutzungsformen erleben." 

Vielleicht ist dies gar nicht so weit weg. Die App "Endel" ist in der Lage, durch Algorithmen von sich aus ununterbrochen neue Musik zu produzieren. Diese wird zwar zurzeit nur als Entspannungsmusik verwendet, doch in einer nächsten Entwicklungsstufe könnte dieses System schon bald auch im Alltag genutzt werden.

Aber: Ob Streaming oder Algorithmus - das Erlebnis eines Live-Konzerts können diese Technologien nicht ersetzen - noch nicht.

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema